Beim Dialog im Stift Schlägl ließ sich der lebendige Gott erfahren
AIGEN-SCHLÄGL. 500 Jahre, nachdem Martin Luther mit seinen 95 Thesen die Reformation der Kirche eingeleitet hat, rückte das Stift Schlägl in seinem Dialog die Spiritualität Martin Luthers im ökumenischen Gespräch in den Mittelpunkt.

Superintendent Gerold Lehner, Superintendent der Diözese Oberösterreich, und P. Markus Schmidt, Assistenz-Professor im Fachbereich Ökumenische Theologie in Innsbruck, tauschten im Vereinshaus, wohin der Dialog wegen Umbauarbeiten im Stift Schlägl verlegt worden war, ihre Gedanken vor etwa 150 Zuhörern aus. Lehner betonte, es gehe in diesem Jubiläumsjahr darum, von Luther das Christsein und die lebendige Christusverbundenheit in der Kirche zu lernen.
Trost in Gottes Gnade
Er wies darauf hin, dass Luther als Augustinermönch zu Erfurt ein leidenschaftlicher Gottsucher war, der an die machtvolle Realität Gottes glaubte als den Herrn, den Schöpfer und den strengen Richter, dem der Mensch von sich aus nicht gerecht werden konnte. Das führte bei Luther zu existenziellen Ängsten, die ihn an der Barmherzigkeit Gottes zweifeln ließen. Erst Röm 1,17 brachte ihm Trost und Befreiung: „Allein aus Gottes Gnade, aus seiner Barmherzigkeit und Liebe wird der Mensch gerechtfertigt und gerettet. Das ist Luthers neue Sicht die ihm Trost, Mut, Gelassenheit und Kampfgeist bringt“, fasste der Superintendent zusammen.
Trennendes und Verbindendes
Markus Schmidt zeigte das Trennende und Verbindende zwischen Luther und Ignatius von Loyola auf. Beide waren leidenschaftliche Gottsucher, die im Blick auf das Evangelium verschiedene Wege gegangen sind.
Als Resümee des Dialogs kann gesehen werden: Bei aller Trauer um die Kirchenspaltung hat die Reformation auch Gutes bewirkt: die evangelische Christenheit in ihrer Glaubwürdigkeit und die katholische Erneuerung seit dem Tridentinum. Die eigentlichen gemeinsamen Früchte beider Kirchen sind noch jung und lassen sich in der Ökumene sehen. Die anschließende Diskussion drehte sich hauptsächlich darum.


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