RAINBOWS in Zwettl: „Kinder spüren viel mehr, als man denkt“
ZWETTL. Hier werden Schmunzelsteine, Filzkugeln, Traumfänger gebastelt oder Stressbälle geworfen - bei Marie-Luise Reilinger kommen viele Gefühle zutage. Als Mitarbeiterin des gemeinnützigen Vereins „RAINBOWS“ begleitet sie Kinder und Jugendliche nach einer Trennung oder Scheidung sowie beim Todesfall eines geliebten Menschen.

„Vor zwei Jahren habe ich die Ausbildungen über RAINBOWS gemacht, es ist mir eine Herzensangelegenheit, das im Waldviertel aufzubauen und das Angebot in der Region bekannt zu machen“, meint Marie-Luise Reilinger. Schon seit jeher lagen der Lehrerin Kinder am Herzen, die es im Leben nicht so leicht haben, die in der Klasse oft untergehen, denen es nicht so gut geht.
Seit zwei Jahren ist die Zwettlerin in jenen Bildungseinrichtungen eingesetzt, wo Lehrer und Kinder Unterstützung brauchen. So haderte sie mit dem bestehenden Schulsystem schon ihr ganzes Leben - das Bewerten, Kinder mit „rotem Stift ausbessern“ ist ihr ein Dorn im Auge, Reilingers Traum wäre eine „Lebensschule“, wo beispielsweise Schubladen nicht sofort geöffnet werden. Und wo es eine Vertrauensperson gäbe - zu der die Kinder eine Beziehung aufbauen können und einen Anker finden. Heuer ist die 60-Jährige das letzte Jahr im Schuldienst tätig, die Ausbildung über RAINBOWS zum Gruppen- sowie zum Trauerbegleiter kam demnach gerade richtig.
„Die klassische Gesprächstherapie liegt vielen Kindern nicht, sie drücken sich vielmehr über das Kreative aus“, weiß die Sport- und Werklehrerin. In Zwettl bietet sie nun im Trennungs- oder Todesfall eines nahestehenden Menschen über RAINBOWS Einzel- als auch Gruppenbegleitungen an, denn sie ist sich gewiss: „Kinder spüren viel mehr als man denkt.“
Trennung und Scheidung
„Oft sind wahnsinnig viele Wunden da, die zumeist schon vor der Scheidung entstehen, einer Zeit, wo viele Kinder sehr leiden“, so Reilinger. Darum erachtet sie den Austausch, den geschützten Rahmen in einer Gruppe als so wichtig. „Kinder neigen oft dazu, sich die Schuld für die Trennung zuzuschieben, auch sieht man in der Gruppe, es gibt Gleichgesinnte, man ist nicht alleine.“ Im Zuge der Gruppenbegleitung gibt es neun Einheiten, auch die Eltern werden miteinbezogen: „Das erfordert – gerade wenn sehr viel vorgefallen ist – ein großes Maß an Empathie.“
Aus Erfahrung weiß Reilinger, dass die Hemmschwelle, solche Angebote anzunehmen, bei uns am Land, noch sehr groß ist. „Viele trauen sich nicht, Hilfe anzunehmen, mit der Problematik hinauszugehen. Aber man muss nicht alles alleine schaffen.“
„Tod nicht vorenthalten“
Stirbt ein geliebter Mensch, kann man zwar die Trauer nicht einfach abnehmen, denn sie wird ein Teil desjenigen sein. „Aber wir können wieder ein bisschen bunte Farbtupfer, ein bisschen Sonne in das Leben bringen“, so Reilinger. Das wird gerne auch kreativ zum Ausdruck gebracht, wenn schwarze Kratzbilder das Bunte wieder zum Vorschein bringen, eine scheinbar schwarze Filzkugel beim Aufschneiden färbige Schichten hervorzaubert, wenn Traumfänger gebastelt oder Stressbälle geworfen werden.
Das Leben sei ein Wellental, auch den bunten Regenbogen gäbe es nicht ohne vorhergehenden Regen. „Es darf Wut und Trauer sein, alle Gefühle haben Platz, es wird auf die jeweilige Gefühlslage behutsam eingegangen - das Kind bestimmt bei der Begleitung den Weg, nicht der Betreuer“, erläutert Reilinger. Denn jeder gehe ganz unterschiedlich mit dem Thema Tod um, wichtig sei es aber, ihn nicht zu verdrängen.
„Kindern etwas vorzuenthalten oder ihnen nicht die Wahrheit zu sagen - das wirkt sich im späteren Leben negativ aus“, plädiert Reilinger ganz im Sinne von RAINBOWS für eine Miteinbeziehung. Dazu zählt auch, sie nach Möglichkeit zum Begräbnis mitzunehmen, denn „Abschied nehmen sollte ein wichtiger Baustein der Trauerverarbeitung sein“.
Begleitungen in Zwettl
Ab März sowie im Oktober bietet Marie-Luise Reilinger Gruppenbegleitungen in Zwettl (Pfadfinderheim) an. Ebenso gibt es die Möglichkeit für Einzelbegleitungen. „Eine erste kostenlose Schnupperstunde kann in Anspruch genommen werden, auch gibt es bei finanziell schwierigen Familiensituationen Unterstützung“, weiß Reilinger. Letzten Endes solle man nie vergessen, dass „das Kind das Wichtigste ist“.
Unterstützung herzlich willkommen
Als gemeinnütziger Verein lebt RAINBOWS vom Sponsoring. Dort ist man übrigens stets auf der Suche nach Interessierten, die die Ausbildung absolvieren. Als einzig „Aktive“ im Bezirk würde sich auch Marie-Luise Reilinger über Unterstützung von weiteren Gruppenleitern freuen, um RAINBOWS in der Region wachsen zu lassen.


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