HUAk-Kommandant Nikolaus Egger: „25 Jahre sind ein Anlass, Danke zu sagen“
ENNS. Mit einem Festakt feiert die Heeresunteroffiziersakademie am Freitag, 9. Oktober, ihr 25 Jahr-Jubiläum. Tips traf Kommandant Brigadier Nikolaus Egger zum Interview.

Tips:Herr Brigadier, Sie sind Tiroler und waren vor Ihrer Tätigkeit als Kommandant der HUAk Verteidigungsattaché in Israel und Zypern. Warum haben Sie sich 2012 entschieden, die HUAk zu leiten?
Egger: Ich war von 2008 bis 2012 Verteidigungsattaché. Der Gedanke, die HUAk zu übernahmen, kam schon vorher. Ich bin mit der Truppe aufgewachsen. Der Dienst in Israel und Zypern war ein militärdiplomatischer. Ich hatte immer mit den Unteroffizieren zu tun – in der Miliz und als Kommandant im In- und Ausland – und war immer von den Unteroffizieren begeistert. Daher habe ich mir gedacht, ich könnte ein Stück meiner beruflichen Lebenserfahrung zurückgeben, und habe mich daher um diese Aufgabe beworben.
Tips:Pendeln Sie am Wochenende nach Tirol?
Egger:Ja. Das ist manchmal ein bisschen anstrengend, aber man gewöhnt sich dran. Man hat unter der Woche genug Zeit zum Arbeiten. Meine Frau hat gesagt, dass ich am Wochenende dafür nichts arbeiten darf. Sie kommt auch manchmal nach Enns.
Tips:Mit Beginn der Unteroffizierslehrgänge (UOLG) wurde im Oktober 1995 die Heeresunteroffiziersschule zur Heeresunteroffiziersakademie aufgewertet. Was hat sich seit dem von der Infrastruktur und von der Ausbildung her verändert?
Egger: Es war ein sehr guter und richtiger Schritt, aus einer Schule eine Akademie zu machen. Man hat sich wie die Offiziersausbildung auf eine Akademiebasis gestellt. Das war ein Anerkennungszeichen für die Unteroffiziere. An der HUAk bieten wir eine allgemeine Führungsausbildung für Unteroffiziere an mit Themenbereichen wie Ausbildungsverhalten, Führungsverhalten, Ausbildungsmethodik, Ethikausbildung, Fremdsprachen und Rechtsausbildung. Die Ausbildung der Unteroffiziere hat eine wesentliche Qualitätssteigerung erlebt. Das hat sich auch in den Arbeitskräften niedergeschlagen. Für das Kaderpersonal sind durch den Umstieg höherwertige Arbeitsplätze entstanden. Dadurch bekommt man auch höherqualifiziertes Personal. In der Infrastruktur haben wir in der letzten Zeit sehr viel geschaffen. Die Qualität der Unterkünfte wurde – leider auf Kosten der Quantität – erhöht. Der Andrang ist so groß, dass wir gewisse Kurse zur Truppe auslagern müssen. Wir haben auch eine wunderbare neue Sporthalle bekommen und ein neues Wachgebäude. Die Räume wurden klimatisiert, die Lehrsäle verbessert.
Tips:Sind auch Themen wie Cyberwar oder Cyberkriminalität ein Thema bei der Ausbildung?
Egger: Hier an der HUAk nicht. Wir bieten hier in Enns wie gesagt die allgemeine Führungsausbildung für Unteroffiziere an. Für Themen wie Cyberabwehr gibt es eigene Fachschulen.
Tips:Ist die Ausbildung an der HUAk hauptsächlich theoretisch?
Egger: Nein. Die allgemeine Führungsausbildung ist eine praktische Ausbildung. Man lernt hier, eine Gruppe zu führen und was man bei der Befehlsgebung sowie in der zwischenmenschlichen Beziehung beachten muss. Für die Feinheiten muss man später eine Fachausbildung machen. Bei uns lernt ein Unteroffizier also bildlich gesprochen den Maurerberuf, und draußen lernt er dann den Feinverputz. Wenn ein Unteroffizier uns verlässt, soll er einerseits Kommandant als auch Ausbildner sein.
Tips:Wie viel Prozent schaffen die Ausbildung nicht?
Egger: Die Ausbildung besteht aus drei Teilen: Der erste Teil ist draußen bei der Truppe, wo es eine Ausfallquote von rund 20 Prozent gibt. Bei uns an der HUAk – also im letzten Abschnitt – sind es um die acht Prozent. Es scheidet also gut ein Drittel aus. Ein bisschen anders ist es bei der höheren Unteroffiziersausbildung – der Stabsunteroffiziersausbildung. Wir nennen diese jetzt Kaderausbildung 4. Dort scheiden maximal drei Prozent aus.
Tips:Wer sind die wichtigsten Partner der HUAk?
Egger: Man muss zwischen der Ausbildung und anderen Partnern unterscheiden. Partner sind zum einen die Waffen- und Fachschulen. Nach der allgemeinen Ausbildung gibt es zum Beispiel die Jägerausbildung, die Pionierausbildung oder die Fernmeldeausbildung. Der Andrang zur HUAk ist so groß, dass wir aufgrund der Infrastruktur hier gar nicht alle ausbilden können. Die Ausbildung passiert daher bei den Lehrkompanien in der Truppe draußen. Im Ministerium gibt es die Gruppe Ausbildungswesen, die die Grundlagen vorgibt. Ganz wichtig und neu ist der sogenannte Wirkungsverbund, der aus der Landesverteidigungsakademie, der Militärakademie und der HUAk besteht. Jede Akademie hat ihre eigenen Aufgaben, aber wir erarbeiten gemeinsam Grundsatzproblematiken, die für alle gelten. Ein wichtiger Partner ist auch das Militärkommando. International – in Deutschland und in der Schweiz - haben wir auch wichtige Partner. Wir tauschen uns mit Erfahrungswerten aus, schicken Ausbildner hinaus oder es kommen welche aus dem Ausland zu uns. Manchmal fährt auch eine Klasse für eine Woche nach Deutschland. Partnerschaften haben wir drei: zum einen mit der Stadt Enns, die uns die Stadthalle oder den Stadtplatz zur Verfügung stellt, und mit der Ennskraft. Mit der Ennskraft tauschen wir uns auf der Führungsebene aus. Wir machen für sie auch Führungsseminare, zeigen ihnen, wie man Kraftwerke bewacht, und beraten sie über ihre sensiblen Punkte. Die Ennskraft sieht umgekehrt, was im Ernstfall passieren könnte. Ganz neu ist die dritte Partnerschaft mit der Österreichischen Unteroffiziersgesellschaft.
Tips:Es wurden Soldaten bei Covid 19-Teststationen eingezogen. Hat das auch die HUAk betroffen?
Egger: Ja, wir stellen immer noch Soldaten ab. Einige Soldaten sind bei der Bezirkshauptmannschaft Perg, wo sie Contact Tracing betreiben. Wir haben auch Soldaten ans Militärkommando Oberösterreich abgestellt, wo sie Grenzkontrollen mit Fiebermessen etc. durchführten. Die HUAk-Soldaten haben auch in Hörsching die beiden Flugzeuge ausgeladen, die die Schutzausrüstung gebracht haben. Auch Teile des Kaderpersonals haben ausgeholfen.
Tips:Die Ausbildung leidet aber nicht darunter?
Egger: Die Ausbildung war unterbrochen. Jetzt stellen wir nur mehr wenige Soldaten ab, sodass die Ausbildung nicht darunter leidet.
Tips:Man hört oft davon, dass das österreichische Bundesheer unter Einsparungen leidet. Ist die HUAk, da Sie Unteroffiziere als das Rückgrat der Armee bezeichnen, besonders betroffen?
Egger: Kritik an der Politik wird von uns Soldaten eigentlich nicht getragen. Seit vielen Jahren ist das Bundesheer von Einsparungen betroffen. Diese wirken sich auch auf uns aus. Hauptsächlich ist die Mobilität betroffen. Der Fuhrpark ist zu klein, meistens älter als die Kraftfahrer und wird wie durch ein Wunder noch bewegt. Die Beweglichkeit lässt sich mit anmietbaren Bussen kontrollieren. Das Fehlen einsatzbereiter Fahrzeuge wirkt sich auf die realitätsnahe Ausbildung aus. Mit alten Fahrzeugen kann man gewisse Einsätze nicht so gut trainieren. Es gibt auch Einschränkungen bei der Munition. Im Großen und Ganzen ist die Ausbildung bei uns aber gut machbar, da wir kein teures Equipment benötigen.
Tips:Was sind die zukünftigen Pläne für die HUAk?
Egger: Ich glaube nicht, dass es eine grundsätzliche Veränderung gibt. Die HUAk ist gut eingebettet in die Militärhochschule (Landesverteidigungsakademie, Militärakademie und Heeresunteroffiziersakademie). Wir arbeiten an der Aneignungsdidaktik und am Nationalen Qualifikationsrahmen. Das heißt, dass der Beruf des Unteroffiziers mit zivilen Berufen verglichen wird. Wir wollen bis zur Meisterklasse kommen. Die höheren Unteroffiziere werden dann einem Meister gleichgestellt sein. Ganz besonders verdiente Unteroffiziere sollen besondere Dienststellen bekommen können. Das alles betrifft mich aber nur mehr bis Ende Mai 2021, weil ich dann in Pension gehe.
Tips:Was ist bei der 25 Jahr-Feier zu erwarten?
Egger: 25 Jahre sind ein Anlass, Danke zu sagen. Wir haben auch eine Festschrift verfasst. Wegen Corona fällt der Tag der offenen Tür aus. Der Festakt findet aber statt.


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