Altbürgermeister Ewald Biegelbauer: „Das Amt verlangt einem alles ab“
ZWETTL. Wenn er von Zwettl spricht, dann leuchten seine Augen und Erinnerungen an seine Amtszeit werden lebendig. Auch im stattlichen Alter von 81 Jahren ist die Begeisterung Ewald Biegelbauers für die Bezirkshauptstadt spürbar. Tips hat den Altbürgermeister zuhause besucht.

Als der damals 24-jährige Ewald Biegelbauer nach seiner Ausbildung zum Volksschullehrer nach Zwettl versetzt wurde, hätte er sich nie erträumt, einmal Bürgermeister der Stadtgemeinde zu werden. Mit dem Engagement in der Jungen ÖVP begann die Karriere in der Kommunalpolitik.
„Ich habe mich fast 30 Jahre lang sehr gerne für die Gemeinde eingesetzt, war gerne Stadtrat und habe das Bürgermeisteramt mit Freude ausgeübt, allerdings nie angestrebt“, meint Biegelbauer. 1976 wurde er mit 39 Jahren an die Gemeindespitze gewählt, dort sollte er bis 1989 bleiben.
„Bin für Ämterbegrenzung“
Im Nachhinein gesehen, war die Periode in seinen Augen eine fast zu lange. „Ich bin für eine Ämterbegrenzung in gewissen Positionen. Das Bürgermeisteramt ist eine Aufgabe, die - wenn man es mit Herzblut ausübt - alles von einer Person abverlangt, physisch als auch psychisch“, spricht Biegelbauer aus eigener Erfahrung. Dazu muss gesagt werden, dass ein (Zwettler) Gemeindechef damals noch zwei Berufe hatte, neben dem politischen Amt ging Biegelbauer noch seiner Tätigkeit als Volksschuldirektor, dann als Bezirks- sowie später als Landesschulinspektor nach.
Nur zwei Tage im Jahr zuhause
„Es hat nur zwei Tage im Jahr gegeben, wo ich gänzlich zuhause war: am Christtag und am Neujahrstag“, erinnert sich der 81-Jährige. Selbst am Heiligen Abend kam er seinen Pflichten nach, wenn er im Altersheim oder im Krankenhaus mit den Menschen Weihnachten feierte. „Glücklicherweise hatte meine Frau stets Verständnis für meinen Beruf“, zeigt Biegelbauer sich dankbar. Viel wichtiger als Zeit in seiner Kanzlei zu verbringen, war ihm der Kontakt zu „seinen“ Schäfchen. So gab es „kaum einen 80. Geburtstag oder eine Goldene Hochzeit, die der Vizebürgermeister und ich nicht wahrnahmen“. Auch wenn damals die administrative Arbeit schon verhältnismäßig viel war, heute würde sie einem wahrscheinlich erschlagen, so Biegelbauer.
Projekt „Großgemeinde“
Die Gemeindezusammenlegung Zwettls 1970/71 war zwar offiziell schon vollzogen, vielfach aber nicht in den Köpfen der Menschen. „Die Zusammenführung dauerte, viele Gemeinden haben sich noch eigenständig gefühlt“, erinnert sich der Altbürgermeister an die Herausforderung, die Großgemeinde zusammenzuhalten. Mittlerweile sei das seinem Gefühl zufolge gut gelungen.
Besonders gerne denkt er an die bauliche und medizinische Weiterentwicklung des Krankenhauses zurück, die er vom Grundkauf bis zur Eröffnung begleiten durfte. Ebenso hat er die Handelsakademie besonders ins Herz geschlossen, wurde sie doch gemeinsam mit der Handelsschule „mit viel Geburtswehen auf die Welt gebracht“, wie er sagt.
Ein Herz für die Innenstadt
Auch wenn Biegelbauer bereits 1987 das erste Schriftstück zur Umsetzung einer Umfahrung an die Landesregierung übermittelte, am aktuellen Großprojekt habe er keinen Anteil. „Damals stieß ich auf taube Ohren, als ich auf die Überlastung der Stadt aufmerksam machte.“ Nun bleibe nur zu hoffen, dass sich die Umfahrung wirtschaftlich nicht negativ auf Zwettl auswirke. Denn die Zwettler Innenstadt liegt Biegelbauer nach wie vor besonders am Herzen. In seiner Amtszeit wurde diese anhand eines ausgeklügelten Färbelungsplans umgestaltet und mit Pflasterungen versehen „wenn das heute der ein oder andere Nachkommen vielleicht nicht mehr so ernst nimmt, tut mir das schon ein bisschen weh“.
Zwettl - „die liebenswerteste und schönste Stadt Niederösterreichs“
Für Biegelbauer ist Zwettl übrigens „die liebenswerteste und schönste Stadt Niederösterreichs“. Nicht nur aufgrund der Landschaft, auch aufgrund der Menschen, die hier leben. Zudem ist es eine ausgesprochene Schulstadt. „Bis zum 18. Lebensjahr können die Kinder und Jugendlichen sämtliche Schulzweige hier absolvieren“, freut sich der Altbürgermeister.
Auch die Infrastruktur sieht er für eine Bezirksstadt als absolut ausreichend an. „Im Großen und Ganzen ist die Einkaufsqualität sehr gut - und jetzt fragen Sie mich nicht wegen des geplanten EKZ“, kommt Ewald Biegelbauer der Redakteurin zuvor.
Dafür verrät der Altbürgermeister sein Lieblingsplatzerl in Zwettl: „Das findet sich bei mir zuhause, am liebsten lesend“, schmunzelt Biegelbauer.


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