Der neue Heimatfilm: Preise beim 34. Filmfestival Freistadt vergeben
FREISTADT. Der Spielfilmpreis beim Filmfestival Freistadt „Der neue Heimatfilm“ ging an den iranischen Film „Ballade von der weißen Kuh“ von Behtash Sanaeeha und Maryam Moghaddam. Der Dokumentarfilmpreis wurde an „As I want“ von Samaher Alqadi verliehen und der Preis der Jugendjury an den kanadischen Spielfilm „Beans“ von Tracey Deer.

Die Jury begründete den mit 2.500 Euro dotierten Spielfilmpreis für Behtash Sanaeeha und Maryam Moghaddam: „Der Film überzeugt nicht nur durch seine politischen Implikationen, sondern auch durch die Kameraarbeit, die den gesellschaftlichen Stillstand und die eingeschränkten Möglichkeiten der Frauen im Iran in adäquate Bilder übersetzt und Form und Inhalt in Einklang bringt.“ Sanaeeha und Moghaddam, die auch die Hauptrolle spielt, zeigen in ihrem Film eine Frau, die den Kampf gegen das System aufnimmt, als ihr Mann unschuldig hingerichtet wird.
Erstmal Jugendjurypreis verliehen
Der kanadischen Produktion “Beans“ von Tracey Deer sprach die Jury eine lobende Erwähnung aus. Der Film wurde auch mit dem erstmals mit 1000 Euro dotierten Jugendjurypreis des Festivals ausgezeichnet. Der Film spielt während der Oka-Krise, mehrwöchigen gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Mohawk und kanadischer Polizei im Jahr 1990, und zeigt das Geschehen durch die Augen einer Zwölfjährigen.
Dokumentarfilmpreis
Die internationale Koproduktion „As I want“ von Samaher Alqadi wurde mit dem mit 1500 Euro dotierten Dokumentarfilmpreis der Stadt Freistadt ausgezeichnet. Alqadis Film ist eine sehr persönliche, aber auch hochpolitische Auseinandersetzung mit individueller Emanzipation und kollektiven Befreiungsprozessen von Frauen in der arabischen Welt. Die Jury hebt in ihrer Begründung den persönlichen Einsatz der Regisseurin hervor: „Trotz verbaler und sexueller Übergriffe stellt sie sich gemeinsam mit anderen Frauen den Mechanismen der Unterdrückung entgegen.“
Lobende Erwähnungen und Würdigungspreis
Lobende Erwähnungen wurden „School of Hope“ von Mohamed El Aboudi und „Tobi Színei“ von Alexa Bakony ausgesprochen. Der Würdigungspreis der Stadt Freistadt wurde Massimiliano de Serio überreicht. Der Turiner Filmemacher und sein Zwillingsbruder Gianluca sind mit ihren vielfach ausgezeichneten Spiel- und Dokumentarfilmen, die oft den Fokus auf Menschen an den Rändern der Gesellschaft legen, seit vielen Jahren regelmäßig in Freistadt zu Gast. Ihr aktueller Film „Spaccapietre - una promessa“, ihr erster Spielfilm seit neun Jahren, wurde bei der diesjährigen Festivalausgabe gezeigt.
Mit rund 3000 Besucher kann das Festival an die Zahlen vor der Pandemie anschließen. „Nicht immer siegt die Angst über die Neugierde und das Leben“, sagt Festivaldirektor Wolfgang Steininger zum Abschluss. Insgesamt werden rund 50 Filme im Rahmen des fünftägigen Festivals gezeigt. Das 35. internationale Freistädter Festival „Der Neue Heimatfilm“ findet von 24. bis 28. August 2022 statt.


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