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Hopfen-Gespräche: Privatbrauereien wehren sich gegen „grünes Mäntelchen“ der Großen

Katharina Vogl, 03.05.2018 07:20

ZWETTL. „Wenn bewusst Falschmeldungen auf dem Rücken der gesamten Branche lanciert werden, dann läuft einem schon das Bierfass über“, zeigt sich Karl Schwarz, Inhaber der Privatbrauerei Zwettl, etwas grantig. Die Rede ist davon, dass internationale Konzernbrauer werbewirksam behaupten, „nur sie verwenden Naturhopfen“. „Das lassen wir nicht auf uns sitzen“, so Schwarz und lud am 2. Mai gemeinsam mit 15 weiteren Privatbrauereien im ganzen Land zu „Hopfen-Gesprächen“ ein.

  1 / 10   Hopfen-Bauern, Partner, Gastwirte, Freunde und Vertreter der Politik waren zum ersten Hopfen-Gespräch in die Privatbrauerei Zwettl gekommen.

Er ist gewissermaßen das Salz in der Suppe des Bierbrauers, der Hopfen. Vor über 30 Jahren wurde der regionale Anbau - der in Vergessenheit geratenen Kulturpflanze im Waldviertel - auf Initiative von Karl Schwarz sen. wieder aktiviert.

Hopfengärten in fünf Orten rund um Zwettl

Aktuell werden rund um Zwettl jährlich durchschnittlich 20.000 Kilogramm Hopfen von sieben Familien auf knapp 14 Hektar Anbauflächen geerntet. In zwölf Hopfengärten in Rudmanns, Kleinotten, Marbach am Walde, Reichers und Werschenschlag werden 95 Prozent des Bedarfs der Privatbrauerei Zwettl abgedeckt. Die fehlenden fünf Prozent, der Spezialhopfen für das Saphir-Bier, stammen (noch) nicht aus regionalem Anbau. Aber Karl Schwarz ist zuversichtlich, künftig auch diesen kultivieren zu können.

Nur ein Drittel des Bieres wird mit österreichischem Hopfen abgedeckt

Viel Wasser, ein raues Klima mit starker Sonneneinstrahlung und deutliche Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sind Gründe, warum sich neben den Hopfengärten im Waldviertel österreichweit nur noch zwei weitere Anbaugebiete finden: das Mühlviertel und die Steiermark. Allerdings könne mit dieser gesamten heimischen Erntemenge hochgerechnet nur ein Drittel der in Österreich produzierten Biermenge abgedeckt werden, der Rest werde aus dem Ausland bezogen, gibt Braumeister Heinz Wasner zu bedenken.

Arbeitsintensives Hopfenjahr

Josef Fröschl, Hopfenbauer seit 25 Jahren, weiß um die arbeitsintensive Pflanze. 2,60 Hektar bewirtschaftet er auf seinem Hof. Gerade gehe das sogenannte „Anleiten“ in die finale Phase. Hier werden je drei Triebe um einen Steigdraht gelegt, alle übrigen entfernt. Das Hopfenjahr beginnt zuvor aber mit dem Schneiden der Stöcke und dem Aufhängen der acht Meter langen Drähte. Im Zuge der Ernte (beginnt meist Ende August) werden jährlich gut 20 Tonnen Hopfen der Sorten „Zwettler Perle“, „Hallertauer Tradition“ und „Magnum“ direkt in den Darren auf den Waldviertler Höfen getrocknet, dann zu 55 Kilogramm schweren Viereckballen gepresst und im Mühlviertel zu Pellets – für die individuell angepasste Hopfengabe - weiterverarbeitet. „Das ist Naturhopfen“, betont Karl Schwarz.

Übrigens reicht bereits eine Dolde, um einem Seidl Bier „den typisch bierigen Geschmack zu verleihen“, weiß Braumeister Wasner. „Wenn man so hochwertigen Rohstoff produziert und man sieht dann das fertige Produkt im Geschäft, dann ist man schon stolz“, meint Landwirt Josef Fröschl.

1600 Tonnen heimische Braugerste

Alfred Sturm, Obmann der Erzeugergemeinschaft Edelkorn, war ebenso zu Gast: „Von unseren 450 Mitgliedern nehmen 100 Gerste-Bauern die Möglichkeit wahr, jährlich rund 1600 Tonnen heimische Gerste für die Zwettler Brauerei zu liefern.“ Wie auch beim Hopfen sei die zunehmende Trockenheit in den letzten Jahren ein Problem.

Brauwasser aus 16 umliegenden Quellen

„Nur die Gesamtheit aller Rohstoffe macht ein hochwertiges Produkt“, ist sich Karl Schwarz sicher. Das verwendete Wasser, stammt aus 16 Quellen rund um den Kirchturm, und ist als Brauwasser ideal. Nicht vergessen werden dürfe, dass wir hier eine absolute Gunstregion haben, was Rohstoffe betrifft, sieht Karl Schwarz sehr viele Gründe zu jubilieren und meint weiter: „wir sehen es auch als Verantwortung und Verpflichtung, die Wertschöpfung in der Region hochzuhalten.“

Nationalratsabgeordnete Angela Fichtinger (VP), bezeichnet die Privatbrauerei Zwettl mit ihren 110 Mitarbeitern als Vorzeigebetrieb und mahnt: „Vergesst' nicht regional einzukaufen!“

„The green lie“ versus die Wahrheit

Mit der abschließenden Botschaft des Abends „Wo Zwettler draufsteht, ist das Waldviertel drinnen“ kam man wieder zum eigentlichen Grund der „Hopfen-Gespräche“ zurück und zwar, dass sich so manche internationale Braukonzerne „ein grünes Mäntelchen umhängen“, indem sie den Naturhopfen werblich für sich einnehmen würden. Stein des Anstoßes war eine Werbekampagne von Zipfer, die suggeriert, die „einzige Brauerei Österreichs zu sein, die seit jeher Naturhopfen verwendet“.

Daraufhin entfachte eine Diskussion um den Begriff des Naturhopfens, der in Österreich nicht näher definiert ist. In jedem Fall wird Naturhopfen (oder die gepresste Variante davon - die Hopfenpellets) beim Brauen so verwendet, wie Mutter Natur sie liefert, während man in der Brau-Industrie oft auf Hopfen-Extrakt zurückgreift.

Oft sei es damit für den Konsumenten schwer zu unterscheiden, was „echt ist und was nicht“. Die ersten Waldviertler Hopfen-Gespräche wollen hinsichtlich dieses Bewusstseins einen wichtigen Beitrag leisten und über Hopfen und dessen Herkunft aufklären, gemäß dem Motto: „The green lie“ versus die Wahrheit rund um heimischen Hopfen.


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