Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

Zum 100. Geburtststag: Erinnerungen an Stadtgeschichte-Forscher Josef Brachtel

Mag. Susanne Überegger, 09.10.2018 16:52

FREISTADT. Seinen 100. Geburtstag würde Josef Brachtel, verstorben 2008, am 10. Oktober feiern. Mühlviertler Schlossmuseums-Kustos Fritz Fellner erinnert sich an den verdienten Wahl-Freistädter, der eine beachtliche Sammlung zur Stadtgeschichte angelegt hat.

Josef Brachtel (rechts) im Atelier des Hirschbacher Künstlers Robert Himmelbauer. Foto: Fritz Fellner

Im Hungerjahr 1918, am 10. Oktober, wurde Josef Brachtel, im 18. Wiener Gemeindebezirk geboren. „Mein Leben verdanke ich nicht nur meinen Eltern,“ so schreibt er selbst in seinen Erinnerungen, „sondern auch der Hausgemeinschaft des Hauses Hofstattgasse 18.“ Diese spendeten nämlich dem Neugeborenen löffelweise Milch, Mehl, Grieß und Zucker. So überlebte er und auch seine unterernährte Mutter diese schreckliche Zeit.

Nazis schlossen die Schule und vertrieben die Lehrer

Volks- und Hauptschule absolvierte Josef Brachtel bei den Marianisten in Wien, und somit war die Schiene nach Freistadt gelegt: Denn Brachtel wollte Lehrer werden und im Freistädter Marianum gab es eine Lehrerbildungsanstalt. Er bewarb sich und besuchte sie bis zum Sommer 1938, bis Nazis die Schule geschlossen haben und die Lehrer vertrieben wurden.

In Wien erhielt er im Schuljahr 1939/40 lediglich eine mickrige Kriegsmatura, weil er als Absolvent einer katholischen Privatschule für das damalige Schulsystem untragbar war. Das Regime brauchte zu diesem Zeitpunkt auch keine katholischen Lehrer sondern deutsche Soldaten.

Im Krieg schwer verletzt

Brachtel musste einrücken und fand sich bald als Teilnehmer des „Unternehmens Barbarossa“. Nach einer Malariainfektion kam er als Laborant in ein Lazarett und dann 1944 an die Westfront, um gegen die Amerikaner zu kämpfen. Im Jänner 1945 trennte ihm ein Granatsplitter den linken Fuß ab.

Josef Brachtel flüchtete unter unendlichen Strapazen nach Wien, um von dort vor den anmarschierenden Russen wieder nach Freistadt zu flüchten. Hier fand er Unterschlupf in „seinem Marianum“, das nun aber keine Schule mehr war, sondern ein Lazarett.

Im Herbst 1945 wurde das Marianum wieder als Schule eröffnet. Mit einer selbstgebastelten Beinprothese stand Josef Brachtel am Vormittag als Lehrer vor den Schülern und am Nachmittag lag er als Patient im Lazarett. Ein Zustand, der keine Zukunft hatte.

„1948 kapitulierte ich und zog mich in den Kanzleidienst zurück. Als Verwalter im Salesianum und Sekretär im bischöflichen Lehrerseminar in Linz wurde ich pensionsreif und trat 1978 in den Ruhestand,“ schrieb Brachtel in den Erinnerungen.

Mit dem Ruhestand begann die „Freistädter Zeit“

Und nun begann Brachtels „Freistädter Zeit“. Mit seiner Frau übersiedelte er nach Freistadt und zog in das Gartenhaus in der Klostergasse ein. Hier fand er in den nächsten 30 Jahren jede Menge Arbeit, war es nun in seinem großen Garten oder im Bereich der Heimat- und Stadtgeschichtsforschung.

„Meine Liebeserklärung an meine Frau war zugleich eine Liebeserklärung an Freistadt“, sagte er anlässlich der Verleihung des „Freistädter Stadtsiegels“ über die Beweggründe seiner intensiven Sammlungstätigkeit.

150 Ordner voller Stadtgeschichte

All seine Forschungsergebnisse, gesammelt und geordnet in über 150 Ordnern hat er dem Heimathaus Freistadt, heute Mühlviertler Schlossmuseum, zur weiteren Verwendung und auch zur Weiterführung übergeben. Mit diesen Unterlagen hat das Archiv des Museums eine gewaltige Erweiterung erfahren.

„Brachtel-Sammlung“ ist auch digital einsehbar

Heute sind alle Bereiche der sogenannten „Brachtel-Sammlung“ digitalisiert. Heimat- und Familienforscher, Hausbesitzer, Vertreter des Denkmalamtes aber auch Schüler und Studenten nehmen dieses außergewöhnliche Service immer wieder in Anspruch.

Mit Kulturmedaille des Landes geehrt

1997, mit beinahe 80 Jahren hat Josef Brachtel das Buch „Die Kleindenkmäler von Freistadt“ veröffentlicht. Im selben Jahr erhielt er für seine umfassenden heimatkundlichen Arbeiten die Kulturmedaille des Landes Oberösterreich.

In der Laudatio sagte damals der Landeshauptmann: „Josef Brachtel hat sich intensiv mit der Geschichte der Stadt Freistadt beschäftigt, eine umfassende Sammlung angelegt und diese dem Heimathaus Freistadt und damit der Stadt, dem Land und der gesamten Öffentlichkeit als Geschenk überreicht.“

Josef Brachtel ist am 4. Oktober 2008 verstorben und wurde an seinem 90. Geburtstag am Freistädter Stadtfriedhof beerdigt.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden