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BEZIRK FREISTADT. Drei Jahrzehnte ist es her, dass radioaktive Strahlung aus dem havarierten ukrainischen Kernkraftwerk Tschernobyl auch in unserer Region niederging. Ungläubigkeit und Verunsicherung prägten in den Tagen und Wochen nach der, zunächst von der Ukraine verschwiegenen, Katastrophe die Stimmung.

Daran erinnern sich sicher viele, die 1986 noch klein waren: Sandspielen war wegen der herabregnenden Radioaktivität zu gefährlich. Foto: Greindl

Die Tage nach der Reaktorkatastrophe sind Tips-Redakteurin Claudia Greindl, damals 14 Jahre alt, noch in bester Erinnerung: „Der Frühling war in Hochform, alles hat gegrünt und geblüht. Ich erinnere mich, dass ich völlig perplex durch den Garten gegangen bin und einfach nicht glauben konnte, dass etwas passiert war.“ Alles war wie immer – und doch brachten Wind und Regen den radioaktiven Fallout aus Tschernobyl zu uns. Niemand wusste genau, was wie stark belastet war, wie stark überhaupt etwas belastet sein durfte, wie viel Radioaktivität noch kommen würde und was zu tun sei. Die unsichtbare Gefahr verunsicherte die Menschen sehr. Als Sicherheitsmaßnahmen wurde keine Frischmilch mehr getrunken, das erste Grün im Garten blieb stehen, Kinder durften nicht mehr im Freien, besonders nicht in der Sandkiste, spielen, Fußballspiele wurden abgesagt, bei Regen stellte man sich unter und in den Apotheken wurden vermehrt Jodtabletten verlangt. Auch wenn Tschernobyl seither nicht mehr vordergründig präsent ist, hat das Reaktorunglück das Leben in der Region nachhaltig geprägt.

GEDENKEN: Das Anti Atom Komitee erinnert gemeinsam mit den Pfadfindern und den Blaulichtorganisationen in einer Gedenkveranstaltung am Montag, dem 25. April um 20 Uhr auf dem Freistädter Hauptplatz an das Reaktorunglück von Tschernobyl.

Die Katastrophe bleibt unvergessen

Fast jeder, der 1986 schon ein paar Jahre alt war, kann sich an den Atomunfall in Tschernobyl erinnern. Viele in der Region wissen noch ganz genau, was sie an diesem Tag vor 30 Jahren getan haben. Tips hat sich umgehört.

„Ich erinnere mich, dass eine zeitlang die Milch auf Strahlenbelastung untersucht worden ist. Die Grenzwerte sind aber nie erreicht oder überschritten worden. Wir leben ja in einem Gebiet, in dem die natürliche Strahlung aus dem Urgestein höher ist als anderswo. Große Sorgen haben wir uns daher nicht gemacht.« Josef Greindl Sen., Schönau

„Ich kann mich noch genau erinnern. An dem Tag hat die Sonne gescheint und wir waren im Garten, als wir es erfahren haben. Die Tage danach im Kindergarten waren schlimm. Es war ein beklemmendes Gefühl. Die Kinder durften nicht rausgehen und ihnen das zu vermitteln war schwierig, weil es nicht greifbar war.« Maria Pointner, St. Oswald

„Ich war gerade beim Bundesheer. Beim Rasenmähen in der Kaserne haben wir eine Messung an Rasenschnitt vorgenommen – die Messwerte waren deutlich erhöht. Jahre später habe ich eine Krebserkrankung überwunden, da macht man sich schon Gedanken, wie die Krankheit entstanden ist.« Johann Holzmann, Königswiesen

„Wir waren zu der Zeit auf Kurzurlaub in Ungarn. Als wir wieder über die Grenze nach Österreich fuhren, haben wir im Radio die Meldung gehört und waren geschockt. Es herrschte die Tage danach große Verunsicherung und Verwirrung, man hat nicht gewusst, was es bedeutet, weil es so einen Unfall noch nie gegeben hat.« Gabriele Schweiger, Freistadt

„Wir waren gerade auf unserer Hochzeitsreise, als der Unfall passiert ist und haben daher erst einige Tage später davon erfahren. Zuerst haben wir es nicht richtig realisiert, erst als wir in den Medien davon gehört haben, dass der Wind die radioaktive Wolke zu uns trägt und es dann auch noch geregnet hat.« Leopold Wiesinger, St. Oswald

„Der Tag ist mir heute noch genau in Erinnerung. Wir waren draußen, die Sonne hat gescheint. Plötzlich war eine Wolke über dem Haus und es hat geregnet. Wir haben erst nachher erfahren, dass in Tschernobyl etwas passiert ist. Ich hatte furchtbare Angst vor der Verstrahlung und vor späteren Folgen.« Maria Jachs, Windhaag


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