Denn das Gute und Frische liegt so nah: Heimisches Gemüse statt Import-Ware

Nora  Heindl Nora Heindl, Tips Redaktion, 17.06.2015 10:00 Uhr

EFERDING. Viele unserer Gemüsearten im Geschäft sind weit gereist: Heurige Erdäpfel aus Ägypten, Knoblauch aus China, Radieschen aus Italien und Süßkartoffeln aus Amerika. Die Bauerngemeinschaft Eferdinger Landl hat sich zum Ziel gesetzt, ausländisches durch frisches Gemüse aus Oberösterreich zu ersetzen.

„Wenn das Gemüse aus dem Ausland kommt, steht “Ursprungsland siehe Etikett„ auf dem Regalschild. Wenn das Produkt aus Österreich kommt, werden Symbole wie rot-weiße-rote Fähnchen platziert – auffällig oft “aus der Region„, “aus Österreich„, “aus der Heimat„ zu lesen. Mit der Regionalität wird Geschäft gemacht. Daher darf Preisdumping nicht auf den Rücken der regionalen Bauern ausgeschlachtet werden“, fordert Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger mehr Klarheit bei der Etikettierung. Er begrüßt zum Saisonstart der heurigen Erdäpfel die Initiativen der Eferdinger Bauerngruppe.

Bewusster Einkauf von Lebensmitteln stärkt die oberösterreichischen Regionen„Am heimischen Gemüsemarkt ist was los. Die heimischen Gemüsebauern liefern die Zutaten für vitaminreiche Gerichte am Speisezettel der Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher“, betont Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger. 

Gemüse liegt im Trend: 113,4 kg essen wir pro Jahr – Tendenz steigend. Mehr als zwei Drittel der Konsumenten wünschen sich bei Lebensmitteln eine regionale Herkunft. Bei Gemüse ist der Importanteil aber sehr hoch: Der Selbstversorgungsgrad liegt nur bei 59 Prozent. Hiegelsberger begrüßt daher jede Initiative, diesen Anteil zu erhöhen: „Die Bäuerinnen und Bauern aus dem Eferdinger Landl sind dabei eine Vorzeigegruppe. Jährlich wachsen auf den Feldern neue Produkte, die Importware ersetzen. Die Landl-Bauern haben es bei Zwiebeln, Karotten und Knoblauch schon bewiesen. Die Versuche mit Radieschen, Süßkartoffel und Stangensellerie sind weitere Meilensteine im oberösterreichischen Gemüseanbau“, freut sich der Landesrat.

Durch einen bewussten Einkauf von Lebensmitteln kann die eigene Region gestärkt werden. „Damit erhöhen wir die Wertschöpfung in Oberösterreich und gewinnen Lebensqualität für uns alle“, wünscht sich Hiegelsberger weitere Initiativen zur Direktvermarktung der Produkte. 

Start der „Heurigen“ nach gutem WitterungsverlaufHagel 2012, Hochwasser 2013, Frost 2014 – die vergangenen Jahre waren für die heimischen Erdäpfelbäuerinnen und -bauern sehr herausfordernd. Das heurige Jahr hingegen hatte bisher einen sehr guten Witterungsverlauf. Daher steht im Geschäft auf dem Regalschild seit Anfang Juni wieder „Junge Eferdinger“ statt „ägyptische Heurige“. Die Erträge sind durchschnittlich, die Qualität sehr gut.

„Der Heurige ist unter den Erdäpfeln eine Spezialität der Eferdinger Erdäpfelbauern. Spezielle Sorten, frühzeitige Pflanzung und das Abdecken mit Vlies oder Folie bewirken einen Erntevorsprung. Dank findiger Landwirte erhält das alte Gemüse ein neues Image“, erklärt Landesrat Hiegelsberger.

„Sauwald-Erdäpfel, Eferdinger Landl-Erdäpfel und die Biomarke Mühlviertler Granitland-Erdäpfel sind nur ein paar Beispiele für den Erdäpfelanbau im Bundesland. “Auf diese Regionalmarken können wir besonders stolz sein„, betont Hiegelsberger. “Regionale Qualität ist bei den Konsumentinnen und Konsumenten auf dem Vormarsch. Durch die Gründung von Regionalmarken steigt besonders der Anbau von Speiseerdäpfeln.„ 

“Diesen Wettbewerbsvorteil nutzen wir. 30 Prozent des Erdäpfel-Umsatzes erzielen wir mit den Jungen Eferdingern„, erklärt Obmann Manfred Schauer weiter. “Im Vergleich zu anderen Kulturen ist die frühreife Ernte von Vorteil, der. Vitamin-C-Gehalt profitiert beispielsweise davon. Heurige sind auch kalorienärmer, weil sie noch etwas mehr Wasser enthalten – gut für die bevorstehende Bikinisaison.„

Erdäpfelmarkt sehr volatil: Saison der niedrigen PreiseDie abgelaufene Erdäpfelsaison war von sehr niedrigen Preisen gekennzeichnet. Der Erzeugerpreis lag bei 10 ct/kg, eine Saison davor bei 26 ct/kg. “Der Erdäpfelmarkt ist sehr volatil. Das Wetter spielt dabei eine große Rolle. Wetterbedingte Mindererträge in den Hauptproduktionsgebieten wie Deutschland oder Osteuropa bewirken eine Preisbelebung„, so Geschäftsführer Ewald Mayr. 

Das Vorjahr war europaweit wetterbedingt optimal und die Erträge sehr hoch, der russische Importstopp hat zu einer angespannten Situation geführt. Der Aktionswahn mancher Handelsketten macht den Erdäpfelbauern Sorgen. “Der September ist der klassische Aktionsmonat. Hier werden Großmengen zu Billigstpreisen verschleudert. Wir merken sehr oft, dass dadurch der Absatz von Premiumware deutlich fällt. Ab November ist der Vorrat aufgebraucht, Erdäpfel werden wieder gekauft„, erklärt Mayr. 

2002 begann die Eferdinger Bauerngruppe mit der Belieferung der Handelsketten, bis 2012 konnte der Umsatz auf 1,85 Mio. Euro gesteigert werden – mit jährlich zweistelligen Zuwachsraten. 2013 und 2014 waren sehr herausfordernde Jahre. Im Vorjahr machte der Umsatz 1,51 Mio. Euro aus.

Betrachtet man jedoch die Absatzmengen, zeigt sich die erfolgreiche Entwicklung: 3,8 Mio. kg Erdäpfel wanderten über den Ladentisch, ein Jahr davor waren es nur 3,2 Mio. kg. 12 Prozent aller in den oberösterreichischen Handelsketten vermarkteten Erdäpfel waren aus dem Eferdinger Landl. 

Der Anteil von Landl-Gemüse am Gesamtumsatz betrug im Vorjahr 7,9 Prozent. Hier soll heuer durch die neuen Gemüsekulturen die 10-Prozent-Marke übersprungen werden. Für die kommende Saison erwarten sich die Eferdinger einen deutlichen Umsatzsprung. “Wir liegen derzeit um 80 Prozent über dem Vorjahr. Daher werden wir die 2-Mio.-Euro-Umsatzgrenze überschreiten„, ist Mayr optimistisch.

Heimische Ware ersetzt Import-Gemüse: Eferdinger Land-Bauern verkürzen die ReiseAuch bei Radieschen verkürzen die Eferdinger Landl-Bauern die Reise. Spanien oder Italien stand meist auf den Etiketten der würzigen Knollen. Geschäftsführer Mayr ist selbst Radieschen-Produzent. “Der Anbau ist mit Handarbeit verbunden. Ernten, Waschen und Bündeln sind sehr personal- und zeitintensive Vorgänge. Auch die Ausfälle sind zu berücksichtigen: Radieschen haben nur zwei Tage Erntefenster. Wenn hier die Ware nicht abgesetzt werden kann, springen die Knollen auf oder werden holzig„, erklärt er. 

Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt bei 0,3 kg. Die größten Radieschen-Fans sind die Franzosen. Dort liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei ca. 2,5 kg/Jahr. 

Frischer Jungknoblauch aus OberösterreichBeim Knoblauch hat die weite Reise von China nach Österreich ebenfalls ein Ende. Er konnte aus Asien nur getrocknet angeboten werden. Der frische Jungknoblauch ist aber viel würziger und durch die fehlende 10.000-km-Reise deutlich vitaminreicher. Auf dieses neue Gemüse setzen die Eferdinger Landl-Bauern.

“Viele Konsumenten kennen den Jungknoblauch nicht. Er wird oft mit dem Jungzwiebel verwechselt„, so Ewald Mayr. Manfred Schauer erklärt die Vorzüge des heimischen Jung-Knoblauchs: “Beim Jungknoblauch kann die gesamte Pflanze und nicht nur die Zehe verwendet werden. Er ist nicht wie der ausländische Knoblauch chemisch gebleicht, er ist von Natur aus leicht rötlich.„ 

Ein Amerikaner soll heimisch werdenIn England und Amerika ist der Stangensellerie ein beliebtes Gemüse. Bei uns ist er noch ein Exot. In den USA wird er gern geknabbert. “Knabbergemüse statt Salzstangerln ist unser Ziel. Die gesunde Alternative bei Gästeeinladungen oder beim Fernsehen – einfach und gesund mit einem Dip„, erklärt Schauer.

Der in Österreich angebotene Stangensellerie kommt zu 90 Prozent aus Italien. Ab Ende Juni wird es den “Eferdinger„ im Regal geben.

Fisolen als Angebot an fleischlose EsserFisolen wachsen in Österreich auf 419 ha, 80 Prozent davon werden als Industriegemüse verarbeitet. Die Eferdinger Landl-Bauern bieten dieses Gemüse jedoch als Frischeware an. Fisolensalat und Fisolengulasch sind die bekanntesten Speisen dieses knackigen Gemüses.

“Die Veganer und Vegetarier nehmen anteilsmäßig zu. Eiweißmangel und Anämie (Blutarmut) sind Folgeerscheinungen. Daher möchten wir mit diesem Gemüse besonders die fleischlosen Esser ansprechen„, erklärt Schauer. 

Auch bei Frischefisolen kommen große Mengen maschinell geernteter Ware aus Italien. “Wir setzen auf Handernte, da die Qualität dadurch wesentlich erhöht wird. Jede mechanische Belastung beeinträchtigt die Zellstruktur und somit den Geschmack„, so Schauer weiter.

Eferding: der nördlichste Anbaupunkt der WeltVor einigen Jahren war die Süßkartoffel nur Insidern bekannt. Mittlerweile erhält man das Gemüse in allen Geschäften. Der Vitaminspender kommt jedoch zu 99 Prozent aus dem Ausland.

Die Süßkartoffel liebt subtropisches Klima und wächst erst ab 18 Grad. Nach einem erfolgreichen Versuch im letzten Jahr werden die Landl-Bauern erstmals diesen Exoten ins Regal bringen. Im Unterschied zu den Erdäpfeln können die Knollen roh gegessen werden. Auch die Blätter sind genießbar. Während der Erdapfel als Zitrone des Nordens viel Vitamin C hat, beinhaltet die Süßkartoffel sehr viel Vitamin A, Vitamin E und Betacarotin. 

Die Süßkartoffel zählt zu den 10 wichtigsten Pflanzen der Welt. Nach Erdäpfel und Maniok liegt sie weltweit auf dem dritten Platz aller Wurzel- und Knollenfrüchte. Die größten Produzenten sind China, Amerika und afrikanische Länder. Eferding wird nun bei Süßkartoffeln der nördlichste Anbaupunkt der Welt. 

Neuer Obmann für Obst- und GemüsebauernDer Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft Ewald Mayr hat eine neue Funktion übernommen:. Der 43-jährige Puppinger tritt als Obmann der oö. Obst- und Gemüsebauern in die Fußstapfen der Gemüsepäpstin Gabi Wild-Obermayr.

Zu seinen Zielen meint Mayr: “Gemüse ist in unserer Ernährung ein sehr wichtiges Lebensmittel. Am Image in unserer Gesellschaft gehört jedoch noch gearbeitet. Wenn man mit Gemüsebauern spricht, die direkt die Gastronomie beliefern, höre ich oft: „Bei der Anlieferung von Gemüse wird der Lehrling geschickt, bei Fleisch kommt der Küchenchef.“ Diese Wertigkeit spiegelt sich auch auf den Speisekarten der Gastronomie. Fleisch bestimmt die Karte. Eine eigene Gemüsekarte sollte jedoch das Ziel sein.„ 

Katharina I. – Oberösterreichs neue “Erdäpfelprinzessin„Oberösterreich hat auch eine neue Erdäpfelprinzessin: Katharina I.: Katharina Auinger schlüpft in die Rolle der neuen Hoheit.

Die 17-jährige Eferdingerin sieht sich als Botschafterin der oberösterreichischen Erdäpfel und will deren Stellenwert in den Küche heben: “Der Wert des Erdapfels in unserer Ernährung wird noch immer unterschätzt. Dieses Graue-Maus-Image im Gemüseregal gehört zu Vergangenheit. Besonders in Oberösterreich sind durch die Gründung von Erzeugergemeinschaften Regionalmarken entstanden, die für den Erdapfel identitätsstiftend sind.„ 

Die 17-Jährige ist Schülerin an der Handelsakademie Eferding. Mit Gemüse kennt sie sich von klein auf aus, ihre Eltern betreiben selbst eine Landwirtschaft. Zu ihren Hobbys gehört das Schuhplatteln. Zu ihren Lieblingsspeisen zählen Erdäpfelnudeln mit Apfelkompott.

 

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