Schule am Bauernhof: Ein spannender Unterrichtstag am Wurmhof

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Katharina Vogl Katharina Vogl, Tips Redaktion, 26.07.2018 07:25 Uhr

ZWETTL. Schon gewusst, dass ein Regenwurm ein Zwitter ist und bis zu 200 Kinder im Jahr bekommt, aber dass bei einer Durchtrennung des Wurmes nur der vordere Teil mit den wichtigen Organen überlebt? Nein? All das und noch viel mehr lernt man bei Schule am Bauernhof, zum Beispiel am Wurmhof Thaller in Zwettl.

Gerade werden Sandra, Sarah, Kevin-Justus, Herbert und Hugo begutachtet und samt Erde vorsichtig in eine Kiste gelegt - die Rede ist von den Kompostwürmern, die die Schüler der Ökoklasse der NMS Gföhl im Zuge ihrer „Schatzsuche“ auf dem Komposthaufen entdeckten. Dieser wurde eigens für „Schule am Bauernhof“ am Waldrand angelegt - denn im Wald sowie überall dort, wo rottendes Material zu finden ist, halten sich die Würmer sehr gerne auf, informiert Gaby Thaller die Kids.

Neben Würmern in allen Größen werden auch einige Eier entdeckt, die sind etwa so groß wie ein Stecknadelkopf. „Wenn ein Regenwurm durchtrennt wird, lebt nur die vordere Hälfte bis zum dicken Gürtel weiter, denn dort befinden sich die überlebenswichtigen Organe, wie Herz, Hirn oder Magen“, erklärt die Wurmhof-Chefin. Der Mythos, dass bei Halbierung zwei lebendige Würmer entstehen, ist also falsch.

Als Zwitter könnten sie sich theoretisch alleine paaren, „sie suchen sich aber lieber einen Partner“, meint Gaby augenzwinkernd. Für die Befruchtung schmiegen sie sich aneinander.

Stall mit vier Millionen Bewohnern

Mit viel Wissen und etlichen Würmchen im Gepäck, geht es zurück auf den Hof, wo die gesammelten Lebewesen zu ihren Kollegen im Regenwurmstall kommen. „Rund vier Millionen Kompostwürmer haben wir hier“, ist Gaby sichtlich stolz.

Dazu gesellen sich rund 40 Stiere, die dank ihres Mistes einen Ausgangsstoff für den hochwertigen Regenwurmhumus liefern, der am Hof produziert wird. Außerdem noch genügend Kleintiere zum Anfassen und Streicheln - vier Schafe, zwei Ziegen, Katzen, sechs Enten und zwei Gänse, zehn Hennen, ein Hahn, vier Truthühner und 18 Hasen.

„Wichtig zu wissen wo etwas herkommt“

Seit 2014 ist der Wurmhof ein Schule am Bauernhof-Betrieb. „Es ist wichtig, zu wissen, wo etwas herkommt, wo es wächst und wie es entsteht. Auch die Bewegung in der frischen Natur und die Umwelt einfach mal auf sich wirken zu lassen, ist uns ein Anliegen“, so Wolfgang und Gaby Thaller. Bis dato kamen rund 3000 Schüler in den Genuss eines solchen praxisnahen Unterrichtstages am Wurmhof.

Jause mit Fitnessprogramm

Nach einem Pflanzenmemory, wo die Kinder mehr über den Bauernhofkaugummi alias Minze, Giersch und Co erfuhren, stand die Jause am Programm. Vorab gab es noch ein kleine Fitnessprogramm: Um das Butterbrot mit Brennesselsalz und dem eben gesammelten Grün genießen zu können, musste zuerst die Butter geschüttelt werden, was mit Feuereifer erledigt wurde. Dafür schmeckte es hinterher umso besser, war man sich einig. Einen leckeren Gartendudler gab es oben drauf.

Die gemeinsam gebastelten Gatschbomben - das sind kleine erdige Kugeln, in deren Mitte ein Samen versteckt wird - konnten dann mit nach Hause genommen werden. So kann man das Wunder Natur, das Sprießen einer Pflanze, hautnah und nachhaltig miterleben.

Kleines Würmchen - ganz groß

Der wertvolle Regenwurm wird nach diesem Vormittag bestimmt mit anderen Augen gesehen.„Wenn ich beim Spazierengehen einen am Weg entdecke, dann bringe ich ihn vorsichtig zum offenen Boden zurück“, erzählt Gaby Thaller. Denn sie brauchen viel Feuchtigkeit, lieben Dunkelheit und Wärme. Und wer hat nicht schon mal geschwächte Regenwürmer am Asphalt gefunden?

Sie gelten unter anderem als enorme Verbesserer der Bodenfruchtbarkeit. Nicht umsonst hat Charles Darwin in einem Buch 1881, wo er die Bedeutung der Regenwürmer für die Bodenbildung aufgezeigt hat, geschrieben: „Es mag bezweifelt werden, ob es viele andere Tiere gegeben hat, die in der Geschichte der Welt eine so wichtige Rolle gespielt haben.“

Schule am Bauernhof

Im Bezirk Zwettl gibt es mittlerweile zehn Betriebe, die ihre Türen immer gerne für Kinder öffnen und ihnen einen Einblick in deren Landwirtschaft ermöglichen: ob vom Korn zum Brot, von der Kuh in das Kühlregal oder vom Freund, dem Pferd.

Alle Infos dazu unter www.schuleambauernhof.at 

 

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