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Erste Hilfe für die Seele: "Wir schauen, dass der Zug wieder auf Schienen steht"

Martina Gahleitner, 17.07.2018 08:25

AIGEN-SCHLÄGL. „Vieles relativiert sich, wenn man in die Rettung einsteigt. Da blickt man über den Tellerrand und die eigenen Probleme werden klein.“ Wenn Renate Andraschko das sagt, weiß sie wovon sie spricht. Seit 20 Jahren ist die Aigen-Schläglerin im Rettungsdienst tätig, seit 18 Jahren zusätzlich in der Krisenintervention. Und hier wird sie bei besonders belastenden Ereignissen gerufen.

  1 / 2   Das Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes wird bei besonders belastenden Ereignissen gerufen. Foto: Weihbold

53 Einsätze gab es für das Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes im Vorjahr. Sie werden gerufen bei tragischen Unfällen, bei einem plötzlichen Todesfall, bei Kindernotfällen, Selbstmorden, aber auch bei Überfällen oder Zugunglücken. Und sie sind dabei, wenn Todesnachrichten zu überbringen sind. Allein Renate Andraschko, die auch Bezirkskoordinatorin der zwölf Teammitglieder und zwei Praktikanten ist, ist im Vorjahr 13 Einsätze für die Krisenintervention gefahren. „Da kommt man schon an die Grenze der Belastbarkeit. Denn solche Einsätze legt man nicht einfach mit der Jacke ab.“

Hilfe, wenn der Sanitäter weg ist

Ihre Aufgabe ist es, Erste Hilfe für die Seele zu leisten. „Wenn der Sanitäter weg ist, würden viele noch Hilfe brauchen. Aus dieser Überlegung heraus ist die Krisenintervention auch entstanden“, erzählt die leidenschaftliche Rotkreuzlerin. „Wir sind da, wenn es den Leuten den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Wir unterstützen sie bei Organisatorischem, sorgen dafür, dass sie Abschied nehmen können, hören zu und geben den Betroffenen die Zeit die sie brauchen, um das Ereignis zu begreifen und sie selber wieder handlungsfähig sind.“ Etwa bei drei Stunden liegt die Einsatzzeit, da werde aber nicht so genau geschaut, sagt Renate Andraschko. „Man spürt, wenn man gehen kann. Meist hat sich dann ein soziales Netz aufgebaut und die Nachbarschaftshilfe funktioniert bei uns noch.“

Jeder Fall ist anders

Ein fixes Schema oder eine Checkliste, nach der man vorgehen kann, gibt es nicht. „Bei der Krisenintervention, aber auch beim Rettungsdienst, weiß man nie was kommt. Und es bleibt keine Zeit zum Vorbereiten. Wir werden von der Leitstelle informiert und fahren dann weg, damit möglichst schnell jemand für die Betroffenen da sein kann“, berichtet Andraschko.

Regelmäßiger Austausch ist wichtig

Nach jedem Einsatz holt die Bezirkskoordinatorin Feedback ein, fragt nach, wie es gelaufen ist. „Ich möchte schon wissen, wie es meinen Leuten geht. Aber wir sind ein gutes, erfahrenes Team und stützen uns gegenseitig.“ Alle zwei Monate findet eine Teamsitzung statt, um Fälle zu besprechen und sich fortzubilden. „Wichtig ist, dass man selbst stabil und gesattelt ist, sonst könnte man diese Arbeit nicht leisten“, betont sie.

Wer Teil des Kriseninterventionsteams werden möchte, muss mindestens 30 Jahre alt sein und ein Auswahlverfahren zuerst auf Bezirksebene, dann auf Landesebene mit psychologischem Briefing absolvieren. Erst dann kann man mit der intensiven Ausbildung, die vier Module umfasst, beginnen.


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