Wirtshaus-Singerei in Zwettl: Textlücken und falsche Töne erlaubt
ZWETTL. Das Wirtshaus bietet die perfekte Kulisse, um Hemmungen abzulegen. Ideal für gemeinsame Singabende, dachten sich wohl auch die Initiatoren der Wirtshaus-Singerei. Also nur keine Scheu - Mund auf und Töne einfach rauslassen.

Es ist Montagabend, der dritte im Monat März. Aus der Gaststube der „Goldenen Rose“ erklingen altbekannte Volkslieder - „Der Weg zu mein Diandl is stoani“, „Frau Wirtin, was san ma denn schuldig“ oder „Brüada, füllts ma an mei Glaserl“ ist da etwa zu hören. „Ja bei den Volksliedern geht es vielfach ums Trinken, um die Liebe, um das Sterben und manchmal auch um Jäger und Wilderer“, schmunzelt Josef Koppensteiner, der die Lieder heute auf seiner Steirischen Ziehharmonika begleitet.
Seit Herbst 2017 wird im Wirtshaus geträllert
Über Jahre diskutiert, wurde im vergangenen Herbst die Idee von Christian Löschenbrand schließlich umgesetzt. Unter dem Motto „Sing“ mit“ werden altbekannte Volkslieder angestimmt, jeder der Lust hat, kann sich einbringen, ohne dabei Angst vor falschen Tönen oder Textlücken zu haben.
„Bitte keine Scheu davor haben, ob man nun richtig oder falsch singt, es geht viel mehr darum, gerne zu singen, ganz ungezwungen“, lädt Christian Löschenbrand, Sänger bei den Comedian Vocalists, Interessierte herzlich dazu ein.
Jeden dritten Montag im Monat
Derzeit treffen sich zwischen vier und acht Leute jeden dritten Montag (19.30 Uhr) im Monat, „wir wollen natürlich mehr werden, gerne dürfen Instrumente mitgebracht werden“, so Löschenbrand. Gemeinsames Singen, alte „Hodan“ aufleben zu lassen und mit dem ein oder anderen Witz zu würzen - das ist die Idee der Organisatoren. „So wie es halt früher im Wirtshaus üblich war - etwa vor der Zeit des Fernsehens“, erklärt Löschenbrand.
Mut zur eigenen Stimme
„Das wahrscheinlich größte Problem ist, dass viele sich heute nicht mehr trauen, einfach mal ein Lied anzustimmen“, meint Koppensteiner, der in Musikschule oder Gymnasium unterrichtet und in einigen Ensembles tätig ist. Zwar werde oft unter dem Christbaum oder mit den eigenen Kindern gesungen, dann aber werde das gemeinsame Musizieren zumeist weniger.
„Vor allem Volkslieder haben fast keinen Platz mehr, sie sind anscheinend nicht hipp“, so Löschenbrand, der dies gerne ändern würde. Und in diesem Genre dürfe es ruhig auch mal etwas gröber zugehen, selbst wenn man nur mitbrummt, sei das auch Singen, grinst Koppensteiner.
Claudia Pettrich, die die Gruppe an diesem Abend mit ihrer Geige bereichert, ist überzeugt davon, dass jeder Mensch singen kann, „oft fehlt halt nur die Übung und das Quäntchen Mut“.
Nächste Wirtshaus-Singerei: 14. Mai
Aufgepasst: ganz einfach geübt werden kann ab sofort jeden dritten Montag im Monat (19.30 Uhr, zukünftig im GH Schierhuber). Die nächste Wirtshaus-Singerei findet am 14. Mai statt (keine Anmeldung erforderlich).


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