Weltensegler aus Stroheim auf Heimatbesuch
FELDKIRCHEN/STROHEIM. 2010 segelten sie los, um die Welt zu entdecken. Seither haben Claudia (39) und Jürgen (43) Kirchberger vor allem den Norden in seiner ganzen Schönheit erlebt. Ihren Sommerurlaub in der Heimatgemeinde Stroheim nutzen sie etwa, um am 21. Juli beim Wirt in Pesenbach in Feldkirchen über ihre Erlebnisse zu berichten. Im Tips-Interview gaben sie vorweg Einblicke in ihr Leben auf hoher See.

Tips:Wie wird man Weltsegler?
Claudia: Ein Trip mit dem Wohnwagen von Mexiko nach Alaska entlang der Küste vor rund 20 Jahren hat uns das Meer schmackhaft gemacht. Eine Besonderheit von Schiffsreisen ist etwa, dass du immer am schönsten Flecken einer Region ankommst, der Küste.
Jürgen: Für uns ist das Reisen auf dem Segelboot zum Lebensstil geworden. Es ist ein sehr bedachtes Leben im Einklang mit der Natur.
Tips:Was treibt euch an?
Claudia: Wir wollen die Welt kennenlernen und sie nicht nur umrunden. Wir möchten jede angesteuerte Region in ihren Jahreszeiten erleben und die Bewohner kennenlernen. Wir wollten etwa am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet, wenn es in der Arktis zwei Monate finster ist.
Tips:Zieht es andere Segler nicht eher gen Süden?
Claudia: Genauso wie uns anfangs auch. Unser Urziel war immer Patagonien am unteren Ende Südamerikas. Die Instandsetzung unseres Segelboots hat uns dann aber in den Norden verschlagen und spätestens nach einem längeren Aufenthalt in Schweden wir uns klar, dass wir mehr davon sehen wollten.
Jürgen: Das wilde, raue hat uns vom ersten Moment an begeistert. Natürlich ist man auch technisch anders gefordert.
Tips:In eurem Vortrag berichtet ihr über die Nordwest Passage. Was macht diese so besonders?
Jürgen: Die Durchfahrt der Nordwest Passage ist für Bootsleute das Gleiche, wie die Besteigung des Mount Everest für einen Bergsteiger. Nördlich von Amerika verlaufend verbindet sie den Atlantik mit dem Pazifik. Das Besondere ist, dass noch sehr wenigen Schiffen die Durchquerung gelungen ist. 1903 wurde die Passage erstmals besegelt. Seither waren wir das 195ste Schiff und die zweiten Österreicher.
Claudia: Man muss die Strecke zeitlich genau durchplanen, um es in einem Jahr zu schaffen. Friert einen das Packeis ein, muss man dort überwintern.
Tips:Euer Schiff liegt derzeit in Neuseeland. Mitte August geht es weiter. Wohin führt die Reise?
Claudia: Nach der Arktis möchten wir jetzt auch die Antarktis sehen. Dabei steuern wir auch unser Urziel, Patagonien, an.
Jürgen: Bis nach Patagonien sind es allerdings 8000 Kilometer durch schweres Seegebiet.
Claudia: Wir sind uns dem Risiko aber immer bewusst und informieren uns vorab sehr genau über Route, Region und natürlich das Wetter. Blauäugig darf man in so ein Gebiet nicht segeln.
Tips:Seid ihr immer nur zu zweit unterwegs?
Claudia: Unser Boot ist nicht für mehr Passagiere ausgelegt und wir auch nicht. Das Leben miteinander auf engstem Raum ist für uns leichter als vorher der normale Arbeitsalltag.
Jürgen: Bei uns ist keiner der Kapitän. Jeder trägt seinen Teil bei. Claudia ist eher Ruhepol und Chaot, ich bin eher der Planer, gerne aber auch mal etwas hyperaktiv. Wir treiben uns gegenseitig vorwärts.
Claudia: Es macht uns gemeinsam einfach unglaublich Spaß Außergewöhnliches zu erleben.
Tips:Seit 2010 wart ihr einmal für ein Monat zuhause, jetzt für drei Monate. Wie ist es für euch wieder in Österreich zu sein?
Jürgen: Wir haben wirklich viel von der Welt gesehen und sind uns immer noch einig, dass Österreich zu den schönsten Flecken der Erde gehört.
Tips:Wie nutzt ihr die Zeit?
Claudia: Neben dem Besuch von Familie und Freunden nehmen wir einige Reparaturen an unserem Bauernhaus in Stroheim vor. Immerhin sind die darin vermieteten Wohnungen, neben den von mir geschriebenen Büchern über die Reise, eine wichtige Einnahmequelle.
Tips:Gibt es etwas was ihr unterwegs besonders vermisst?
Claudia: Die Obstbäume und den Gemüsegarten. Du bekommst einfach nirgends die Qualität aus dem eigenen Garten.
Jürgen: Das Herumschrauben in einer großen Werkstatt.
Claudia: Und die kulturelle Vielfalt, die Österreich beziehungsweise Europa zu bieten haben.
Vortrag „2 Jahre Arktis – Ein Winter in Grönland und das Segelabenteuer Nordwest Passage“
Donnerstag, 21. Juli, 19 Uhr, Wirt in Pesenbach, Feldkirchen/D.
Eintritt: Freiwillige Spende


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