Startschuss für das erste Frauenhaus in Braunau ist gefallen

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Sabrina Antlinger Tips Redaktion Sabrina Antlinger, 24.05.2022 10:18 Uhr

BRAUNAU. Seit mehr als zwölf Jahren kämpft der Verein „Frauenhaus Braunau“ für den Bau eines Frauenhauses in Braunau, das von Gewalt betroffenen Frauen und deren Kindern eine Wohnmöglichkeit und Schutz bieten soll. Nun gab das Land Oberösterreich grünes Licht – am Freitag, 20. Mai, wurde der Spatenstich im Beisein zahlreicher Ehrengäste zelebriert.

In Braunau am Inn kann jetzt mit dem Bau des neuen Frauenhauses begonnen werden. Am Freitag, 20. Mai, ist, in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste, der Spatenstich dafür gesetzt worden. Anlass war der Geburtstag der im November 2021 verstorbenen Landtagsabgeordneten und Vereinsgründerin Renate Mann (SPÖ), die zwölf Jahre ihr Herzblut in das Projekt steckte und die Endphase ihres Herzensprojektes nicht mehr miterleben kann. „Leider ist es ihr nicht mehr gegönnt gewesen, den Endspurt mitzuerleben“, bedauert Inge Angerer vom Verein Frauenhaus Braunau. Ihr zu Ehren wird das erste Frauenhaus in Braunau den Namen „Renate Mann Frauenhaus“ tragen.

Erschreckende Zahlen

„Elf Frauenmorde und 16 Mordversuche seit Beginn dieses Jahres zeigen, dass massivste Gewalt gegen Frauen in Österreich leider zum Alltag gehört. Die fünf Frauenhäuser in Oberösterreich sind seit Jahren zu fast 100 Prozent ausgelastet, diese oft lebensrettenden Plätze werden daher dringendst benötigt“, sagt Landtagsabgeordnete und Bezirksvorsitzende Gabriele Knauseder (SPÖ). Sie bedauert ebenfalls, dass die Gründerin des Vereins „Frauenhaus Braunau“ den Baustart nicht mehr miterleben kann. „Renate Mann hat für dieses Frauenhaus jahrelang wie eine Löwin gekämpft, dass sie so kurz vor ihrem großen Ziel aus dem Leben gerissen worden ist und diesen Tag leider nicht miterleben kann, trübt natürlich meine Freude.“

Nach mehr als zwölf Jahren Kampf

Knauseder betont, dass mit dem Bau des Frauenhauses endlich der dringend benötigte Schutz für Frauen und deren Kinder nun auch in Braunau gewährleistet werden kann. Die nächstgelegenen Unterkunftsmöglichkeiten für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen sind bis dato in Ried im Innkreis und Wels. In Braunau hatten betroffene Frauen lediglich die Möglichkeit, in der Frauenübergangswohnung unterzukommen. Diese Einrichtung wurde im Jahr 2013 vom Verein „Frau für Frau“ in Braunau gegründet. Auch SPÖ-Frauensprecherin Renate Heitz richtet Erinnerungsworte an die kürzlich verstorbene Landtagsabgeordnete: „Es ist ein Spatenstich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Dass der Termin für den Spatenstich auf ihren Geburtstag, den sie heute feiern würde, gelegt wurde, ist ein schönes Zeichen der Wertschätzung und Anerkennung. Braunau bekommt ein modernes Frauenhaus, das höchsten Sicherheitsstandards entspricht. Für gewaltbetroffene Frauen in der Region ist dies ein enorm wichtiges Schutzangebot.“

Weitere Schutzangebote

Das Frauenhaus Braunau wird Schutzsuchenden künftig noch mehr Platz bieten: eine Wohnmöglichkeit für bis zu sechs Frauen und deren Kinder, die Gewalt durch Angehörige ausgesetzt sind. Die SPÖ fordert den weiteren raschen Ausbau von Gewaltschutzangeboten in ganz Oberösterreich: „Es braucht endlich ein umfassendes Maßnahmenpaket. Dazu gehören eine verstärkte Förderung und Finanzierung der Frauenberatungsstellen, die Umsetzung und Finanzierung des im Arbeitsprogramm festgelegten Ausbaus von Frauenübergangswohnungen. Außerdem brauchen wir dringend frauenspezifische Maßnahmen im Bereich Cyber-Mobbing und Hass-Postings und den Ausbau von Unterstützungsangeboten für Frauen, die von sexueller Belästigung betroffen sind“, sind sich Knauseder und Heitz einig. Auch Frauenreferentin LH-Stellvertreterin Christine Haberlander sieht eine besondere Notwendigkeit weiterer Schutzangebote: „Gerade in unsicheren Zeiten ist es entscheidend, im Land, in der Region Sicherheit zu geben – das tun wir, indem wir im Rahmen des Oberösterreich Plans auch die Anzahl der Frauenhäuser konsequent ausbauen. In diesem Jahr können wir den Spatenstich in Braunau feiern. Ziel ist es, ein möglichst regionales Angebot zu schaffen, um eine umfassende Hilfe und Unterstützung sowie einen sicheren Zufluchtsort für Frauen und Kinder zu bieten.“

„Es kann jede treffen“

Auch Braunaus Bürgermeister Johannes Waidbacher (ÖVP) bedauert die erschreckend hohen Gewaltzahlen in Österreich und speziell in Braunau: „Die Zahlen sind erschreckend und alarmierend. Gewalt an Frauen hat keinen Platz.“ Vereinsmitglied Inge Angerer betont, dass es alle treffen kann und in diesem Fall eine derartige Schutzeinrichtung lebensrettend sein könnte. „Gewalt kann jede Frau treffen. Wenn Frauen und Kinder zu Hause von Gewalt bedroht sind, können sie Zuflucht in Frauenhäusern suchen“, betont auch Haberlander. Wenn alles gut geht, soll dasFrauenhaus in Braunau in einem Jahr eröffnet werden.

Hilfe für Frauen

Frauen, die stark belastende oder gewalttätige Beziehungssituationen durchmachen, können sich auch anonym, kostenlos und 24 Stunden, 365 Tage im Jahr unter der Telefonnummer 0800/7222555 an den Frauennotruf wenden. Informationen zur Frauenübergangswohnung gibt es bei der Frauenberatungsstelle „Frau für Frau“ auf der Homepage www.fraufuerfrau.at oder direkt in der Einrichtung am Stadtplatz 6/1 in Braunau.

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Kommentare

  1. Andreas M.
    Andreas M.25.05.2022 18:12 Uhr

    Haus der Verantwortung in Braunau am Inn - Gratulation! Und Respekt für Eure Hartnäckigkeit.



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