Johann Kropfreiter: „Kultur ist eine Bereicherung“
AMSTETTEN. Die Besucherstatistik der Pölz-Halle für das Jahr 2017 – fast 50.000 Besucher – nahm Tips-Redakteur Norbert Mottas zum Anlass, den Programmverantwortlichen Johann Kropfreiter zum Interview zu bitten.

Tips: Wie wichtig sind Kulturveranstaltungen?
Kropfreiter: Nach einem Jahr ohne Kulturveranstaltungen würde man sehen, wie leer das Leben wäre. Kultur ist eine Bereicherung für die Menschen und hilft ihnen, sich geistig weiter zu entwickeln. Etwa Sprechtheater ermuntert Menschen, sich mit Themen auseinander zu setzen, auch mit kritischen.
Tips: Sind Besucher bereit, sich auch schweren Stoffen zu stellen?
Kropfreiter: Manchmal gelingt es leider nicht. Zum Beispiel demnächst beim Stück „Vater“: Darin geht es um Demenz als Geisel der Menschheit und den Umgang in Familien damit. Das sollte doch bei vielen Menschen Interesse wecken, hab ich mir gedacht. Der Vorverkauf zeigt aber, dass ich da einem Irrtum erlegen bin. Markus Hirtler im Vergleich dazu, erreicht mit seiner Kunstfigur Ermi-Oma ein Riesenpublikum. Er beschäftigt sich mit ähnlich sensiblen Themen und kommt über den Umweg Humor damit bei den Menschen an. Und Hirtler erfindet nichts. Was er erzählt, das ist die reale Welt.
Tips: Nach welchen Kriterien wählen Sie das Programm aus?
Kropfreiter: Ich kenne unser Publikum seit mehr als 30 Jahren. Bei 85 Prozent der Veranstaltungen liege ich meist sehr gut und kann oft punktgenau voraussagen, wie viele Besucher kommen werden. Bei 15 Prozent hingegen sieht man schon nach kürzerer Zeit, dass der Vorverkauf nicht so richtig anspringen will. Das ändert sich dann meist bis zur Vorstellung nicht mehr. Ich habe im Laufe der Jahre ein Bauchgefühl entwickelt, auf das ich hinhorche. Bei Rebekka Bakken beispielsweise habe ich gespürt, dass ich damit genügend Leute begeistern werde können. Trotz Warnung, dass das riskant werden könnte, hab ich mich dafür entschieden, worüber ich heute sehr froh bin. Es gibt ein sehr interessiertes Publikum, das auch eine weitere Anreise in Kauf nimmt, um Stars miterleben zu können. Diese Erfahrungen durften wir unter anderem bei Herman van Veen schon einige Male machen.
Tips: Wie erreichen Sie das Publikum bei Musikveranstaltungen?
Kropfreiter: Grundsätzlich sehr gut. Schwierig ist es beim Jazz. Wir fühlen uns aber auch in diesem Bereich verpflichtet, hochwertige Ensembles und Musiker ins Programm zu nehmen. Wir erleben immer wieder positive Überraschungen, die uns motivieren, weiterzumachen.
Tips: Auch Kammermusik liegt ihnen offensichtlich sehr am Herzen.
Kropfreiter: Kammermusik ist mein persönliches Highlight. Das Publikum ist leider ein kleiner, überschaubarer Kreis, dafür aber ein sehr fachkompetenter. Im Schnitt kommen an die 100 Besucher zu den Konzerten. Die sind uns sehr dankbar, dass sie hochwertige Konzerte in Amstetten geboten bekommen und dafür nicht etwa nach Linz oder Wien fahren müssen.
Tips: Und das lässt sich finanzieren?
Kropfreiter: Ich rede mit den Ensembles und Musikern immer sehr offen, wieviel wir bezahlen können. Da bleiben natürlich welche, die ein anderes Gagenniveau gewohnt sind, auf der Strecke. Manchmal habe ich aber auch Glück. Etwa, wenn ein Ensemble eine Tour plant und ein Auftritt in Amstetten als Fülltermin zu günstigeren Konditionen realisierbar ist. Manchmal bemühe ich mich auch für ein Ensemble, eine kleine Tour zusammen zu stellen. Davon profitieren die Musiker, weil sie in wenigen Tagen gleich eine Reihe von Konzerten geben können, und wir profitieren von einer günstigeren Gage.
Tips: Welche Veranstaltungen sind Publikumsmagneten?
Kropfreiter: Eindeutig die bekannten Kabarettisten, von Alfred Dorfer über Klaus Eckel bis hin zu Gernot Kulis, um nur einige zu nennen. Spitzenreiter im Jahr 2017 war allerdings der „Local Hero“ Walter Kammerhofer, den ich persönlich schätze. Er hat seinen Beruf aufgegeben, um sich ganz der Kunst zu widmen. Was er sich zugetraut hat, ist beachtlich. Neben den Kabarettvorstellungen schaffen wir auch volle Häuser im Musicalbereich, bei Sprechstücken mit Schülerbeteiligung, im Kindertheaterbereich und bei diversen Konzerten. Immerhin hatten wir im Vorjahr einen Schnitt von 515 Besuchern, und das 96 Mal im Jahr!
Tips: Wie erreichen Sie junge Leute?
Kropfreiter: Wir haben ein gut sortiertes Kinderprogramm. Selbstläufer wie etwa Pippi Langstrumpf, Bibi Blocksberg oder Conni stehen in Abwechslung mit unbekannten Stücken. Zu den Märchen kommen gerne Großeltern mit ihren Enkelkindern. Eine Enttäuschung war der Vorverkauf für „Pinguin People“ letzten Herbst. Das wäre ein tolles Stück gewesen, musste es jedoch mangels Interesse absagen. Das war eine bittere Entscheidung.
Tips: Sie arbeiten auch mit Schulen zusammen.
Kropfreiter: Das funktioniert in Amstetten deshalb so gut, weil es hier sehr engagierte Lehrerinnen gibt, die auch in ihrer Freizeit mit ihren Schülern ins Theater gehen und zuvor das Stück im Unterricht aufbereiten. Wir können jungen Leuten hochwertige Veranstaltungen in einem Theater bieten..
Tips: Wie sind die jungen Leute als Publikum?
Kropfreiter: Sehr spontan und ehrlich. Vor kurzem gab der Kabarettist Christof Spörk hier eine Schulvorstellung. Obwohl er langjähriger Profi ist, war er sehr nervös, nur vor jungen Leuten zu spielen. Dabei zeigte sich, dass Jugendliche ganz andere Themen haben als Erwachsene. Bei einem Lied über Lärmschutzwände etwa, gab es kaum Reaktionen, da für junge Leute diese schon längst Normalität sind. Bei Schulthemen wiederum bekam er die volle Aufmerksamkeit.
Tips: Wie stehen Sie zu volkstümlicher Musik,die ja auch viel Publikum anlockt?
Kropfreiter: Menschen wie Hansi Hinterseer oder Gruppen wie die Paldauer sprechen viele Menschen an, weil sie sie auf der Gefühlsebene erreichen. Wenn bei so einem Konzert eine große Menschenmenge einige Stunden miteinander glücklich verbringt, dann spricht für mich gar nichts dagegen.
Tips: Auch zugekaufte Musicals kommen gut an.
Kropfreiter: Wir engagieren nur Produktionen, von denen wir im Vorfeld wissen, dass sie künstlerisch hochwertig sind. Es gibt in diesem Genre leider immer mehr Trittbrettfahrer, die mit schlechter Qualität unterwegs sind. Dabei wird auf bekannte Titel gesetzt, wofür oft horrende Eintrittspreise verlangt werden. Da gibt es zum Beispiel ein „Phantom der Oper“, das sich nicht der Musik von A.L. Webber bedient. So etwas löst natürlich beim Publikum große Enttäuschung aus. Das ist für mich eine Mogelpackung. Die wollten damit auch in der Pölz-Halle gastieren, habe ich abgelehnt. Die Folgeschäden daraus wären sicher höher als der Mieterlös gewesen.
Tips: Was bedeutet Ihr Beruf für Ihr Leben?
Kropfreiter: Es ist ein anstrengender und zeitaufwändiger Beruf. Die Vielseitigkeit und Abwechslung, die er mir bietet, hält mich jedoch jung und gibt mir Energie zurück. Wer sonst kann schon durch seine Arbeit so viele Menschen zufrieden stimmen, ja, auch glücklich machen! Im Vorjahr kamen an die 50.000. Der große Einsatz hat sich mehr als gelohnt.


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