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BAD ISCHL Ruzica Milicevic kam einst als Flüchtling im Zuge des Bürgerkriegs in Ex-Jugoslawien ins Salzkammergut. Jetzt ist sie als Verantwortliche des regionalen Kompetenzzentrums für Integration (Reki) erste Ansprechpartnerin in Integrationsfragen im Bezirk Gmunden.

Ruzica Milicevic setzt sich für ein friedliches und gedeihliches Miteinander von Einheimischen und Flüchtlingen im Bezirk Gmunden ein.

Tips: Was ist Ihre konkrete Arbeitsaufgabe als Reki-Mitarbeiterin?

Milicevic: Ich begleite und berate Gemeinden in Flüchtlings- und Integrationsfragen. Dabei sind Ist-Analysen durchzuführen, Akteure wie Verwaltungsbeamte, Kirche, Schulen oder Jugendzentren zu vernetzen und Zuständigkeiten unter Beamten zu definieren. Wir bieten auch kostenlose Dienstleistungen wie Informationsabende für Gemeinden, wie sie bereits in Gosau und Ohlsdorf abgehalten wurden.

Tips: Welche Fragen stehen dabei im Vordergrund?

Milicevic: Vor allem die Fragen „Was brauchen wir?“ und „Wo ist Handlungsbedarf?“. Durch die Asylproblematik haben sich die Fragestellungen stark verändert. Wir müssen einfach flexibel auf die Situation reagieren.

Tips: Wie bereiten Sie Flüchtlinge auf die regionale Kultur und das heimische Rechtssystem vor?

Milicevic: Da muss man mit kleinen Dingen anfangen, wie zum Beispiel Begrüßungsrituale. Oft bilden sich auch ehrenamtliche Gruppen zum Thema „Information“, die die Ortsgeschichte vermitteln wollen. Das ist wichtig, damit die Menschen aus anderen Kulturkreisen unsere Umgangsformen kennenlernen. Uns ist aber auch wichtig demokratische Werte zu vermitteln. Immerhin haben viele Menschen in Europa ihr Leben für demokratische Errungenschaften und Freiheit geopfert. Wir zeigen aber auch, dass Demokratie nicht Morallosigkeit, sondern Eigenverantwortung bedeutet. Es ist wichtig, über das lokale Alltagsleben, Brauchtum und die Kultur der Toleranz aufzuklären – dass auch das Andere sein darf. Das kann dazu beitragen, persönliche Frustrationen zu vermeiden.

Tips: Die Bereitschaft zu helfen ist sehr groß. Besteht die Gefahr, dass auch über das Ziel hinausgeschossen wird?

Milicevic: Ich bin echt überrascht über das Ausmaß an Empathie und Nächstenliebe. Manche Gutmeinenden laufen aber Gefahr, die Flüchtlinge mit ihrer Hilfsbereitschaft zu überfordern. Man sollte nicht vergessen, dass die Menschen sehr lernfähig und kompetent sind. Das Ziel sollte Hilfe zur Selbsthilfe sein. Wichtig für ehrenamtliche Helfer ist daher auch sich zu fragen: Was ist meine Motivation? Was kann ich gut? Und innerhalb der Gruppe gilt es, sich entsprechend abzusprechen wer für was genau da ist.

Tips: Sie sind selbst einst als Flüchtling nach Österreich gekommen und können die Situation der Asylsuchenden nachvollziehen.

Milicevic: Erst mal geht es darum, sein Leben zu retten. Die Flucht ist wie in kaltes Wasser zu springen. Danach muss man erst mal Luft holen und nachdenken: Was habe ich bisher gemacht? Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten kann ich in meiner neuen Heimat anbieten? Der Bildungshintergrund ist wichtiger als die Herkunft. Daher wären Datenbank für die Fähigkeiten der Flüchtlinge und Nostrifizierungen ihrer Ausbildungen wichtig. Die Flüchtlinge wollen einfach so leben wie die Einheimischen und bringen auch viel Potenzial mit – gerade hinsichtlich Sprachen, die für Exportfirmen in Zukunft wichtig werden könnten.

Tips: Wie kann man Konflikte frühzeitig vermeiden?

Milicevic: Man muss den Flüchtlingen realistische Vorstellungen über das Leben nach dem Asylbescheid vermitteln. Die Menschen haben wenig Vorstellung wie das Leben bei uns läuft, was man durchschnittlich verdient. Es ist wichtig, dass sie auch zu diesem Thema ausreichend Informationen bekommen, um zu wissen was nach dem Asylverfahren auf sie zukommt. Die Integration beginnt nicht erst nach dem positiven Asylbescheid, sondern mit dem ersten Tag in der Gemeinde. Je früher man darauf vorbereitet, desto weniger Frustrationen gibt es. Entsprechend mitgebrachter Qualifikation nicht eingesetzt zu werden, kann zu Frustrationen führen und bei manchen Flüchtlingen das Gefühl hervorrufen, dass man diskriminiert wird. Deswegen mein Appell an alle Politiker, Verwaltung, Organisationen, Firmen: Geben Sie den Menschen die Chance sich zu verwirklichen, damit sie auch das Gefühl haben, zu einem allgemein besseren Lebensstandard in Österreich ihren Beitrag zu leisten. Das macht die Leute stolz. Und nur ein Migrant mit gesundem Selbstbewusstsein kann auch ein guter Bürger werden. Andererseits möchten wir aber auch Einheimischen die Angst nehmen, dass Freiheiten beschnitten werden könnten.


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