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ENNS. Während Corona hat Landeshauptmann-Stellvertreterin Christine Haberlander (ÖVP) alle Hände voll zu tun. Für Tips nahm sich die Bildungs- und Gesundheits-Landesrätin dennoch Zeit zum Interview.

Landeshauptmann-Stellvertreterin Christine Haberlander stand Tips Rede und Antwort. Die Corona-Krise war natürlich das beherrschende Thema. Foto: Land OÖ/Stinglmayr

Tips: In der Corona-Zeit waren viele Betriebe von Kurzarbeit betroffen. Bei Ihnen als Bildungs- und Gesundheits-Landesrätin war wahrscheinlich das Gegenteil der Fall?

Haberlander: Ja. Bei uns war die Arbeit sogar intensiver als in anderen Jahreszeiten. Wir waren von Anfang März weg sieben Tage die Woche im Krisenstab im Landhaus stationiert. Normalerweise mache ich Termine in ganz Oberösterreich. Das ist zur Gänze weggefallen. Man war die ganze Zeit an einem Ort und nur mit einem Thema beschäftigt.

Tips:Gab es in Ihren Ressorts Home-Office?

Haberlander: Meine Mitarbeiter waren alle im Landhaus. Gerade die Gesundheitsabteilung und mein Büro waren intensiv gefordert.

Tips:Österreich und auch andere Länder wirkten vom Virus überrumpelt. Hat es keinen Masterplan für solche Fälle gegeben?

Haberlander: Man muss unterschiedliche Szenarien auseinanderhalten. Grundsätzlich gibt es einen Pandemieplan, den der Bund und auch die Bundesländer haben. Dort steht drinnen, wie mit einer Pandemie, sobald sie ausgerufen wird, umzugehen ist. Die Corona-Pandemie hat eine Intensität entwickelt, die für die ganze Welt unvorhersehbar war. Es gab kein Land, das verschont wurde. Ende Jänner sind die ersten offiziellen Daten aus China gekommen und eineinhalb Monate später war das Virus schon im Herzen Europas.

Tips:Mit bisher 700 Toten ist die Pandemie in Österreich im Gegensatz zu anderen Ländern noch glimpflich über die Bühne gegangen.

Haberlander: Jeder Verstorbene ist zu beklagen. Wir haben noch die schrecklichen Bilder aus der Lombardei oder aus Frankreich im Kopf. Menschen sind zum Sterben in Pflegeheimen allein gelassen worden. Auch aus Amerika hört man furchtbare Dinge, wo sich Pfleger aus Gesundheitseinrichtungen zurückziehen. Unsere Behörden hatten einen guten Austausch mit den Behörden in Südtirol, weil man sich gut kennt. Deswegen wusste man, wie sich die Krankheit auswirkt und wie man Fehler vermeiden kann. Wir haben geschaut, dass die Zusammenarbeit zwischen Pflegeheimen und Krankenhäusern gut läuft und dass wir Betten freihalten für Corona-Erkrankte. Wir haben auch viel mehr Intensivbetten als andere Länder. Einer der Erfolgsfaktoren war, dass wir immer ins Gesundheitssystem investiert und daher eine gute Grundversorgung haben, was in anderen Ländern nicht der Fall ist.

Tips:Die Maßnahmen wie der Lockdown oder die Maskenpflicht waren also richtig?

Haberlander: Die Maßnahmen waren richtig, aber auch die Grundinfrastruktur in den Krankenhäusern. Wir sind oft dafür kritisiert worden, zu viele Betten zu haben. Jetzt hat man gesehen, dass das notwendig ist.

Tips:Werden Sie als Gesundheits-Landesrätin manchmal wegen der Corona-Maßnahmen persönlich angefeindet?

Haberlander: Manchmal werde ich auf der Straße angesprochen. Ich finde es gut, wenn man nicht im Schutz der Anonymität im Internet einen Kommentar hinterlässt, sondern mir schreibt, mich anruft oder mich anspricht. Ich bin überzeugt, dass man nur durch direktes Feedback besser werden kann. Gleichzeitig gibt das die Möglichkeit, etwas zu erklären und auf Sorgen einzugehen. Wenn man zum Beispiel erklären kann, warum die Maske wichtig ist, habe ich das Gefühl, dass aus dem Gespräch eine positive Begegnung geworden ist.

Tips:Weiß man schon, wann es einen Impfstoff geben wird?

Haberlander: Es wird intensiv daran geforscht. In Amerika gab es eine Meldung, dass mit Herbst damit gerechnet wird. Meine Experten sagen mir, dass nicht vor dem nächsten Frühjahr oder Sommer ein verlässlicher und verträglicher Impfstoff auf den Markt kommt. Folglich müssen wir lernen, mit dem Virus zu leben und uns auch an die Regeln zu halten, damit es nicht zu unkontrollierten Ausbrüchen kommt.

Tips:Werden im September die Schulen und Kindergärten wieder normal öffnen?

Haberlander: Das ist der Wunsch des Bildungsministers und auch meiner. Ein normaler Schul- und Kindergartenstart ist das Ziel. Der Bund arbeitet gerade an einem Ampel-System. Ich gehe davon aus, dass man in allen Bereichen von Vollbetrieb ausgeht. Jetzt warten wir erst einmal ab, wann es der Bund vorlegt und was es enthält. Ich schätze, dass das in den nächsten zwei Wochen der Fall sein wird.


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