"Tipsi" stellt diesmal den windschlüpfrigen Mauersegler vor
REGION ENNS. Im Monat Juli wird ein außergewöhnlicher Vogel präsentiert: der Mauersegler.

Ihr Leben vergeht wie im Flug? Dann sind sie ein Seelenverwandter vom Mauersegler, bei dem sich fast das ganze Leben im Flug abspielt. Er verbringt außerhalb der Brutzeit bis zu zehn Monate im Jahr ohne Unterbrechung in der Luft. Er schläft im Fliegen, sogar die Verpaarung kann im freien Fall stattfinden und Insekten sucht und fängt er ausschließlich in der Luft. Er schafft im Sturzflug bis zu 200 km/h, im Energiesparmodus ist er mit zirka 30 km/h unterwegs.
Ein Auge für Antikes
Der Mauersegler überwintert in Afrika südlich des Äquators und trifft so Anfang Mai bei uns ein. Als Brutplatz bevorzugt er Antikes. Eine Spechthöhle in einem hundertjährigen Baum würde durchaus genutzt, in Gegenden Finnlands und Russlands gibt“s das auch so, aber bei uns zieht“s ihn zu alten Gemäuern hin. Wer jetzt bei der St. Valentiner Kirche unterwegs ist, oder Enns und die Altstadt rund um den Stadtturm besucht, der sieht die aerodynamische Silhouette der Mauersegler am Himmel und hört ihre markanten „Srihh, srihh“ Rufe. Man könnte meinen, sie hätten einen siebten Sinn für Sehenswürdigkeiten.
Dem Wetter entgehen
Unglaublich ist, dass Mauersegler auch während der Brutzeit schlechtem Wetter ausweichen können und erst nach 1000 bis 2000 Kilometern im Uhrzeigersinn rund um das Tief zurück kehren. Die Jungen überdauern die Wartezeit in einer Art Hungerstarre. Die Körperfunktionen werden auf ein Minimum herunter gefahren. Nestlinge können so ein bis zwei Wochen ohne Nahrung überdauern. Nestlinge machen auch mit ihren Flügeln vor dem Ausfliegen eine Art „Liegestütze“ um für das Leben im Flug gerüstet zu sein. Segelfliegerpiloten achten auch auf die Mauersegler. Wo ihre Schwärme in hoher Höhe jagen, da herrscht optimale Thermik. Mauersegler scheinen meteorologisch sehr begabt zu sein, aber natürlich folgen auch sie den Insekten, bei aufsteigender Thermik oft bis zu etwa 3000 Meter Seehöhe. Achten Sie in den nächsten Tagen auf die Mauersegler, denn Ende Juli sind sie vielleicht schon wieder Richtung Afrika unterwegs.


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