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ZWETTL. Er beschreibt sich als strukturiert, ausdauernd, perfektionistisch und sehr konsequent. Sie ihn als Mensch, der Veränderungen liebt und sich gerne kreativ auf Leinwand und im Eigenheim austobt. Was beide aber voll und ganz eint, ist die Familie, ihre Weltoffenheit, gepaart mit ihrer Neugier auf das Leben. Tips war zuhause bei den Müllauers in Zwettl.

Quadratzentimeter in Norbert Müllauers Büro ist vergeben
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Jeder Quadratzentimeter in Norbert Müllauers Büro ist vergeben, Schriften, Skripten, Bücher und Notizen reihen sich nahtlos aneinander, verblüffenderweise erscheint der Raum dennoch ordentlich und strukturiert. Am Boden stapeln sich die Unterlagen, auf seinem Schreibtisch eine Vielzahl von Partezetteln. Letztere haben mit seinem aktuellen Projekt zu tun. Der 62-Jährige gebürtige Kirchbacher arbeitet gerade am zweiten Teil seines Totenbuchs, ein Werk, in dem er alle Verstorbenen von 1900 bis 1949 in seiner Heimatpfarre Kirchbach systematisch auflistet. Neben der Parte der einzelnen Personen findet sich noch ergänzende Informationen wie das Geburtsdatum, der Geburtsort, der „Mädchenname“ oder das Alter zum Zeitpunkt des Todes wieder. Band eins, das Totenbuch von 1950 bis 2016, ist bereits im letzten Jahr erschienen.

„Er ist ein Auflister“, meint seine Frau Herta. Und das zieht sich durch die Vielzahl seiner Werke und Aufsätze, die Norbert Müllauer bislang herausgebracht hat. Dabei konzentrierte er sich vor allem auf die Regionalgeschichte rund um Kirchbach und Zwettl - seinem früheren und seinem jetzigen Lebensmittelpunkt. Projekte hat er noch genug vor sich - erst kürzlich hat er eine Sammlung von einem hier lebenden verstorbenen Maler erhalten mit Gedichtmanuskripten und Alben - ein umfassender Nachlass und für den ehemaligen Gymnasiumlehrer ein großer Schatz. „Ich liebe Herausforderungen, vor allem wenn man Mosaiksteine zu einem großen gesamten Bild zusammenfügen kann. Denn mir tut es weh, wenn eine solch geistige Substanz verloren geht.“

Reisen als große Leidenschaft

Über die letzten Jahrzehnte hat sich so eine Fülle von Material angesammelt, die nächsten Projekte sind also gesichert, und von dem berühmten „Pensionsloch“ ist weit und breit nichts zu sehen. Denn zu seiner schriftstellerischen Tätigkeit kommt noch ein großes Hobby: Das Reisen. Und das teilt er mit seiner Frau Herta.

Vor ein paar Monaten erst sind sie von Israel zurückgekehrt. Angst, dass ihnen im Heiligen Land etwas zustoßen könnte - fehl am Platz. Ihr Motto, es kann immer etwas passieren, und wenn es so sein will, dann ist es ohnehin so. Im Zuge seiner Reiselust und nicht zuletzt durch seine Motorradweltreise 1987, stieß Norbert Müllauer immer wieder auf Grenzsituationen: Diese reichen von Begegnungen mit giftigen Schlangen in Nicaragua, einem Busunfall in Guatemala bis hin zu lebensgefährlichen Verkehrssituationen in Pakistan. Aber: „Ich lebe heute noch“. Und über all dem stehen unvergessliche Eindrücke - wie herzliche Begegnungen im Gazastreifen oder Naturschauspiele am Rande des Vulkanmassivs am Kilimandscharo. Ohne Zweifel haben ihn all diese Erfahrungen sehr geprägt: „Meiner Meinung nach sind Lesen und Reisen zwei ganz wesentliche Standbeine in der Persönlichkeitsentwicklung.“ Dem stimmt auch seine Frau Herta zu, die auf den ersten Blick aber grundverschieden ist.

Herta, der kreative Geist

Die Künstlerin hat sich zuhause ein eigenes kleines Atelier eingerichtet. Acrylcollagen zählen zu ihrer Lieblingstechnik, Architektur aus den verschiedensten Blickwinkeln betrachtet - zu ihren bevorzugten Motiven. Beim gemeinsamen Spaziergang oder im Zuge von Ausflügen finden sich die Motive. Gerade erst zu Weihnachten fotografierte sie die Propsteikirche, eingehüllt in wundersamer Abendstimmung. Ist das Motiv gefunden, skizziert Herta die Idee. Der Input ihres Mannes ist ihr dabei ganz wichtig, oft lässt sie auch seine Ideen einfließen.

Dann und wann „sind es auch furchtbare Geburten“, meint Norbert augenzwinkernd in Bezug auf den Entstehungsprozess. „Trotzdem bleibe ich meiner Art zu malen treu. Es zieht sich ein roter Faden durch meine Bilder, das betrifft auch mein Äußeres, meinen Stil mich zu kleiden oder auch unser Eigenheim“, so Herta. Grundsätzlich liebt sie die Veränderung, denn auf die gewohnte Ordnung könne sie gut und gern verzichten. Alle paar Wochen wird ihr Zuhause „auf den Kopf gestellt“ und die Möbel von Küche und Wohnzimmer umgestellt. Denn sie liebt das Einrichten, ihr Mann beschreibt sie als „geborene Innenarchitektin“. Hertas kreativer Geist macht jedoch Halt vor seinem Arbeitsbereich, „Norbert braucht die gewohnte Ordnung“.

Sie selbst beschreibt sich als sehr experimentierfreudig, überhaupt seit sie in Pension ist. Gerne würde sie mal ihren Lebenswohnsitz verändern, „alles in zwei Koffer gepackt und ich wäre weg“, aber das neue Zuhause müsste zumindest groß genug sein, um Norberts riesiges Sammelsurium unterzubringen.

Familie über alles

Überhaupt ist die Familie Hertas Ein und Alles. „Das ist für sie das Wichtigste, sie ist da, wenn sie gebraucht wird und nimmt sich selbst total zurück“, so Norbert. Und mit fünf Kindern, zwei aus erster Ehe, haben sie zeitweise auch alle Hände voll zu tun. Denn einige Jahre nach ihrer Heirat (1987), erfolgte die Adoption ihrer mittlerweile erwachsenen Töchter Sophia, Teresa und Lucia. Durch Zufall erfuhren sie von einem indischen Kloster, das Adoptionen vermittelte. Seitdem sind sie eine große Patchwork-Familie. Eine der besten Entscheidungen in ihrem Leben, auch wenn es nicht immer leicht war. „Ich habe 40 Jahre Kinder erzogen und bin dabei alt geworden, ohne dass ich es gemerkt habe“, lacht Herta.

Wo die Zeit hingekommen ist, das fragen sich beide. Aber auch wenn sich da und dort Fältchen einschleichen, „im Herzen sind wir sehr jung geblieben!“


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