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ZWETTL. Selten herrscht im Raiffeisensaal Zwettl solch großer Andrang wie gestern Donnerstag, am 19. Mai. Der Grund ist einfach erklärt: Die Waldviertel Akademie lud in Kooperation mit dem Wirtschaftsforum Waldviertel, der Raiffeisenbank Zwettl, der Donau-Universität Krems, dem Lagerhaus Zwettl und der Stadtgemeinde Zwettl zur vielversprechenden Podiumsdiskussion „Überdruss am Überfluss. Der Mensch zwischen Konsum und Wegwerfgesellschaft“, unter anderem mit Roland Düringer.

Fotos: KaPri
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Der bekannte Kabarettist und Autor fesselte das Zwettler Publikum nicht nur mit seinem wohlbekannten Schmäh, sondern auch mit seinen inhaltlichen Ausführungen. „Was braucht der Mensch wirklich?“, lautete seine Frage gleich zu Beginn. Die wirklich wichtigen Dinge wie etwa Schlaf, Nahrung oder Sicherheit waren mit Hilfe des Publikums schnell gesammelt. Was der Mensch aber angeblich brauche, werde aufgrund von Sachzwängen oft künstlich konstruiert, so Düringer. „Wir Menschen verwandeln Ressourcen, Energie und Konsumgüter in Müll“, im Gegensatz zur Natur, wo alles in stetigen Kreisläufen abläuft.“ Die Problematik des stetigen Überflusses, der Maßlosigkeit sowie der menschlichen Gier wurden zum Thema. „Warum brauchen wir eigentlich immer mehr Wirtschaftswachstum“, fragte Düringer in die Runde und sprach das Abhängigkeitsverhältnis im „konstruierten System“ an, „in dem alle dem Geld hinterher rennen.“ Und doch sieht er einen Ausweg aus dem Dilemma: „Wenn jeder für sich erkennt, was will ich und was brauche ich wirklich?“ und gemäß dieser Überlegung jeden Moment überlegt und gestaltet.

Spannende Expertenrunde

Die Expertenrunde gestaltete sich aufgrund der bunten Mischung als sehr spannend. Birgit Trojan, Obmann-Stellvertreterin des Wirtschaftsforums Waldviertel widersprach Düringers Ausführungen in manchen Punkten: „Grundsätzlich sind die Waldviertler Betriebe nicht unter jenen, die Wegwerfprodukte erzeugen“, im Gegenteil hier werde auf Qualität und Nachhaltigkeit gesetzt. Victoria Kadernoschka, eine weitere Podiumsdiskussionsteilnehmerin, stellte ihr Sozialprojekt „gabarage upcycling design“ vor. Die Wiener Firma produziert Schmuck, Taschen, Möbel und dergleichen aus alten Planen, Mülltonnen und weiteren Abfallstoffen. „Alles braucht eine zweite Chance, wir helfen den Menschen am Rande der Gesellschaft“, so Victoria Kadernoschka im Hinblick auf das Projekt, bei dem Suchtkranke wieder an die Arbeitswelt herangeführt werden, „denn Arbeit ist auch ein Statussymbol.“ Am Podium saß auch Josef Granner, Geschäftsführer von Agrana in Gmünd, er hatte alle Hände voll zu tun, um „die Wirtschaft“ an diesem Abend als direkter Ansprechpartner zu verteidigen: „Die Summe aller Konsumenten gibt die Linie vor, der Markt ist nicht angebotsgetrieben, sondern bedarfsorientiert. Ändern können wir das nur durch sukzessive Veränderung des Bewusstseins, das braucht aber Zeit und viele Kräfte.“

Brennende Publikumsfragen

Angesichts der Experten-Ausführungen folgte eine angeregte Publikumsdiskussion. Was könne man aber nun tun, um der Konsum- und Wegwerfgesellschaft entgegenzuwirken? „Man muss bei sich selbst ansetzen, jeder kann sein Scherflein beitragen“, brachte es Kadernoschka auf den Punkt. Auch Roland Düringer, der selbst Supermärkte meidet, hofft auf eine langfristige Änderung im Konsumverhalten. Er hat den „Ausstieg aus dem System“ geschafft, indem er stetig die Dinge im Alltag hinterfragte, „wo dienen sie mir, wo schaden sie mir“ und gab weiters zu bedenken: „Alles was da ist, muss irgendjemand auf der Welt bezahlen. Damit es uns so gut geht, zahlt ein anderer irgendwo drauf. Wir sind alle sehr ungeduldig, wollen, dass sich was ändern, aber das braucht Zeit. Wir müssen in größeren Zyklen denken und unser Hirn ist die Waffe, die sie fürchten.“


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