Für die Aufnahme von Flüchtlingen braucht es Platz und viel Zeit
ARNREIT/BEZIRK. Die Not an Asylquartieren macht erfinderisch: Die Grünen stellten jetzt ein Konzept vor, um die Landwirtschaft verstärkt in die Integrationsphase einzubinden. Der Ebnerhof in Arnreit fungiert schon seit einigen Monaten als Herberge für eine afghanische Familie. Im Tips-Gespräch hat Maria Grünbacher ihre Erfahrungen geschildert.

Drei Monate ist es her, seit die Familie Rahimi in Arnreit angekommen ist. Mit nur einem Koffer für die Eltern und die beiden Kinder und keinerlei Deutsch- oder Englischkenntnissen. „Am Anfang bedeutet es sehr viel Betreuungsarbeit. Sie reden nur Farsi, haben andere Schriftzeichen, eine andere Zeitrechnung – kommen noch immer nicht mit den Wochentagen klar“, erzählt die Landwirtin, die mit ihren neuen Untermietern zu den Deutschkursen gefahren ist, zum Arzt, sie hat Schulzeug für den achtjährigen Mohammad gekauft oder den Eltern die Mülltrennung erklärt. „Man kann sie nicht einfach in eine Wohnung stecken und nur verwahren. Sie müssen lernen, mit dem Alltag in Österreich zurechtzukommen, da brauchen sie Unterstützung“, sagt Maria Grünbacher, die von ihrem Mann Josef Stockinger und den vier Kindern unterstützt wird. Auch heute ist sie noch jeden Tag mindestens eine Stunde bei den Asylwerbern, um ihnen den Ablauf des nächsten Tages zu erklären und ein wenig Deutsch mit ihnen zu lernen. „Mit 'Google-Translate' sind wir über die ersten Monate gekommen. Jetzt sind sie schon viel selbständiger. Es wird jeden Tag leichter.“
„Wegen dem Geld braucht man's nicht machen“
Trotz des großen zeitlichen und organisatorischen Aufwands hat man am Ebnerhof die Entscheidung nie bereut. „Nichts zu tun, hätten wir mit unserem Gewissen nicht vereinbaren können. Es darf uns nicht egal sein, was rundherum passiert, denn die Flüchtlingsströme sind eine Folge der globalen Wirtschaftspolitik“, sagt Maria Grünbacher. Verdienen könne man als privater Vermieter aber nicht an Flüchtlingen, „das fällt eigentlich in den Bereich Ehrenamt.“ 240 Euro Miete pro Monat gibt es für die mittlerweile fünfköpfige Familie (Baby Bahar Helena ist vor einem Monat im LKH Rohrbach zur Welt gekommen), die Flüchtlinge selbst bekommen 670 Euro, mit denen sie alles außer das Wohnen finanzieren müssen.
Was die Privatvermieterin nicht verstehen kann, ist, dass die gewerbliche Vermietung von Wohnungen an Asylwerber nicht an konkrete Betreuungsaufgaben gebunden ist. „Diese Integrationsarbeit müssen Ehrenamtliche übernehmen, die nichts dafür bekommen“, kritisiert die Arnreiterin. Und meint weiter: „Ich erwarte mir von den österreichischen Politikern und der ganzen EU eine gescheite Lösung. Es kann nicht nur an den Privatpersonen hängen bleiben.“
Asylwerber beschäftigen
Mit dem Konzept „Asyl am Bauernhof“ wollen die Grünen Bauern und Bäuerinnen nicht nur Wohnraum für Asylwerber schaffen, sondern diese auch in Beschäftigung bringen. Das freiwillige Einbinden in die landwirtschaftliche Arbeit sei zum Vorteil der Flüchtlinge und Landwirte, ist Obmann Clemens Stammler überzeugt. Er denkt an Praktika für Asylwerber, Einsatz als Erntehelfer und Saisonarbeiter oder ein freiwilliges Integrationsjahr für anerkannte Flüchtlinge. Am Ebnerhof hat man die Flüchtlingsfamilie nicht zu Arbeitszwecken aufgenommen. „Aber wir werden ihnen ein Stück Acker anbieten, damit sie sich selber etwas anbauen können“, informiert Grünbacher. Auf jeden Fall ist das Zusammenleben mit der Familie aus Afghanistan interessant: „Man holt sich eine total andere Kultur, einen Teil der großen Welt ins Haus – darunter natürlich auch Arges und Schlimmes, bei dem man dann nicht mehr einfach wegschauen kann.“


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