„Kulturelle Einrichtungen müssen auch eine Zukunft haben“

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Sabrina Reiter Sabrina Reiter, Tips Redaktion, 26.05.2020 06:33 Uhr

BRAUNAU. Im Allgemeinen als nicht systemrelevant geltend, wurden auch Kultureinrichtungen Opfer der Coronakrise. Tips sprach mit Alois Mandl, Geschäftsführer von Kultur im Gugg Braunau, über die aktuelle Situation, den Stellenwert und das Wiederhochfahren des Kulturbereichs.

Tips: Was bedeuten leere Bühnen für Veranstaltungsorte wie das Gugg?

Alois Mandl: Was ein ausgetrocknetes Flussbett für ein Wasserkraftwerk bedeutet. Der einzige Unterschied: Kultur ist im Allgemeinen nicht systemrelevant. Für die meisten Mitmenschen ist ein Leben ohne Kunst und Kultur durchaus vorstellbar. Auf alles andere zu verzichten, da schaut„s a bisserl finsterer aus. Dementsprechend ist die Gewichtung bei den Lockerungen danach ausgerichtet. Das ist alles verständlich. Deshalb reihen wir uns noch brav ganz hinten ein und hoffen auf ein wenig Gnade.Und doch gibt es Ausnahmen. Mit dem Zusatz “Event„ ist Kultur dann doch relevant. Frau Rabl- Stadler, Präsidentin der Salzburger Festspiele, bläst den Politikern und die Landeshauptfrau in Niederösterreich, Frau Mikl-Leitner, sich selbst den Marsch und schon ist allerhand möglich. Kultur im Gugg zelebriert aber, wie viele andere auch, keine Event-Kultur. Wir konzentrieren uns auf das Wesentliche, das Geschehen auf der Bühne. Und das wird uns derzeit untersagt.

 

Tips: Wie ist denn die derzeitige Stimmung bei den Künstlern?

Mandl: Von bis, weil ja die Lebenssituationen sehr unterschiedlich sind, aber lustig ist es für alle nicht. Jetzt wurde ja eine neue Staatssekretärin aus dem Hut gezaubert, die alles richten wird und die Stimmung eruptiert. Politiker und Künstler stimmen unisono in ein Loblied ein, als würde Jesus ein zweites Mal mit seinem Esel in Jerusalem einziehen. Es war aber kein personelles, sondern ein inhaltlich-strukturelles Problem. Die Minister Blümel und Kogler sind für die Untätigkeit im Kulturbereich verantwortlich. Dieses Verhalten wird natürlich auch begünstigt durch das zahnlose zubeißen der Kulturfraktion. Abseits der Bühne verordnet sich die Kultur Mundfaulheit.

 

Tips: Verdient die Kultur auch in der Krise mehr Beachtung?

Mandl: Sie verdient nicht mehr Beachtung als andere. Wir sind ja schon froh, wenn wir überhaupt registriert werden und unsere Daseinsberechtigung nicht täglich rechtfertigen müssen. Lobbys bestimmen die Wertetabelle, die nach Corona sicher neu justiert werden wird. Und die Politik hält sich daran. Da wird die Kultur, wenn es nicht um touristisch-kulturelle Events geht, ihre untergeordnete Rolle weiterspielen.

 

Tips: Welche Bedeutung hat Kultur abseits der Zentralräume?

Mandl: Eine nicht weniger wichtige als in den Zentralräumen. Gerade diese Krise lässt einen anderen Blick auf das zu, was wir als selbstverständlich erachten und deshalb minder bewerten, weil es zur Routine verkommt, um es schließlich ganz zu vergessen. Deshalb nur zur Erinnerung: Wir bespielen seit 31 Jahren ein Theater in der Stadt Braunau, das wir mit unglaublicher Leidenschaft angedacht und realisiert haben. Viele Menschen haben denkwürdige und unvergessliche Erlebnisse mit uns geteilt und werden dies auch in Zukunft tun. Der erzwungene, vorübergehende Stillstand eröffnet die Chance, genauer nachzufühlen. Ein Theater mitten in der Stadt. Fehlt mir das? Oder lebt es sich auch ohne ganz gut? Ich hoffe, es gibt außer mir noch viele, denen das Erlebnis Theater in all seinen Formen fehlt. Sich zu konfrontieren mit den unterschiedlichsten Denkansätzen. Nichts ist langweiliger, als sich nur darauf einzulassen, eigene Denkmuster bestätigt zu wissen oder unreflektiert im Schaumbad der eigenen Selbstverherrlichung zu baden. Deshalb ist es wichtig, dass es Einrichtungen wie das Gugg im ländlichen Raum gibt. Vorhang auf, wir spielen für Sie, fast das ganze Jahr!

 

Tips: Was erwarten sie sich von Seiten der Politik?

Mandl: Ich erwarte den Zug, wenn ich am Bahnhof stehe. Diese Pandemie ist ein außergewöhnliches Ereignis, das keinen Lebensbereich unbeschadet lässt. “Koste es was es wolle„ klingt als politische Ansage in meinem Ohr. Generell gilt, kulturelle Einrichtungen dürfen nicht nur eine Vergangenheit, sondern müssen auch eine Zukunft haben. Die Stadtgemeinde unterstützt uns in dieser Ausnahmesituation vorbildlich. Wie der Bund und das Land Oberösterreich. damit umgehen, wird die Zukunft weisen.

 

Tips: Hat der Kulturbereich eine Chance, sich schnell wieder zu erholen?

Mandl: Das kann niemand voraussagen, weil es von vielen Faktoren abhängt. Das Verhalten der Menschen wird sich verändern. Wie sich das auf den Besuch auswirkt, kann erst die Erfahrung zeigen. Mit der Abstandsregel können wir von 180 Plätzen nur 80 Plätze anbieten. Das ist nicht finanzierbar. Immer abhängig von der Entwicklung, kann ich mir aber nicht vorstellen, dass die Abstandsregel bleiben wird. In der Gastronomie spielt die Abstandsregel in der Praxis derzeit keine Rolle, weil niemand kontrolliert. Im Theater soll ein Corona-Beauftragter überwachen, ob alles den Vorgaben entspricht. Im Theater sitzen Menschen, die sich nicht unterhalten, zuprosten und schreiend Aerosole verteilen. In Abstimmung mit den notwendigen Sicherheitsmaßnahmen, muss eine Anpassung an die realen Umstände möglich sein. Wie geschlossene Theater eine Entscheidungshilfe für Lockerungen durch Erfahrungswerte liefern können ist mir allerdings schleierhaft. Aber ich bin ja kein Experte. Gut, dass wir eine neue Staatssekretärin haben.

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