Food Coops in der Kritik: "Diese Art der Beziehung wird sich nicht stoppen lassen"
BEZIRK ROHRBACH/OÖ. Food Coops sind in Kritik geraten. Dabei schließen sich Haushalte zusammen, um Lebensmittel direkt vom regionalen Bauernhof zu beziehen. Die Wirtschaftskammer kritisiert diese Geschäftsidee als rechtswidrig: das entsprechende Handelsgewerbe müsse angemeldet werden. Im Bezirk unterstützt unter anderem die Permagruppe Böhmerwald solche Initiativen, hier hofft man auf eine vernünftige Lösung.

„Gleiches Recht für alle“ fordert die Wirtschaftskammer ein und droht deshalb den fünf bekanntesten Food Coops in OÖ mit Klagen. „Wir haben grundsätzlich nichts gegen diese Initiativen, sie müssen sich nur an die gleichen Spielregeln halten, wie unsere Mitgliedsbetriebe und ein entsprechendes Handelsgewerbe anmelden“, fordert WK-Präsident Rudolf Trauner. Dies auch zum Schutz der regionalen Nahversorger, die hier wettbewerbswidrig und unrechtmäßig konkurrenziert würden.
Für Roswitha Diaz Winter von der Permagruppe Böhmerwald kann die Anmeldung eines freien Gewerbes nicht die Lösung für die Food Coop-Vereine sein. „Eine Kooperative arbeitet ja nicht gewinnorientiert, sondern gemeinnützig und ehrenamtlich. All das, was mit der Handelsspanne abgedeckt wird – also Personal, Logistik, Aufwände und Gewinne – muss in einer Food Coop dank des persönlichen Einsatzes nicht beglichen werden.“ Für sie ist die jetzige Zuspitzung der Diskussion ein Ergebnis unglücklicher Kommunikation. Grundsätzlich hält sie aber eine juristische Klärung für sinnvoll, denn „diese Art der Abnehmer-Anbieter-Beziehung wird sich nicht stoppen lassen.“
Vereinfachter Einkauf
Im Bezirk gibt es eine solche Kooperative – die Achtsam-Gruppe, die seit knapp einem Jahr aktiv ist und in Auberg einen Lagerraum angemietet hat. „Wir haben alle schon vorher bei den regionalen Bauern eingekauft und uns daher zusammengeschlossen, um diesen Einkauf zu organisieren“, erklärt Regina Hoffmann-Schietz. Den 24 Haushalten aus Auberg, St. Ulrich und St. Peter geht es nicht um günstigere Preise (sie zahlen den normalen Ab Hof-Preis), sondern um den einfacheren Bezug der regionalen Lebensmittel. „Jedes Mitglied muss sich auch selbst einbringen und es ist seit der Gründung viel Bewusstseinsbildung passiert. Bauer und Konsument arbeiten hier Hand in Hand. Es wäre wirklich schade, wenn solche Initiativen nicht mehr möglich wären“, ergänzt die Aubergerin.
Food Coops sind eine direkte Verbindung zwischen Konsument und Produzent. Sie agieren ehrenamtlich, nicht gewinnorientiert und verfolgen das Ziel einer bewussten, regionalen, biologischen Ernährung für ihre Mitglieder. „In einer modernen, ökosozialen Wirtschaft müssen derartige Projekte Platz haben“, appelliert Umwelt- und Konsumentenschutz-Landesrat Rudi Anschober (Grüne) an alle Seiten, eine gemeinsame Lösung zu suchen. Anfang Mai soll ein Runder Tisch eine Kompromisslösung bringen.


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