Hospizbewegung: "Trauer hat viele Gesichter"
ZWETTL. Das Thema Tod und Sterben – für viele Menschen mit einer Hemmschwelle verbunden und sprichwörtlich ein schwarzes Tuch. Warum es trotzdem so wichtig ist, das Sterben mehr in die Gesellschaft zu integrieren und einen offeneren Zugang dazu zu finden, verdeutlichen die Experten der Hospizbewegung Zwettl, Koordinatorin Christine Weber und vormaliger Obmann des Vereins und Oberarzt Martin Mikesch im Tips-Interview.

„Der Tod bedeutet für mich, alles fallen zu lassen aus dieser irdischen Welt, gleichzeitig habe ich einen starken Glauben an die Unsterblichkeit, das ist sehr tröstlich und nimmt die Angst“, meint die Koordinatorin der Hospizbewegung Zwettl, Christine Weber. Gerade durch diese Auseinandersetzung mit dem „Gehen von dieser Welt“ habe sie den Eindruck gewonnen, dass der Vorgang ein friedvoller, mit Licht erfüllter und warmer Prozess ist. „Mein Wort, dass ich in vielen Fällen dafür finden würde, ist neben der Auferstehung die Befreiung, das ist gleichzeitig nicht so religiös angehaucht“, meint Oberarzt und Palliativmediziner Martin Mikesch, der im Zuge seiner Tätigkeit in der Abteilung für Innere Medizin im Landesklinikum Zwettl, viele schwerkranke Menschen begleitet.
„Wenn man dann eigentlich kein Requiem sondern einen Auferstehungsgottesdienst plant und kein schwarzes, sondern normales Gewand trägt, dann hebt das die Familienstimmung.“ Martin Mikesch, Palliativarzt
Ihren Erfahrungen zufolge reden ältere Menschen gerne über den Tod, in der eigenen Familie wird dies oft tabuisiert. Gerade deswegen sind externe Personen sehr hilfreich, um das Thema sehr behutsam und einfühlsam auf den Tisch zu bringen. „Denn die Angehörigen und damit die Betroffenen mit in das Boot zu holen, ist von unschätzbarem Wert und nimmt viel Druck weg“, sind sich Weber und Mikesch einig.
Ein letztes Mal verrückt sein
Die kostenlose psychosoziale Begleitung, die die Hospizbewegung Zwettl anbietet, ist für den Sterbenden als auch für den Umkreis gedacht, jegliche Fragen zum Thema Tod haben Platz. Aktuell werden 25 Menschen begleitet, im Fokus steht der Mensch mit seinen Bedürfnissen, auf die mit viel Bedacht eingegangen wird. Neben dem Anzünden einer Kerze, dem Lesen eines Buches, äußern Menschen am Lebensende oft auch auf den ersten Blick verrückte Wünsche. „Wir haben mit einem Palliativpatienten einmal eine Motorradrunde gedreht und obwohl mehr am Sozius angebunden als gefahren, war dies das emotionale Highlight für ihn“, schmunzelt Oberarzt Mikesch.
Offene Trauergruppe
Seit 2011 gibt es in Zwettl die Möglichkeit, eine offene Gruppe für Trauernde zu besuchen, wo Menschen ihrer Trauer und ihrem Schmerz Ausdruck verleihen können. „Dieses Gefühl zuzulassen und zu sehen, dass es vielen Menschen genauso geht, ist immens wichtig“, so Christine Weber. Genauso wichtig ist es, diese auch zu überwinden und zu neuer Lebensfreude zu finden und dabei unterstützt der Hospizverein Zwettl gerne!
Trauerabend: jeden zweiten Dienstag im Monat, von 18.30 bis 21 Uhr, im Hospizhaus Zwettl (Schulgasse 14) Leitung: Gerlinde Pfeffer Anmeldung: 0664/5318505, Kostenbeitrag: fünf Euro
Kontakt Hospizverein Zwettl
Christine Weber: Koordinatorin Hospizbewegung Zwettl
Schulgasse 14, 3910 Zwettl, Mobil: 0664/5318505, hospizbewegung@zwettl.cc,www.hospizbewegung.zwettl.cc


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