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AIGEN-SCHLÄGL. Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen: Die Herausforderung Flüchtlingsbewegung war Thema beim diesjährigen Dialog im Stift Schlägl. Kirche und Staat sind sich einig, dass den Menschen, die zu uns kommen, geholfen werden muss – dabei allerdings die Sorgen und Ängste der Bevölkerung nicht übersehen werden dürfen. Caritas-Mitarbeiterin Sevinc Allahverdiyeva, die selbst vor zehn Jahren aus Aserbaidschan geflüchtet ist, brachte es auf den Punkt: „Hilfe ist gut, aber die Asylwerber müssen sich auch selber bemühen, etwas zu erreichen.“
 

  1 / 5   Der Dialog im Stift Schlägl machte den Umgang mit Flüchtlingen zum Thema (v.l.): Caritas-Direktor Franz Kehrer, Abt Martin Felhofer, Asylbetreuerin Sevinc Allahverdiyeva, Landeshauptmann-Stv. Thomas Stelzer, Moderator Matthäus Fellinger (Kirchenzeitung). Foto. Gahleitner

All ihr Mut hätte sie aufbringen müssen, um ihre Heimat und damit alles, was ihnen wertvoll ist, zu verlassen, erzählte Sevinc Allahverdiyeva beim Dialog in der Stiftsbibliothek. Gemeinsam mit ihrem Mann - einem Journalisten, der verfolgt wurde - und ihren drei Kindern kam die Lehrerin nach Österreich. „Die Schlepper haben uns im Stich gelassen, haben nur unser Geld und die Pässe genommen und wir wussten nicht, wo wir sind. Ich wollte einfach wieder heim. Diese Angst zu erleben, das kann man sich nicht vorstellen“, schilderte die Aserbaidschanerin. Zwei Monate habe sie nur geweint. Dennoch hatte Sevinc (das bedeutet Glück, weshalb sie von Kindern später auch Frau Glück genannt wurde) Glück mit Österreich. Sie lernte die Sprache, machte einige Ausbildungen, engagierte sich beim Roten Kreuz und arbeitet heute als Flüchtlingsbetreuerin in einer Unterkunft in Puchenau. „Ich wollte Menschen helfen, weil auch mir viel geholfen wurde. Und ich wollte endlich arbeiten: Es war mir peinlich, so abhängig zu sein“, sagte die Caritas-Mitarbeiterin.

Fördern und fordern

Sevinc Allahverdiyeva versteht also, wie es den geflüchteten Menschen geht und was sie brauchen. Als ihre Betreuerin macht sie ihnen auch immer wieder klar, dass sie sich selbst bemühen und die Regeln im neuen Land respektieren müssen.

Ins selbe Horn stieß Landeshauptmann-Stellvertreter Thomas Stelzer (VP): „Dauerhaft hier leben heißt, auf eigenen Beinen zu stehen. Ein Lebenskonzept kann sich nicht auf soziale Unterstützung verlassen.“ Fördern, aber auch fordern, gab er seine Devise bekannt. Ziel sei es, die Asylwerber fit für den Arbeitsmarkt zu machen und damit auch dem Fachkräfte-Mangel entgegenzuwirken. Allerdings nur jene, die auch eine tatsächliche Bleibeperspektive haben. „Manche Asylwerber landen nicht zufällig in Österreich oder Deutschland, sie wollen gezielt hierher. Wir können uns aber nicht überfordern lassen – und das müssen wir in Zahlen gießen“, verteidigte Stelzer die Flüchtlings-Obergrenze.

Obergrenze ist ein Signal an die EU

Denn eine bittere Erkenntnis hat die große Völkerwanderung für ihn gebracht: „Die EU als großes Friedensbekenntnis funktioniert eigentlich überhaupt nicht. Wir hätten Regeln für solche Situationen, aber unsere Nachbarländer haben ihre Aufgaben nicht eingehalten.“ Die Obergrenze von 37.500 Flüchtlingen ist deshalb für den Landespolitiker ein deutliches Signal an die Partner in Europa, zum Schutz der eigenen Ressourcen. „So viele Flüchtlinge, wie im Vorjahr sind nicht mehr verkraftbar.“

Was aber funktioniert habe, ist die spontane Hilfsbereitschaft der Menschen. „Diese ersetzt, was der staatliche Rahmen nicht leisten konnte“, so Thomas Stelzer.

Hilfe vor Ort leisten

Gut 13.000 Asylwerber sind derzeit in Oberösterreich untergebracht. Diesen menschenwürdig zu helfen, darum hat sich unter anderem die Caritas angenommen. „Dieses Engagement ist nicht naiv, wie manche behaupten, sondern zutiefst christlich“, betonte Franz Kehrer, Direktor der Caritas OÖ. Er kritisierte, dass die internationale Hilfe oft zu spät anläuft. „Die EU war mit den Rettungen der Banken beschäftigt und hat alles andere aus den Augen verloren. Denn die Flüchtlingsbewegung hat sich abgezeichnet.“ Überhaupt sei bei der Aufteilung zwischen Arm und Reich einiges in Schieflage und gehöre geregelt, sprach Kehrer den Mehrwertsteuer-Betrug an, der der EU 140 Millionen Euro kostet. Er forderte vor allem Hilfe in den Herkunftsländern: „Nicht alle Menschen auf der Flucht wollen und werden ihr Heil in Europa finden. Deshalb ist Hilfe vor Ort besonders wichtig.“


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