Weltmusik: Alma gewinnt deutschen RUTH-Preis
BAD HALL. Nach dem zweiten Platz bei den Austrian World Music Awards 2015 hat das Ensemble Alma jetzt den deutschen Weltmusik-Sonderpreis RUTH abgeräumt. Zwei Bad Hallerinnen sind mit von der Partie: Julia und Marlene Lacherstorfer. Tips bat sie zum Gespräch.

Wenn die fünf Musiker von Alma auf der Bühne ihre Instrumente ansetzen, weiß der Zuhörer nie ganz genau, wo die Reise hingeht. Warum auch, die Welt ist weit und ihre Spielwiese voller Farben. Gewiss ist: Alma streifen der traditionellen Volksmusik ein junges, luftiges Kleid über, verzichten zugleich auf Show und Maskerade. Geigen, Bass, Akkordeon und Stimmen fliegen um den Erdball und fangen an musikalischem Einfluss ein, was sie gerade anlacht.
Schon als Kinder waren Bassistin Marlene und Geigerin Julia Lacherstorfer aus Bad Hall von einer Leidenschaft für Musik umgeben: Mama spielt als Ausgleich zum Beruf gern Kontrabass, Papa ist enthusiastischer Dudelsack- und Drehleierspieler. Jodler, Wienerlied, Gstanzl und natürlich Dudelsackmusik erfüllen das traute Heim.
Zielstrebig unterwegs
Die ersten musikalischen Gehversuche der Töchter ließen da nicht lange auf sich warten – in der LMS Bad Hall oder bei den Lacherstorfer Soatnkråtzern. Mittlerweile haben sich die Schwestern vollkommen in der Musik gefunden. Die 34-jährige Marlene arbeitet für Größen wie Ernst Molden & Willi Resetarits, Zoe, Clueso oder die aus Steyr stammende Band Velojet; die 31-jährige Julia spielt in diversen Formationen wie „Ramsch und Rosen“ und “Neuschnee“.
Was das 2011 mit weiteren drei Musikern gegründete Projekt Alma angeht, könnte es nicht besser laufen. Das dritte Album „Oeo“ ist frisch auf dem Markt, der deutsche Weltmusik-Sonderpreis RUTH zeigt, dass Alma buchstäblich grenzüberschreitend funktioniert. Ein wohlerarbeiteter, jedoch keineswegs voraussehbarer Erfolg, so die Geschwister Lacherstorfer.
Tips: Was macht Alma so erfolgreich, habt ihr damit je gerechnet?
Julia: Die Gründung der Band war nicht berechnend. Aber ich hatte schon den tiefen Wunsch und war überzeugt, dass man mit einer Vision ein Projekt schaffen kann, das viele berührt.
Marlene: Ich denke, unser Glück ist, dass wir eine Lücke füllen, die die Sehnsucht vieler Menschen anspricht: verwurzelte Musik, die keinen Klischees entsprechen möchte und in die Zukunft blickt.
Tips: Was prägt euren Stil und eure Identität als Band?
Marlene: Unser Stil ist eine Mischung aus unseren musikalischen Vorlieben – aus Klassik, Folk, Volksmusik, Jazz und Pop und improvisierter Musik. Jeder bringt seinen Background ein, der sich auch in den Kompositionen widerspiegelt.
Julia: Die Gruppe hat fünf starke Charaktere. Es kommt nur durch, womit sich alle identifizieren. Alma ist ein wichtiger Teil unseres Lebens geworden, der viel Zeit einnimmt. Da ist die Identifikation mit den Inhalten sehr wichtig und ich denke, das spürt man auch.
Tips: Auf der Bühne herrscht Harmonie: Die Schwester im Team zu haben macht die Dinge einfacher oder gibt“s schneller Diskussionen?
Marlene: Es vereinfacht Abläufe, da wir uns gut kennen und ähnlich arbeiten. Manches macht es vielleicht auch komplizierter, wobei das den anderen in der Band wahrscheinlich eher auffällt.
Julia: In vielen Dingen verstehen wir uns blind, können uns total aufeinander verlassen. In anderen Dingen kann es leichter passieren, dass man ungeduldig reagiert oder alte Muster kurz durchschimmern. Im Endeffekt ist es super, dass wir uns regelmäßig sehen. Sonst wäre das wohl zu allen heiligen Zeiten!
Tips: Wie wirkt sich der Umstand, dass ihr beide euch für die Musik als Beruf entschieden habt, auf eure persönliche Beziehung aus?
Marlene: Wir haben beide das Glück, dass unsere Projekte meistens gut angenommen wurden. Das inspiriert gegenseitig, sich weiterzuentwickeln.
Julia: Es wirkt auf den ersten Blick nicht so, aber unsere musikalischen Leidenschaften sind doch verschieden. Wir haben beide unseren Platz in unserem Wunsch-Genre gefunden und bereichern und motivieren uns.
Tips: Wer hat bei der Band Alma das Ruder in der Hand?
Marlene: Wir sind eine demokratische Band, wo jeder Aufgaben hat. Dadurch, dass Julia die meisten Lieder schreibt und die Band gegründet hat, übernimmt sie – wenn auch ungern – die Position einer Leaderin, wenn es gerade wichtig ist.
Julia: Alma ist das Projekt, wo ich am meisten meine Visionen verwirklichen kann, daher mache ich ganz automatisch sehr viel.
Tips: Reagiert man außerhalb Österreichs auf eure Musik anders?
Marlene: Ich habe den Eindruck, dass sie die Menschen quer durch die Länder und Kulturen ähnlich bewegt.
Tips: Wo soll Almas Reise hingehen?
Marlene: Derzeit freuen wir uns auf Auftritte bei tollen Sommerfestivals, wie gerade eben beim größten europäischen Weltmusikfestival Rudolstadt, das uns ja auch den Preis überreicht hat. Ich würde auch gerne wieder andere Länder bereisen. Das macht unseren Beruf für mich sehr spannend.
Julia: Wir alle mögen Reisen und sind liebend gerne auf internationalen Festivals, wo wir uns mit anderen Musikern austauschen und jammen können. Wenn uns unsere Reise weiterhin und noch weiter weg an diese Orte bringt, sind wir wunschlos glücklich.
KONZERT-TIPP: Die Gruppe Alma live erleben kann man am Freitag, 28. Juli, beim Musiksommer Bad Schallerbach (Atrium Europasaal, 19.30 Uhr). Mehr auf www.almamusik.at








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