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WAIDHOFEN/YBBS. Mit dem Konkurs vom Gösserstüberl von Pächter Andreas Plachy im Gasthaus „Zum Halbmond“ und dem bald eintretenden neuen Lebensabschnitt von Lili Lerner nimmt die Jodelstammtisch-Initiatorin Abschied von diesem. In einem Leserbrief erklärt sie ihre Beweggründe detailliert.

Lili Lerner sagt beim Abschied leise Servus. (Foto: zVg)
Lili Lerner sagt beim Abschied leise Servus. (Foto: zVg)

„Meine Lieben! Einige von euch werden vielleicht im Ybbstaler gelesen haben, dass das Gasthaus Zum Halbmond insolvent ist. Das stimmt nicht! Die Nachricht ist insofern falsch, als dass sie sich nur auf den Pächter des Restaurants beziehen sollte. Die Tanzbar bleibt aber weiterhin freitags und samstags in Betrieb und zu diesen Zeiten wird auch die Gaststube geöffnet sein. 

Pensionsantritt am Jahresende

Ich nehme diese Veränderung allerdings zum Anlass, mich vom Stammtisch zurückzuziehen. Ich werde mit Jahresende in Pension gehen und möchte die neue Ungebundenheit genießen. Viele von euch haben dem Stammtisch jahrelang die Treue gehalten und zu unvergesslichen Erlebnissen beigetragen. Ich war Teil von etwas, das ich als Wienerin vorher nicht kannte: eine spontane Verbundenheit durch die Musik. Menschen, die sich vorher nicht kannten, friedvoll an einem Tisch zu versammeln, ihre Geschichten zu hören, mit ihnen gemeinsam zu musizieren, all das klingt so banal und ist für mich doch genauso wertvoll wie selten geworden.

Gegenteil zur industriellen Unterhaltungskultur

Der Stammtisch war für mich das Gegenteil einer heutzutage gelebten industriellen Unterhaltungskultur, die mir ehrlich gesagt oft sehr unsympathisch ist: Menschen lassen sich unterhalten, ohne etwas dazu beizutragen. Man/frau lehnt sich zurück und schaut sich an, was geboten wird. Es wird konsumiert, und danach gibt´s Daumen rauf oder runter. Dass man selber Teil eines Gefüges ist und somit für die Qualität des Gesamten mitverantwortlich, wird dabei gern vergessen. Das alles war bei unserem Stammtisch anders: Es gab laute Stimmen und leise, welche die selten und solche, die oft zu hören waren, im Gespräch, im Gesang, mit dem Instrument. - Aber jede hat dazu beigetragen, den Anderen zu begegnen, war eine Brücke zum Gegenüber. Ich danke euch allen herzlich für diese schönen Erinnerungen!

Selbsthilfetreffen erwünscht 

Da es sich beim Jodeln in meinem Fall ja um eine unheilbare Infektion handelt (sozusagen Long Yodel) bleibe ich natürlich weiterhin davon befallen. Und ich hoffe, ähnlich Betroffenen unter euch auch in Zukunft bei gelegentlichen Selbsthilfetreffen zu begegnen. Falls, darüber hinausgehend, jemand Lust hat, den Stammtisch weiterzuführen, würde ich mich freuen und sicher auch oft gern daran teilnehmen!  

Mit herzlichem Dank für die gemeinsame Zeit 

eure Lili“


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