"Der Wahnsinn im Nahen Osten ist nach Europa gekommen"
AIGEN-SCHLÄGL. Israelische Soldaten unterdrücken Palästinenser mit amerikanischen Waffen und Europa schaut zu: Bewegend und authentisch erzählte die christliche Palästinenserin Faten Mukarker im Stift Schlägl, wie das Leben in ihrer Heimat Betlehem ausschaut: Von der Spirale aus Wut, Hass, Gewalt, Rache und Vergeltung; vom Warten auf den Frieden seit 49 Jahren; und von der Hoffnung auf beiden Seiten der Mauer.

„Unser Konflikt ist der Mutterkonflikt im Nahen Osten. Dieser muss gelöst werden“, sagt Faten Mukarker und spricht damit auch den Terror in Europa an. „Man kann nicht mehr sagen, das ist weit weg. Der Wahnsinn aus dem Nahen Osten ist nach Europa gekommen.“ In mehrwöchigen Vortragsreihen vor allem in Deutschland schildert die in Betlehem lebende Christin das Leben im Schatten der Mauer und zeigt dabei auf, dass sich die Menschen nichts sehnlicher wünschen, als ohne Angst, frei und selbstbestimmt in einem eigenen Staat neben dem Staat Israel leben zu können. „In meiner Heimat hat ein Menschenleben keinen Wert, das 21. Jahrhundert ist noch nicht angekommen. Wir leben mit Besatzung, Straßensperren, Ausgangssperren, Militärgesetzen und mit der Willkür der israelischen Soldaten“, erzählt sie. „Die demokratischen Werte, die in Israel gelten, gelten als Besatzer in Palästina nicht.“ Da könne man auf Menschen schießen, Häuser zerstören oder Jahrhunderte alte Olivenbäume ausreißen. Letztere mussten für den Bau der gewaltigen Mauer weichen, die quer durch die Gärten der Palästinenser führt.
Christen in der Minderheit
Warum sie denn in Betlehem bleibe, wird Faten Mukarer oft gefragt, wo doch die Auswanderung der Christen schon vor 150 Jahren begonnen hat und sie selbst im Alter von zwei Monaten nach Deutschland kam? Weil sie mit den wenigen Christen, die noch in dem Land, in dem Jesus geboren wurde, diese heilige Stätte beleben will. „Es soll kein Disneyland nur für Zuschauer werden. Ohne die Menschen in Betlehem wären die heiligen Stätten, die Geburtskirche nur tote Steine“, sagt die gläubige Mutter von vier Kindern. Sie ist nicht nur unterwegs, um ihre Heimat nach Europa zu bringen, sondern lädt auch ein, sich selbst ein Bild zu machen. Dann kocht sie ihren Gästen ein typisches arabisches Essen und erzählt vom Alltagsleben und den Traditionen in Palästina.


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