Volksschule 1 Freistadt übt scharfe Kritik an den geplanten Deutschförderklassen

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Mag. Susanne  Überegger Mag. Susanne Überegger, Tips Redaktion, 06.04.2018 14:06 Uhr

FREISTADT. Auf keine Gegenliebe stößt der Gesetzesentwurf betreffend geplanter Deutschförderklassen im Lehrerteam der Volksschule 1 Freistadt. „Damit werden funktionierende Systeme des Miteinanders gebrochen“, sagt Volksschuldirektorin Ulrike Steininger, an deren Schule 35 Prozent der Kinder eine andere Erstsprache als Deutsch haben.

Der Gesetzesentwurf sieht vor, Kinder mit einer anderen Erstprache als Deutsch ab der ersten Schulstufe in verpflichtenden Sprachklassen zusammenzufassen und 15 Stunden wöchentlich in Deutsch zu unterrichten.

Drei Deutschstunden täglich überfordern die Volksschüler

„Sprachklassen widersprechen jeglichem Integrationsgedanken. Sie forcieren Segregation und Gruppenbildungen“, kritisiert Volksschuldirektorin Ulrike Steininger. „Zudem bedeuten drei Deutschstunden täglich eine massive Überforderung im Volksschulalter.“

Am besten lernen Kinder von anderen Kindern

Darüber hinaus entbehre der Gesetzensentwurf jeglicher sprachwissenschaftlicher und didaktischer Erkenntnis: „Die Zielsprache wird am besten in einer Umgebung gelernt, in der die Sprache gesprochen wird. Das meiste Lernen passiert durch Abschauen und Lernen von anderen Kindern. In einer Sprachklasse wäre der Lehrer das einzige Sprachvorbild“, merkt Steininger an.

Aufarbeiten der sprachlichen Defizite

Die Volksschule 1 setzt lieber auf eine Vielzahl von Maßnahmen zur Sprachförderung, bei denen das Miteinander besonders wichtig ist. „Seit vielen Jahren bemühen wir uns um die Aufarbeitung der sprachlichen Defizite unserer Schüler“, sagt Direktorin Ulrike Steininger.

„Wir haben – nachdem wir viel ausprobiert, stetig evaluiert und verbessert haben – für unsere Schule ein System gefunden, bei dem wir sehen, dass es den Schülern am meisten bringt – nämlich effektiv die deutsche Sprache zu lernen.“

Auch Kinder mit deutscher Muttersprache haben teilweise Sprachdefizite

So arbeitet das Team aus Sprachförder-, Klassen- und Muttersprachenlehrer gemeinsam am Wortschatz der Schüler, deren Deutsch-Kenntnisse noch mangelhaft sind. Es wird besonderer Wert auf sprachbewussten Unterricht gelegt.

„Sprachoasen“ werden regelmäßig durchgeführt, die von allen Kindern einer Klasse besucht werden – auch von jenen, die Deutsch als Muttersprache haben. „Denn auch diese Kinder haben teilweise sprachliche Defizite“, sagt Steininger.

Lernen beim Spielen mit den Klassenkameraden

Hörübungen mit dem mp3-Player haben sich in der Volksschule 1 als sehr effektiv erwiesen. Besonders wichtig sind auch das partnerschaftliche Lernen von- und miteinander und der Spracherwerb beim Spielen in den Pausen und Freizeitphasen.

Die Eltern werden ebenfalls in die sprachliche Arbeit mit einbezogen: „Ihr Interesse wird geweckt und das Vertrauen in die Schule wird dadurch gestärkt.“

Stellungnahme ans Parlament und das Bildungsministerium geschickt

Ulrike Steininger hat mit dem Lehrerteam eine entsprechende Stellungnahme zum Gesetzesentwurf betreffend geplanter Deutschförderklassen an das Parlament und an das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung geschickt.

„Wer schweigt, stimmt zu“

„Ich verspreche mir davon zwar nicht allzu viel. Aber ich habe zumindest das Gefühl, gehandelt zu haben. Denn wer schweigt, stimmt zu“, sagt die Direktorin.

Sie kritisiert auch, dass der Gesetzesentwurf viele – vor allem organisatorische – Fragen unbeantwortet lässt, obwohl schon im nächsten Schuljahr mit den Deutschförderklassen gestartet werden soll.

„Dieses Modell kann nicht funktionieren“

„Bei drei Stunden Deutsch täglich bleiben außerdem die anderen Unterrichtsfächer unweigerlich auf der Strecke. Und wo ist Platz für soziales Lernen? Dieses Modell kann nicht funktionieren“, sagt Ulrike Steininger, seit fast 19 Jahren Direktorin der Volksschule 1.

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