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Nachhaltige Hausschuhe aus Waldgras: Höhnharterin lässt altes Handwerk aufleben

Sabrina Antlinger, 02.02.2026 12:31

HÖHNHART/ZELL AN DER PRAM. Waldgras, Kraft in den Fingern und etwa zehn Stunden Zeit: Mehr braucht Sonja Spießberger nicht, um ein Paar ihrer Raschpatschen – Hausschuhe aus Gras – nach alter Handwerkstechnik anzufertigen. Wie genau das gemacht wird, lehrt die leidenschaftliche Kunsthandwerkerin aus Höhnhart Kursteilnehmern bei den Kreativ-Werk-Tagen im Schloss Zell an der Pram von 28. Februar bis 1. März.

Sonja Spießberger gibt altes Handwerk weiter. (Foto: Sonja Spießberger)
  1 / 4   Sonja Spießberger gibt altes Handwerk weiter. (Foto: Sonja Spießberger)

In den Sommermonaten geht Sonja Spießberger regelmäßig mit einem alten Tuchentüberzug über der Schulter und einem scharfen Messer in der Hand zum Grasernten in den Wald. Die 48-Jährige kennt die gewissen feuchten und schattigen Platzerl, an denen das Waldgras besonders gut wächst, und an denen sie mit Erlaubnis der Waldbesitzer das Gras aus der Gattung der Segge büschelweise abschneiden darf. Knie- bis hüfthoch muss es sein, damit Sonja Spießberger es für ihre Zwecke verwenden kann. Auf einem alten Heuboden breitet die Kunsthandwerkerin die Grasbüschel fein säuberlich zum Trocknen auf – ein Prozess, der einige Tage in Anspruch nimmt.

Schon Tausende Patschen genäht

Früher, als die Leute wenig bis nichts hatten, besann man sich mit großer Selbstverständlichkeit auf das, was die Natur vor der Haustür hergab, und machte aus der Not eine Tugend. So braucht es für die Raschpatschen nicht viel: Sie können mit einfachen, günstigen Naturmaterialien und mit etwas handwerklichem Geschick angefertigt werden.

„Ich selbst habe diese alte Handwerkstechnik vor vielen Jahren in der Naturschule St. Veit im Innkreis kennengelernt und war sofort begeistert. Die Patschen sind so klass‘ zum Tragen und nachhaltig sind sie auch, das taugt mir“, sagt Sonja Spießberger, die 2017 ihr Hobby zum Beruf gemacht und in der Zeit schon Tausende Patschen in Handarbeit hergestellt hat. „Lernen durch Tun“ lautete dabei ihr Devise, und so hat sie die Pantoffelform im Laufe der Jahre weiterentwickelt und noch alltagstauglicher gemacht.

Eine Wohltat für die Füße

Für ihre Hausschlapfen flechtet Spießberger das getrocknete Waldgras zu langen Strängen. Acht bis zehn Meter lang sollte ein Strang sein, damit sich ein Paar Raschpatschen ausgeht. Mit einem Baumwollfaden näht sie den Grasstrang schön stramm auf hölzerne Schuhleisten – eine Arbeit, die ganz schön in die Finger geht.

Als Innenfutter verwendet die Höhnharterin gerne farbenfrohe Baumwoll- oder Leinenstoffe. Zu guter Letzt näht sie noch händisch eine Ledersohle auf die Patschen. „Raschpatschen wärmen die Füße schnell, ohne dass man darin schwitzt, denn die verwendeten Naturmaterialien sind atmungsaktiv. Das Flechtwerk an der Sohle fördert außerdem die Durchblutung der Füße“, sagt Sonja Spießberger, die auch Humanenergetikerin und Romanautorin ist.

Und warum heißt es eigentlich Raschpatschen? Spießberger erklärt mit einem Augenzwinkern: „Die Bezeichnung kommt ursprünglich daher, weil das getrocknete Waldgras leise raschelt. Aber mein Schmäh ist, zu sagen: Weil ich in den Raschpatschen schneller geh‘.“

Kreativ-Werk-Tage im Schloss Zell an der Pram

Bei den zweitägigen Kreativ-Werk-Tagen am 28. Februar und 1. März im Schloss Zell an der Pram im Bezirk Schärding geben erfahren Kunsthandwerker ihr Wissen weiter und begleiten Teilnehmende dabei vom ersten Handgriff bis zum fertigen Werkstück.

Auch Spießberger gibt ihr Know-how über das alte Handwerk weiter. „Nach den zwei Tagen geht jeder mit einem Paar Patschen heim – und mit einer großen Wertschätzung für das Handwerk“, verspricht Sonja Spießberger, der es ein Herzensanliegen ist, dass das Raschpatschen-Machen nicht in Vergessenheit gerät.

Kreativ-Werk-Tage im Schloss Zell an der Pram:Samstag, 28. Februar, bis Sonntag, 1. März, jeweils 9 bis 17 Uhr 

Angeboten werden drei verschiedene zweitägige Workshops: 


▪ Raschpatschen – Schuhe aus Gras mit Sonja Spießberger ▪ Einführung in die Kunst des 
Seifensiedens mit Gertraud Schaub▪ Cloisonneé-Emaille – Schmuck 
gestalten mit Feuer und Fantasie mit Mariam Chikava

Anmeldeschluss: 13. Februar
Infos: bildungsschloesser.at/
kreativ-werk-tage-2026


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