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AMSTETTEN/WIEN. Äußerst scharf hat sich der Priester Franz Sieder (80) am Freitag bei der Demonstration des Gewerkschaftsbundes gegen das neue Arbeitszeitgesetz geäußert.  

Kaplan Franz Sieder Foto: Karl Satzinger
Kaplan Franz Sieder Foto: Karl Satzinger

Der hier festgeschriebene 12-Stunden-Tag und die 60-Stunden-Woche seien „Ausdruck der Unmenschlichkeit“. Für die Profitsteigerung würden die Gesundheit und Familienzeit geopfert, sagte der langjährige Mostviertler Betriebsseelsorger Franz Sieder vor der Wiener Zentrale der Industriellenvereinigung.

Mit dem neuen Gesetz werde über die wichtige Errungenschaft des arbeitsfreien Sonntags, „der uns heilig ist“ und für den Kirchen und Gewerkschaften schon jahrelang gemeinsam gekämpft hätten, drübergefahren, erklärte Kaplan Sieder. Die katholische Soziallehre und die Sozialrundschreiben der Päpste würden stets das Gegenteil betonen: Arbeit sei mit den Menschen verbunden und solle demnach „immer Vorrang haben vor dem Kapital“, welches nur instrumentellen Charakter habe. „In der Konsequenz hieße das, dass nicht die Kapitaleigentümer, sondern die Arbeitnehmervertreter die Bestimmenden über die Wirtschaft sein sollen“, so der pensionierte Arbeiterpriester, der weiter in der Friedensbewegung, bei Pax Christi, der Arbeitsgemeinschaft Christentum und Sozialdemokratie (ACUS) und bei der Katholischen ArbeiternehmerInnenbewegung (KAB) aktiv ist.

Als Trugschluss bezeichnete es Sieder, den Kapitalismus als Ursache für den heutigen Wohlstand anzusehen, da letzterer auf der Ausbeutung der Dritten Welt beruhe. „Wir sind reich, weil die anderen immer ärmer werden, weil dieses ungerechte System bewirkt, dass weltweit die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird.“ Dass laut der Organisation Oxfam weltweit ein Prozent der Menschheit genau so viel wie die 99 Prozent anderen besitze, sei „ein Skandal und zutiefst unsozial und unchristlich“. Nicht durch Almosen und Spenden, sondern nur durch gerechte Wirtschaftsstrukturen, die Millionäre und Milliardäre verhinderten, „bei denen der Mensch das Ziel ist und alle Menschen die gleichen Chancen haben“, entstehe Gerechtigkeit.

Erst am Donnerstag hatte die Betriebsseelsorge zu ihrem 50-Jahr-Jubiläum den Vormarsch einer österreichischen „Politik der Entsolidarisierung, die Schwächere an den Rand drängt“ kritisiert. Derzeit geschehe eine „Umverteilung von unten nach oben“, konkret etwa durch Einsparungen bei Beschäftigungsprojekten, Abgabenerleichterungen für Unternehmen oder die Deckelung der Mindestsicherung für Ausländer. Auch am 12-Stunden-Tag hatte die gemeinsame Stellungnahme viel auszusetzen: Gleichzeitig zu dessen Einführung würden immer mehr nur einen Teilzeitjob bekommen.


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