Drogenberatung: „Man muss sowohl Körper als auch Seele behandeln“

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Theresa Senzenberger Theresa Senzenberger, Tips Redaktion, 01.09.2020 07:00 Uhr

BEZIRK BRAUNAU. Immer wieder kommen im Bezirk Braunau Drogendelikte ans Tageslicht. Erst kürzlich wurde ein Drogenring aufgedeckt, der Suchtmittel im Wert von einer Viertelmillion Euro verkaufte. Tips sprach mit Elfriede Hütter-Fürthauer, der Teamleiterin von EGO, der Beratungsstelle für Suchtfragen in Braunau, über das Thema Suchtmittel.

Erst vor kurzem wurden im Bezirk Braunau und Ried mehrere Personen festgenommen, weil sie eine Indoor-Plantage betrieben und Drogen, vor allem Marihuana, im Wert von 240.000 Euro vertrieben. 2019 befanden sich im Bezirk etwa 300 Personen mit einer Abhängigkeit oder aufgrund des Missbrauchs von illegalen Substanzen sowie 27 Angehörige in Beratung. Suchtmittelverstöße sind aber nicht nur in Braunau keine Seltenheit: „Unsere Gesellschaft hat ein Suchtproblem, das ist nicht nur in Braunau festzumachen“, erklärt Elfriede Hütter-Fürthauer, die Teamleiterin von EGO, der Beratungsstelle für Suchtfragen und Alkoholberatung in Braunau.

Seit Corona greifen manche Menschen mehr, andere weniger zu Suchtmitteln, berichtet Hütter-Fürthauer: „Manche haben jetzt beispielsweise weniger Stress in der Arbeit und daher sind weniger aufputschende Mittel notwendig. Bei anderen hat sich aber die Einsamkeit erhöht und damit auch der Konsum von betäubenden Mitteln.“

Hochgezüchtetes Marihuana

Bei den verkauften Substanzen des kürzlich aufgedeckten Drogenringes wurde vor allem Marihuana verkauft. Als harmlose „Einstiegsdroge“ dürfe man dieses Suchtmittel aber nicht missverstehen, klärt die Teamleiterin auf: „Das heutige hochgezüchtete Marihuana hat mit dem Cannabis, das die 60er und 70er-Generation rauchte, nichts mehr zu tun. Es hat oft den zehn- bis sogar 15-fachen Wert an THC, dem Wirkstoff, der das ,Highgefühl“ bewirkt. Das ist insofern gefährlich, als es Psychosen auslösen kann. Der schützende Anteil von Cannabidiol, das ebenfalls im Cannabis enthalten, sinkt dann leider.„

Leute, die viel Cannabis, womöglich täglich, konsumieren, können in Folge oft Antriebs- oder Motivationsprobleme bekommen. Je früher die Personen mit dem Konsum beginnen, umso gefährlicher sei es außerdem für die Gehirnentwicklung, die erst mit 25 Jahren abgeschlossen ist. Dabei haben in Oberösterreich fast die Hälfte der 20 bis 24-Jährigen Cannabis zumindest bereits einmal probiert. “Cannabis macht zwar nicht körperlich, aber seelisch abhängig„, erläutert Hütter-Fürthauer.

In hohem Maße abhängig, sowohl körperlich als auch seelisch, machen Drogen wie Heroin oder Crystal Meth. “Leider kursieren diese unglaublich zerstörerischen Drogen auch bei uns. Zudem werden derzeit häufig verschiedenste Stimulantien, wie Amphetamine eingenommen. Außerdem tauchen immer wieder Fälle auf, wo K.O.-Tropfen dazu verwendet werden, um andere auszurauben oder zu missbrauchen. Beim Fortgehen ist also Vorsicht geboten„, so die Expertin.

Hilfe in Anspruch nehmen

Bis Betroffene dazu bereit sind, Hilfe zu suchen, dauert es oft sehr lange. “Im Durchschnitt sind es sechs Jahre, die vergehen, bis Betroffene so weit sind, dass sie Hilfsangebote in Anspruch nehmen.„

In Braunau gibt es die Möglichkeit, bei EGO kostenlose und vertrauliche Beratung oder Therapie in Anspruch zu nehmen. Auch “move Braunau„ unterstützt abhängige Menschen im Alltag, indem es Notwendiges wie Kleidung oder Waschmöglichkeiten anbietet. Die Hilfeleistungen reichen somit von einer Psychotherapie bis zur Lösung von ganz existentiellen Fragen. Ein reiner körperlicher Entzug hat wenig Sinn, erklärt Hütter-Fürthauer: “Man muss sowohl Körper als auch Seele behandeln.„

 

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Kommentare

  1. Andreas Maislinger
    Andreas Maislinger02.09.2020 17:30 Uhr

    Haus der Verantwortung in Braunau am Inn - Könnte Sie das Projekt Haus der Verantwortung in Braunau am Inn interessieren? www.facebook.com/houseofresponsibilitybraunau

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