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BAD ZELL. Vor rund 300 Jahren hat sich in der Region das tragische Geschehen um Magda-lena Grillenberger abgespielt. Ab Freitag ist die wahre Geschichte der „Wagenlehner-Hexe“ auf der Theaterbühne in Zellhof zu sehen. Und sie hat mit den Themen Ausgrenzung, Verleumdung und Opferrolle nichts von ihrer Aktualität eingebüßt, meinen die Produktionsleiterinnen Lizi Pilz und Martina Fröhlich.

Lizi Pilz (l.) und Martina Fröhlich sind zu Recht stolz auf die detailreiche Bühne (im Bild die Kerkertüre). Etliche Requisiten stammen tatsächlich aus der Zeit des letzten Hexenprozesses im Unteren Mühlviertel. Foto: Greindl

„Eine Familienausrottung“ ist der Untertitel der Theaterproduktion „Die Hexenmacher“. Fast die gesamte Wagenlehner-Familie fiel – historisch durch Gerichtsakten verbürgt – der Verleumdung zum Opfer. „Das ist immer wieder aktuell in der Geschichte, Menschen werden geängstigt, gejagt und gefoltert“, sagt Martina Fröhlich. Sie hat mit Lizi Pilz und Hans Hinterreiter die Produktionsleitung des Stücks nach einer Idee von Zita Eder übernommen, dessen wahrer Hintergrund seit 1930 bereits zum dritten Mal für die Bühne bearbeitet wird.

Als Hexe Verurteilte rehabilitiert

Für die beiden Frauen, die ihr ganzes Herzblut in die Produktion stecken, liegt der Sinn nicht nur in der Rehabilitation der Magdalena Grillenberger. „Wenn die Aufarbeitung des Geschehens heute, rund 300 Jahre nach der Hinrichtung, einen Sinn hat, dann den, dass der ganze Ort durch die Theaterproduktion zusammengewachsen ist“, sagt Fröhlich. Und Lizi Pilz pflichtet ihr bei: „Unter den rund 150 Mitwirkenden sind Menschen mit völlig unterschiedlichem Background, viele ohne Theatererfahrung, viele habe ich vorher gekannt, aber nie näher mit ihnen geredet – das hat sich geändert und soll sich auch über das Projekt hinaus erhalten.“

Vielfältige Talente

Am schönsten sind für die im Privatberuf als Getränkehändlerin und Bäuerin bzw. als Volksschullehrerin tätigen Bad Zellerinnen die vielfältigen Talente der Mitwirkenden. „Die Leute können so viel – so hat Zilli Lintner unermüdlich Kostüme geschneidert, Margret Wögerer hat einen unerschöpflichen Fundus an Requisiten herangeschafft, um nur zwei zu nennen, es hat nie jemand gesagt, das geht nicht“, schwärmt Martina Fröhlich. Dabei haben sich die Produktionsleiterinnen die Latte hoch gelegt. Regisseur Wolfgang Aistleitner ließ Fröhlich und Pilz sehr freie Hand. Lizi Pilz: „Wir haben einen Perfektionsanspruch, und jeder ist über sich hinausgewachsen. Unglaublich, wie viele glückliche Fügungen es bisher gegeben hat.“

Was kommt danach?

Längst hat sich die Bogensporthalle in Zellhof in einen stimmungsvollen Theatersaal verwandelt. Die Wand zieren Stoffbahnen mit Auszügen aus den Gerichtsprotokollen. Die Generalprobe sowie neun Aufführungen sind ausverkauft (siehe unten). Was danach kommt? „Wahrscheinlich fallen wir alle in ein dunkles Loch, wenn die Anspannung und Geschäftigkeit wegfallen“, schmunzeln die Produktionsleiterinnen. Die Lust auf mehr ist jedenfalls geweckt.

Neuerscheinung: Hexen.Wahn

„Hexen.Wahn“ ist der Titel des Buchs zum Schauspiel, herausgegeben von der Ideengeberin des Stücks, Zita Eder aus Bad Zell. Beleuchtet werden darin nicht nur das aktuelle Theaterstück von Wolfgang Aistleitner, sondern auch die rechliche und soziale Position der Frauen im frühen 18. Jahrhundert sowie Zauberei und Hexerei im Volksglauben und in Volkssagen. Pater Maximilian Schiefermüller steuerte einen Beitrag über Politik und Gesellschaft im Markt Zell im 18. Jahrhundert bei. Erschienen ist „Hexen.Wahn“im Verlag Bibliothek der Provinz. Erhältlich ist es zum Preis von 20 Euro vor und nach der Theateraufführung sowie in der Pause, im Tourismusbüro, am Gemeindeamt bei den Banken in Bad Zell sowie im Buchhandel. Ab MItte Oktober wird es eine DVD zum Schauspiel geben.

Uraufführung: Freitag, 21. September 2018

Theaterhalle zu Zellhof, Bad Zell, 19.30 Uhr,

alle Termine ausverkauft

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Weitere Informationen online auf www.diehexenmacher.at


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