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In der Lehrwerkstatt des Donaukraftwerkes Ybbs-Persenbeug bekommen junge Menschen eine erstklassige Ausbildung in Maschinenbau und Elektrotechnik. Tips bat die junge Meisterin Brigitte Mayrhofer und den Standortleiter Robert Nußbaummüller zum Gespräch über Lehre und wie sie sich verändert hat.

Zwei Generationen des Meisterhandwerks 
Zwei Generationen des Meisterhandwerks 

Tips: Wie lange ist Ihre Lehrabschlussprüfung her?

Nußbaummüller: Das war 1979. Ich habe schon vor fast 40 Jahren den Lehrabschluss in Maschinenbau gemacht.

Mayrhofer: Ich habe 2014 zwei Lehren, also Maschinenbau und Elektrotechnik abgeschlossen.

Tips: Warum gerade Maschinenbau und Elektrotechnik?

Nußbaummüller: Zu meiner Zeit haben die Kinder noch viel mehr zu Hause mitgearbeitet. Man hat schnell gemerkt, wo die Stärken und Schwächen der Kinder und Jugendlichen liegen. Ich habe immer schon gerne an Fahrzeugen herumgebastelt. Bei mir hat sich schnell herausgestellt, dass ich gut mit Metall umgehen kann und zwei geschickte Hände habe.

Mayrhofer: Ich wollte immer schon was technisches machen und mein eigenes Geld verdienen. Außerdem wollte ich nicht mehr in der Schule sitzen.

Tips: Haben sich die Anforderungen an Lehrlinge in den letzten Jahren verändert?

Nußbaummüller: Früher sind aus den kleinen Landwirtschaften gute Facharbeiter entwachsen. Zu meiner Zeit haben die Kinder zu Hause viel mehr Handwerkliches gelernt. Ich habe in der Vöest gelernt und die geschicktesten waren die Bauernbuben aus dem Mühlviertel. Nach der Lehre ist man normalerweise ausgezogen. Heute passiert das viel später. Dinge, wie das Kleben eines Fahrradschlauches, lernen viele angehende Lehrlinge gar nicht mehr. Das machen wir hier in der Lehrwerkstatt. Zu meiner Zeit undenkbar, dass das jemand nicht konnte. Dafür sind die heutigen Jugendlichen viel aufgeschlossener. Dafür kann man heute einen 14-Jährigen problemlos alleine nach Wien schicken.

Mayrhofer: Heute kommen die Lehrlinge über die Recruiting -Abteilung. Der Aufnahmetest besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil.

Nußbaummüller: Dabei ist vernetztes und räumliches Denken gefordert. Im praktischen Teil wird die Handfertigkeit des Lehrlings überprüft. Bei einem persönlichen Aufnahmegespräch wird auf soziale Fähigkeiten geachtet.

Tips: Wie hat sich die Lehre verändert?

Nußbaummüller: Die Anforderungen waren früher nicht so umfangreich. Heute muss bei der Abschlussprüfung nicht nur ein Werkstück angefertigt werden, sondern auch in eine Steuerung integriert werden.

Mayrhofer: Das Grundwissen ist heute viel geringer, als es wahrscheinlich früher war. Ich habe zu Hause viel mit meinem Vater gemacht. Neue Lehrlinge können oft einfache Werkzeuge nicht benennen. Wir müssen anfangen, Wörter wie Schraubenzieher oder Gabelschlüssel zu erklären. Das ist Grundwissen, das man in so einem Beruf eigentlich bräuchte. Man kann aber nicht alle in einen Topf werfen.

Nußbaummüller: Auch grundsätzliche Begriffe, wie Flucht oder Stollen, müssen erklärt werden.

Mayrhofer: Dinge wie Digitales und Computer fallen den Jungen Menschen heute aber sicher leichter.

Nußbaummüller: Was man aber immer noch beibringen muss, ist ein Gefühl fürs Handwerk, weil ja doch noch viel mechanisches gefragt ist.

Tips: Wie ist es nach der Lehre weitergegangen?

Mayrhofer: Ich habe Lehre mit Matura und als Fachbereich gleich die Meisterprüfung gemacht.

Nußbaummüller: Ich habe nach der Betriebspraxis in der Abendschule die Meisterprüfung gemacht. Danach habe ich zum Verbund gewechselt. In den Bereich Wartung und Instandhaltung. Vor 15 Jahren habe ich dann in die Ausbildung gewechselt. Auch Erwachsenenbildung, weil wir alle Elektriker als Maschinenbauer zusatzqualifiziert haben. Heute bin ich Standortleiter der Lehrwerkstätte und Ausbildungsmeister. Ich bin stolz auf unsere Aushängeschilder. Unter unseren ehemaligen Lehrlingen befindet sich ein Linienpilot, ein Zahnarzt und auch unser Bürgermeister Alois Schroll. Wir geben auch Mädchen die Chance auf eine Karriere in der Technik. Frau Mayrhofer ist ein gutes Beispiel dafür. Unsere Mädchen sind sehr geschickt und fügen sich gut in die Gruppe ein. Unser Ziel sind zehn Prozent Frauenanteil in unserem Lehrberuf.

Tips: Aber warum sind so wenige Mädchen in der Technik?

Mayrhofer: Ich glaube, dass sich viele nicht drübertrauen, weil sie Angst haben, es nicht zu schaffen. Körperlich, aber auch aufgrund fehlender technischer Unterstützung aus dem Elternhaus, das manchmal klischeebehaftet ist. Eltern sollten auch andere Perspektiven zeigen und Kinder sich ausprobieren lassen.

Nussbaummüller: Mit dem Girls Day haben wir ein Angebot an Mädchen. Wenn die Mädchen an unseren Maschinen arbeiten und auch ein Werkstück mit nach Hause nehmen dürfen, merkt man die Begeisterung an der Technik.

Mayrhofer: Da sehen sie dann auch, dass das keine Arbeit ist, die nur Männer machen können.

Nussbaummüller: Mädchen in der Technik hat es früher schon gegeben. Nur haben sie früher Radios zusammengebaut oder Röhren eingebaut. Das ist dann abgeebbt, aber jetzt kommt die Wirtschaft schön langsam drauf, dass technische Arbeit keine schwere manuelle Tätigkeit mehr ist. Heute übernehmen Maschinen die schwere Arbeit. Es braucht Menschen, die die Maschinen programmieren.

Mayrhofer: Verständnis zählt heute mehr als körperliche Kraft.

Tips: Warum sind Sie in die Lehrlingssausbildung gegangen?

Mayrhofer: Aus Spaß an der Arbeit im Team und der Freude, das Wissen weiterzugeben.

Nussbaummüller: Wir Meister machen den Lehrlingen schmackhaft, dass sie sich weiterentwickeln. Unsere Lehrlinge sind Botschafter und Vorbilder für die Lehre. Und das waren wir hoffentlich auch für Frau Mayrhofer.

Tips: Was wird sich in 25 Jahren in der Lehre verändert haben?

Mayrhofer: Ich glaube, dass das ganze noch viel mehr in die Digitalisierung geht und, dass vielmehr mit programmieren und weniger mit Handarbeit zu tun haben wird. Das Handwerk an sich wird aber nicht verschwinden, weil es hilft Zusammenhänge und Abläufe zu verstehen. Man wir auch in 25 Jahren noch feilen lernen.

Nussbaummüller: Die Wirtschaft wird erkennen, dass es wieder wichtig wird, vermehrt eigene Fachleute auszubilden, weil es die am Markt nicht mehr gibt. Gute Facharbeiter, die ins Unternehmen passen, muss man selber ausbilden. Wartung und Instandhaltung wird es immer geben. Diese Arbeiten werden aber vermehrt digitalisiert ausgeführt werden. Die Basics werden aber gleich bleiben. Metall, das verarbeitet wird, muss ich auch kennen. Gewisse Tätigkeiten kann der Computer nicht übernehmen. Fachwissen wird wichtiger werden. Auf einer Baustelle wird es digitale Planänderungen direkt vom Maurer geben. Das Etikett eines Farbkübels beinhaltet mittlerweile sehr viel Information, die erst einmal erfasst und eingeordnet werden muss.

Tips: Ein Appell, die Kinder wieder lernen zu lassen?

Nussbaummüller: Eine Lehre ist heute nicht das Ende der beruflichen Laufbahn. Lehre mit Matura und Meisterprüfung ist heute schon fast Standard. Das sieht man auch an Frau Mayrhofer. Fachenglisch, Organisation und Berechnungen gehören zu unseren Grundaufgaben. Eine Lehre alleine ist zu wenig. Die Facharbeiter sollen auch als solche anerkannt werden.

Mayrhofer: Das Image der Lehre sollte gehoben werden. Der Weg geht heute vom Feilen lernen bis zum Studium. Es sollten ich mehr Frauen über die Technik drübertrauen.


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