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AIGEN-SCHLÄGL. 100 Jahre ist es her, dass Frauen in Österreich erstmals ihr Kreuzerl bei einer Wahl machen durften. Das wird am 8. März, dem internationalen Weltfrauentag, gefeiert. Tips hat zwei Damen zum Interview gebeten, die in einer Zeit aufgewachsen sind, in der die Politik trotzdem noch immer „a Mannersach“ war, und mit ihnen über das Wählen, die Rolle der Frau im Wandel, und ihr bewegtes Leben gesprochen.

Emma Mayr (92) hat ihr Lebtag lang viel gearbeitet: Zuerst am elterlichen Sacherl am Hagerberg, wo sie schon vor der Schule Erdäpfel auswaschen musste und später als Haushälterin beim Bauern. Das Wählen, sagt sie, das war bei ihr daheim nie ein großes Thema: „Da Vota hat uns g“sagt, wo wir s“Kreuzerl hinmachen müssen, und basta!“, erinnert sie sich. Politik hat sie nie großartig interessiert, denn erfahren hat man kaum etwas, Radio oder gar Fernseher hat man nicht gekannt und das Einzige, was zählte, war, dass „a Arbeiter a Arbeit hat“. Danach hat sich das ganze Leben ausgerichtet und es gab ja sowieso nur zwei Parteien: Rot oder Schwarz. Wer Arbeit versprochen hat, dem habe man das Kreuzerl gegeben. Ein Kuriosum aus früheren Tagen weiß sie außerdem zu berichten: „Ich weiß noch, wenn an einem Wahltag noch keiner von der Familie wählen war, dann sind die Leute von der Gemeinde gekommen und haben jemanden geholt!“

Traumberuf blieb Traum

Fragt man sie, ob es die Frauen heute oder damals leichter hatten, denkt sie kurz nach: „Früher war es schwieriger für Frauen. Wir haben uns alles erkämpfen müssen. Ich hätte zum Beispiel gern Rauchfangkehrerin werden wollen, aber das war damals einfach undenkbar. Als Mädchen warst du für die Hausarbeit vorgesehen, in Bildung wurde kaum investiert. Gott sei Dank ist das heute anders und jedes Mädchen kann werden, was es möchte.“

„Gehe immer wählen“

Heute ist für Emma Mayr das Wählen zur Selbstverständlichkeit geworden. Auch mit rüstigen 92 Jahren geht sie im Altenheim Aigen-Schlägl, wo sie heute wohnt, jedesmal zur Wahlurne, wenn das Kreuzerl gefragt ist. Wichtig ist das auch für Marianne Bayr, die 1935 in Vorarlberg geboren wurde und der Liebe wegen nach Aigen-Schlägl gezogen ist. Sie hat gemeinsam mit ihrem Mann dort ein Gasthaus und eine Konditorei mit Kino bewirtschaftet und im Leben immer ihren Mann stehen müssen. „Auch ich hätte gerne etwas anderes gelernt, aber ich musste als junges Mädl in eine Textilfabrik arbeiten gehen. Später war es dann für mich Gott sei Dank die schönste Zeit meines Lebens. Aber es ist jetzt eindeutig schöner für die Frauen als damals. Heute können sie lernen was sie wollen.“

Waschen, Putzen, Heiraten

Bei Kindern wurden früher nicht nur in der Ausbildung Unterschiede gemacht, sondern auch bei der Arbeit: „Arbeiten mussten wir alle. Aber ein Bub musste sich nicht Schuhe putzen, nicht waschen oder ähnliches. Dafür waren wir Mädchen da. Und später natürlich, um zu heiraten“, erinnert sich die Altenheim-Bewohnerin. Die Zeiten waren sparsam, von ihren 100 Schillingen, die sie im Monat in der Küche der Textilfabrik verdient hat, sparte sie hart für ein 1200 Euro teures Fahrrad.Ob sie mit der Politik heutzutage denn zufrieden ist, wollen wir noch wissen? „Einmal mehr, einmal weniger, aber eigentlich passt es ganz gut so, wie es ist.“


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