Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

NÖ. Kommt es in Niederösterreich zu einem medizinischen Notfall, wird in der Regel der nächstgelegene Rettungsstützpunkt alarmiert und der diensthabende Notarzt kommt so rasch als möglich zum schwer Erkrankten beziehungsweise Verunfallten, um erste notärztliche Maßnahmen zu setzen.

Die notärztliche Versorgung spitzt sich in Niederösterreich dramatisch zu. (Foto: 2020 Norman Krauss/Shutterstock)

„Leider läuft es in letzter Zeit nicht immer so, denn der nächstgelegene Stützpunkt ist immer öfter unbesetzt oder der diensthabende Notarzt ist bei einem anderen ärztlichen Notfall viele Kilometer entfernt im Einsatz“, umreißt der Präsident der Ärztekammer für Niederkammer, Dr. Harald Schlögel, die dramatische Situation des akuten Notärztemangels. „Je dünner die Stützpunkte besetzt sind, desto länger sind die Anfahrtswege und desto unwahrscheinlicher ist es, eine freie Notärztin beziehungsweise einen freien Notarzt anzutreffen. Arbeitsdichte und Belastung in dieser Spezialdisziplin werden immer höher, was den Mangel an Notärztinnen und Notärzten weiter verschärft. Wir sehen die Sicherheit und das Leben des Einzelnen bei einem medizinischen Notfall deutlich gefährdet. Deshalb brauchen wir jetzt und nicht erst morgen eine Lösung, an der alle Beteiligten zusammenarbeiten müssen“, fasst Schlögel den Ernst der Lage zusammen.

Vielfältige Gründe als Ursache für den Mangel

Ein Mangel entsteht selten von heute auf morgen, so auch im Notarztwesen. Seit mehreren Jahren steigt das Durchschnittsalter der Notärzte kontinuierlich an. Es gehen seit einigen Jahren mehr Notärzte in Pension als neue nachkommen. Dieser Trend dürfte sich in nächster Zeit noch massiv verstärken. „Der Grund dafür ist unter anderem eine Änderung der Ausbildung, die seither extrem aufwendig geworden ist. Insbesondere der erstmalige Zugang zum Notarztsystem für bereits berufsberechtigte Ärztinnen und Ärzte ist massiv erschwert: Es dauert für diese Gruppe nach dem sechsjährigen Studium, der dreieinhalbjährigen Ausbildung zum Allgemeinmediziner beziehungsweise der sechsjährigen Ausbildung zum Facharzt weitere drei Jahre auf einer Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin, um das Dekret zum Notarzt beziehungsweise zur Notärztin zu erhalten. Dazu kommt, dass das Verhältnis zwischen psychischer beziehungsweise physischer Belastung und Honorierung nicht passt. Während ein Arzt für die Aufklärung zur Corona-Schutzimpfung vom Bund 150 Euro pro Stunde an Honorar erhält, bezahlt das Land nur knapp ein Drittel dieser Summe für den oft lebensrettenden und für den Notarzt sehr belastenden Einsatz. Selbst für Wochenend-, Nacht- oder Feiertagsdienste erhalten die Notärztinnen und Notärzte keinerlei Zuschläge“, erläutert Franz Tödling, Leiter des Referats für Notfall- und Rettungsdienste, Katastrophenmedizin und Bereitschaftsdienst in der Ärztekammer für NÖ und selbst leitender Notarzt. Er ergänzt weiters: „Doch es ist wie oben erwähnt bei weitem nicht nur das finanzielle Ungleichgewicht, das in den letzten Jahren während der Pandemie entstanden ist und zu dieser dramatischen Lage beführt hat.“

Kurzfristige Lösung dringend nötig, um menschliche Katastrophe und Leid zu verhindern

Noch im August sollen Vertreter des Landes, der Rettungsorganisationen und der Ärztekammer für NÖ zusammenkommen, um Sofortmaßnahmen bis hin zu langfristigen Lösungen zu erarbeiten. Tödling meint dazu: „Es gibt das Pilotprojekt der Telemedizin, das bereits im Bezirk Tulln im Einsatz ist und wissenschaftlich ausgewertet wird. Als Überbrückungsmaßnahme könnte ich mir vorstellen, dieses unterstützende Tool auf ganz Niederösterreich auszuweiten. Ein bis zwei Notärztinnen oder Notärzte in Niederösterreich könnten über eine App, über die vor allem schriftlich kommuniziert wird, mit Sanitäterinnen und Sanitätern vor Ort verbunden sein, um erste Maßnahmen abzuklären und Entscheidungen für ein weiteres Vorgehen zu treffen. Weiters wird das Land sehr kurzfristig die Honorierung an vergleichbare ärztliche Tätigkeiten anpassen müssen, um weitere personelle Abgänge abwenden zu können. Mittelfristig wird man auch darüber nachdenken müssen, die Rettungsstützpunkte zu bündeln, damit diese wieder 24 Stunden und sieben Tage die Woche besetzt sind. Und zu guter Letzt brauchen wir eine Ausbildung zum Notarzt beziehungsweise zur Notärztin, die es jungen Kolleginnen und Kollegen ermöglicht, unkompliziert und effizient in dieses Berufsfeld einzusteigen und damit die fehlenden Dienste zu besetzen.“

Oberste Priorität: Erhalt der notärztlichen Expertise

Der Erhalt der notärztlichen Expertise am Notfallort hat oberste Priorität. Nur so kann die Bevölkerung in Niederösterreich bei einem Notfall darauf vertrauen, von höchstqualifizierten Ärzten erstversorgt und erstbehandelt zu werden. „Gerade im Notfall können die richtigen Entscheidungen Leben retten. Wir rufen daher alle am Notarztsystem Beteiligten auf, an einem Strang zu ziehen und ein Forderungspapier zu erarbeiten, um das Notarztsystem in Niederösterreich zu erhalten“, meint Schlögel abschließend.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden


Weitere Beiträge

Trachtiger Frühschoppen im Schloss Rothschild

Trachtiger Frühschoppen im Schloss Rothschild

WAIDHOFEN/YBBS. Die Volkskultur Niederösterreich ruft wieder zum landesweiten Dirndlgwandsonntag auf. Die Stadt Waidhofen schließt sich an ...

Tips - total regionalKarin Novak
Abschied vom Jodelstammtisch

Abschied vom Jodelstammtisch

WAIDHOFEN/YBBS. Mit dem Konkurs vom Gösserstüberl von Pächter Andreas Plachy im Gasthaus „Zum Halbmond“ und dem bald eintretenden neuen ...

Tips - total regionalKarin Novak
Hey, ab in den Süden

Hey, ab in den Süden

SONNTAGBERG. Die Melodie von „Hey, ab in den Süden“ begleitete 21 Kinder, die mit dem Hort des Bildungszentrums Gleiß vom 10. bis 14. Juli ...

Tips - total regionalKarin Novak
Umwerfende Premiere von Pension Schöller

Umwerfende Premiere von "Pension Schöller"

WAIDHOFEN/YBBS. Mit großer Spielfreude und humorvollem Waidhofen-Bezug brachte die Waidhofner Volksbühne unter Regie von Uschi Nocchieri den ...

Tips - total regionalKarin Novak
Anästhesist Rogenhofer übergibt an Steinbacher

Anästhesist Rogenhofer übergibt an Steinbacher

WAIDHOFEN/YBBS. Der stellvertretender Ärztliche Direktor und langjährige Leiter der anästhesiologischen und intensivmedizinischen Abteilung ...

Tips - total regionalKarin Novak
Eis für die „BikeRider“ der FSB Gleiß

Eis für die „BikeRider“ der FSB Gleiß

SONNTAGBERG. Bereits seit Frühlingsbeginn treten Schüler der FSB Gleiß gemeinsam mit ihren Lehrkräften eifrig in die Pedale. Sie machen zum ...

Tips - total regionalKarin Novak
Weitere Beiträge