Abschied von "Jerry": Trauer im Bärenwald Arbesbach um ehemaligen Zirkusbären
ARBESBACH. Eine traurige Nachricht wurde heute von der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ bekannt gegeben: Jerry, der beliebte Bär aus dem Bärenwald Arbesbach, ist im Alter von 32 Jahren verstorben.

Die Freude war groß, als der von „Vier Pfoten“ geführten Bärenwald Arbesbach am 15. Mai endlich wieder seine Pforten für Besucher öffnen konnte. Jetzt ist diese Freude jedoch von Trauer überschattet: Der 32-jährige ehemalige Zirkusbär Jerry musste vor wenigen Tagen von seinem Leiden erlöst werden.
Seine Gelenke waren in Folge der tierquälerischen Haltungsbedingungen, denen Jerry vor seiner Rettung durch „Vier Pfoten“ jahrelang ausgesetzt war, stark in Mitleidenschaft gezogen und bereiteten ihm in den letzten Tagen starke Schmerzen. „Es ist sehr traurig für uns, Jerry zu verlieren. Er ist uns so ans Herz gewachsen. Es tröstet uns aber die Tatsache, dass er 20 Jahre in unserem Bärenwald ein schönes Leben verbringen konnte“, sagt Sigrid Zederbauer, Betriebsleiterin im Bärenwald Arbesbach.
Sanftes Einschlafen nach hartem Leben
Schon seit einigen Jahren nahm die körperliche Fitness von Jerry und auch von seinem Bruder Tom, der gemeinsam mit ihm von „Vier Pfoten“ im Jahr 2000 gerettet worden war, sichtbar ab. Daher nahm das Bärenwald-Team in den Gehegen der beiden auch immer wieder gezielte Adaptierungen vor, um auch den alten Bären noch eine gute Zeit unter liebevoller Betreuung zu sichern.
Sie wurden bzw. werden mit schmerzstillenden und entzündungshemmenden Medikamenten sowie Nahrungsergänzungsmitteln zur Stärkung der Gelenke optimal versorgt. „Gerade über Jerrys Entwicklung waren wir eigentlich im vergangenen Jahr sehr erfreut“, berichtet Zederbauer. „Vor zwei Wochen zeigte sich jedoch eine markante Verschlechterung vor allem in seiner Fortbewegung. Schließlich zog er sich in eine Höhle zurück und wollte nicht mehr aufstehen. Offensichtlich schwand auch sein Lebenswille.“
Das Tierärzteteam rückte daher am Pfingstmontag an, um Jerry unter Betäubung zu untersuchen. Der Befund zeigte schnell, dass weitere Behandlungen der Gelenke aussichtslos waren und Jerry keine Aussicht mehr auf eine aktive Fortbewegung hatte. Um ihm weiteres Leiden zu ersparen, wurde beschlossen, ihn nicht mehr aus der Narkose aufwachen zu lassen.
Tom und Jerry: Rettung nach leidvollen Erlebnissen
Jerry wurde, ebenso wie sein Bruder Tom, 1988 im Tierpark von Ostrau in Tschechien geboren. Im Alter von vier Monaten wurde das Brüderpaar von einem Dompteur gekauft und lebte bis 1993 im kommerziell geführten Tierpark Safaripark Gänserndorf. Dort musste Jerry in der sogenannten „Bärenschule“ Kunststücke vor Publikum zum Besten geben. 1994 gründete sein Besitzer dann ein eigenes Zirkusunternehmen. Von da an lebten die beiden Bären ständig auf Rädern, sie mussten im Zirkuswagen quer durch Europa reisen. Sie mussten auf den Hinterbeinen aufgerichtet über Hindernisse springen, durch die Manege marschieren und andere, für die Gelenke extrem belastende Bewegungen vollführen.
Seit 1995 versuchte die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ Tom und Jerry aus der Gefangenschaft zu befreien, was nach einer gütlichen Einigung zwischen dem Land Niederösterreich, ihrem Besitzer und “Vier Pfoten“ im Frühling 2000 schließlich auch gelang. Seit Mitte September 2000 lebten die Bärenbrüder im Bärenwald Arbesbach und gehörten somit neben Liese, die 2017 verstarb, Vinzenz und Brumca zu den ersten Bären, die „Vier Pfoten“ retten konnte.
Tapfere Brüder bis zuletzt unzertrennlich
„Ich erinnere mich gerne an den schönen Moment, als wir Jerry und seinen Bruder Tom endlich in ihr neues Zuhause bringen konnten. Dieser lange Prozess, bis wir die Bären in unsere Obhut bekamen, war schon zermürbend“, sagt Vier Pfoten-Geschäftsführer Josef Pfabigan. „Die beiden waren so tapfer, obwohl der Transport zunächst viel Stress für sie bedeute. Sie haben neugierig ihr großes Gehege erkundigt, wobei sie immer dicht beieinander blieben. Seit damals blieben sie unzertrennlich. Nicht nur sein Gefährte Tom, wir alle werden Jerry sehr vermissen.“


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