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„Mostviertler Gespräche“ in Amstetten zum Klimawandel: „Wir müssen jetzt handeln!“

Michaela Aichinger, 05.02.2020 19:47

AMSTETTEN. Großes Interesse gab es an den dritten „Mostviertler Gesprächen“ der Katholischen Arbeitnehmer/innenbewegung (KAB) in der Pfarre Amstetten-St. Stephan. Erstmals konnten auch die Amstettner Pfarren eingebunden werden – neben St. Stephan auch Herz Jesu, St. Marien, die evangelische Pfarre und das Franziskanerkloster. Zum Thema „Klimawandel und Klimaschutz“ referierte Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von Global 2000.

Foto: Wolfgang Zarl
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„Noch können wir etwas gegen den Klimawandel tun“, betonte Referent Wahlmüller. „Aber wir müssen jetzt handeln, die nächsten zehn Jahre sind entscheidend.“ Das würden UN-Klimaberichte aussagen. Noch sei es nicht zu spät. Wahlmüller warnte aber davor, dass es zu einem „point of no return“ kommen könnte, also zu einem Punkt, an dem das Klima irreversibel geschädigt ist.

Auswirkungen des Klimawandels bereits jetzt

Wahlmüller erinnerte in seinen Ausführungen auch daran, dass es schon jetzt Auswirkungen des Klimawandels gebe: etwa die Klimaflüchtlinge, die ihre Heimat verlassen müssten, weil sie wegen  der anhaltenden Dürre auf ihrem Grund und Boden nichts mehr anbauen könnten. Auch Bewohner der Fidschi-Inseln müssten bereits jetzt immer wieder neue Siedlungsräume suchen, da der erhöhte Meeresspiegel ihnen das Land nimmt.

Wahlmüller betonte auch, dass jeder Einzelne etwas tun könne und gefordert sei. Denn: jede Erhöhung der Temperaturen von Zehntelgraden mache für alle Menschen schon einen Unterschied aus.

„Österreich macht zu wenig“

„Ich finde, Österreich macht in Sachen Klimaschutz noch zu wenig. Manche Länder wie Schweden oder die Schweiz gehen viel stärker gegen den Ausstoß von CO2 und anderen Abgasen vor – und haben trotzdem ein Wirtschaftswachstum und hohen Komfort. Es sind teils falsche Anreize, die Österreich schafft: statt Fliegen zu verteuern, wird es staatlich entlastet. Dabei sollten die öffentlichen Verkehrsmittel gefördert werden. Wichtig ist auch eine Investition in Radwege, thermische Sanierung und Forschung“, betont Wahlmüller.

„Nicht jeder muss perfekt sein“

Der Global 2000-Experte meinte auch, dass „nicht jeder perfekt sein“ müsse. „Aber Flugreisen zu vermeiden, öffentliche Verkehrsmittel verstärkt zu verwenden, das Heizungssystem zu ändern, Ökostromanbieter zu nutzen oder den Fleischkonsum zu reduzieren, ist zumutbar. Es gilt auch, die Wegwerfgesellschaft zu hinterfragen, da vieles repariert werden kann wie beispielsweise fast neue Handys“, betonte Wahlmüller, der auf ein Umdenken hoffe: „man soll nicht mehr nur darüber reden, was alles nicht geht, sondern vielmehr darüber, dass auch schon viel möglich ist“.

Forderung: Sozialen Aspekt nicht vernachlässigen

Viele Teilnehmer der „Mostviertler Gespräche“ – darunter auch mehrere Priester und Ordensfrauen – forderten von der jetzigen Regierung, dass bei den Öko-Maßnahmen der soziale Aspekt nicht vernachlässigt werden solle. Am Podiumsgespräch nahmen neben Pfarrer Peter Bösendorfer und Referent Johannes Wahlmüller auch Sozialexperte Gregor Kovarik vom ÖGB und Ignaz Röster vom Bereich „Gemeinden & Regionen“ der Energie- und Umweltagentur Niederösterreich (EnU) teil.

„Wollen Klimabündnispfarre werden“

Bei der Podiumsdiskussion erinnerte der Pfarrer von Amstetten-St. Stephan, Peter Bösendorfer, daran, dass Papst Franziskus mit seiner Enzyklika „Laudato si“ einen „ganzheitlichen Lösungsweg“ geboten habe. Dieser solle konkret umgesetzt werden. Wie, das zeige Bösendorfers Pfarre schon vor: beim nachhaltigen Umbau des Pfarrhofs, bei schöpfungsfreundlichen Festen, bei denen man viel Müll reduziert habe, oder bei der Aktion „Wir radeln in die Kirche“. Künftig wolle man eine Klimabündnispfarre werden, kündigte Bösendorfer an.


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