Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

Online Redaktion, 27.03.2019 11:00

BEZIRK ZWETTL. Man schließe die Augen und stelle sich einen Tischler-Lehrling oder einen Mechaniker-Lehrling vor. Welches Bild hat man vor sich? Eine junge Frau? Wohl eher selten. Noch immer sind Frauen in handwerklichen oder technischen Berufen die Ausnahme. Dennoch nehmen immer mehr Frauen Reißaus aus klassischen Rollenbildern. Und das ist auch gut so. Tips hat mit Zwettler Lehrmädels und ihren Ausbildnern über ihre „erstaunliche“ Berufswahl gesprochen.

Katharina Kurz bei der Arbeit in der Tischlerei. Foto: Lindenbauer
  1 / 3   Katharina Kurz bei der Arbeit in der Tischlerei. Foto: Lindenbauer

„Sie reagieren erstaunt, aber positiv“, sagt Tischler-Lehrling Katharina Kurz auf die Frage, wie ihr Umfeld auf ihre Berufswahl reagiert hätte. Von „Erstaunen“ sprechen auch die jungen KFZ-Technikerinnen Michelle Haider und Johanna Weber: „Schließlich arbeiten wir immer noch in einer Männerdomäne.“ Die 18-jährige Katharina Kurz ist das erste Lehrmädchen in der Sallingberger Tischlerei Lindenbauer. „Ich bin überzeugt davon, dass Katharina eine sehr gute Fachkraft werden wird“, weiß ihr Chef, Tischlermeister Markus Lindenbauer, um ihr Können. Katharina hat sich auf Umwegen für eine Lehre entschieden. Zunächst besuchte sie die HTL Mödling mit der Fachrichtung Innenarchitektur, die Schule musste sie dann allerdings abbrechen. Geblieben ist die Liebe zur Kreativität. „Die Vielfalt der verschiedenen Hölzer und die unendlichen Möglichkeiten, mit ihnen Möbel zu designen fasziniert mich, deshalb habe ich mich als Alternative zur Innenarchitektur für eine Tischler-Lehre entschieden“, erzählt die junge Grafenschlagerin.

Noch mehr Anreize

Markus Lindenbauer hofft, dass künftig mehr Mädchen eine ähnliche Entscheidung wie Katharina treffen. „Es zeigt sich, dass in letzter Zeit auch immer mehr Frauen an handwerklichen Berufen Interesse finden. Ich selbst hatte schon zwei Praktikantinnen im Betrieb, mit denen ich sehr zufrieden war. Fachkräfte jeglicher Art werden in den nächsten Jahren am Arbeitsmarkt sehr gefragt sein. Ich denke, dass da auch Frauen eine gute Chance haben werden, sich zu etablieren. Ich würde mir wünschen, dass die Politik noch mehr Anreize schafft, damit noch mehr einen handwerklichen Beruf ergreifen“, so der Unternehmer.

Spaß an der Technik

In ein ähnliches Horn stößt auch Martin Bussecker, Geschäftsführer beim Zwettler Autohaus Bussecker. „Es wurden die allgemeinen Vorschriften so weit geändert, dass es für Mädchen leichter geworden ist, sich in 'Männerberufe' zu integrieren. Man denke dabei etwa an Dinge wie Aufenthaltsraum, Toiletten oder Waschräume. Allerdings sollte das Handwerk noch mehr gestärkt werden und der Lehrberuf in unserer Gesellschaft ein höheres Ansehen bekommen“, so Bussecker. In seinem Unternehmen wurden bisher zwei Frauen zur KFZ-Technikerin ausgebildet. Eine von ihnen, Johanna Weber aus Schwarzenau, ist bereits ausgelernt. Michelle Haider aus Niederstrahlbach ist im zweiten Lehrjahr.

Unabhängig sein

„Die Technik, die in Fahrzeugen steckt, ist sehr interessant. Unsere Arbeit ist abwechslungsreich, man lernt immer etwas Neues, sei es in Bezug auf Technik oder Elektronik“, erklärt Michelle. Diese Leidenschaft teilt sie mit ihrer Kollegin Johanna Weber. „Ich bin durch Zufall auf diesen Beruf gestoßen und dann wurde das Interesse immer größer. Außerdem wollte ich unabhängig sein, wollte mir mein Auto selbst reparieren können“, blickt Johanna zurück. Ihr Chef, Martin Bussecker, betont, dass er mit seinen Lehrmädchen bisher nur positive Erfahrungen gemacht habe. „Die Damen sind sehr interessiert und fokussiert.“ Auch für ihn sei ein verstärktes Interesse von Mädchen an technischen und handwerklichen Berufen erkennbar. „Das Wichtigste ist, dass es den jungen Frauen Spaß macht, einen technischen Beruf zu erlernen. Dann werden sie sich auch in einem 'Männerberuf' wohlfühlen“, betont der Unternehmer und fügt augenzwinkernd an: „Außerdem schadet eine Frauenhand der Werkstätte auch nicht.“

 Luft nach oben

Sein Lehrling Michelle Haider ist einer von 46 weiblichen Lehrlingen, die derzeit in Niederösterreich zu KFZ-Technikerinnen ausgebildet werden. Tischler-Lehrling Katharina Kurz hat in Niederösterreich 52 weibliche Lehrlings-Kolleginnen. Diese Zahlen haben also Luft nach oben. Bleibt zu hoffen, dass sich künftig nicht nur diese Zahlen ändern – auch das Bild, das einem in den Sinn kommt, wenn man die Augen schließt und an einen Tischler-Lehrling oder einen KFZ-Lehrling denkt, kann und darf sich wandeln.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden