Wenn Schule daheim seit sieben Jahren Alltag ist
SCHÖNAU. Neun Wochen Home-Schooling während der Corona-Krise haben viele Eltern an den Rand der Verzweiflung gebracht. Ganz anders bei Nina Holzmann. In ihrer Familie ist häuslicher Unterricht seit sieben Jahren alltäglich.

Eigentlich wäre Nina Holzmann am Gumbergerhof mit Landwirtschaft, Direktvermarktung und Haushalt zeitlich ausgelastet. Dennoch hat sie sich mit ihren Töchtern dazu entschieden, den Besuch der öffentlichen Schule mit Unterricht daheim zu tauschen. Was folgte, war ein Deal mit Lena und ihrer um zwei Jahre jüngeren Schwester Julia, später auch mit der Jüngsten, Hanna: „Wir haben ausgemacht, dass ich den Kindern meine Zeit für den Unterricht schenke und sie mir im Gegenzug bei der Hofarbeit helfen. Es ist ein Nehmen und ein Geben, und vor allem müssen es die Kinder selbst wollen“, sagt die Schönauerin. Unterstützung bei der Arbeit auf dem Hof sagten auch ihre Eltern Felix und Monika Diesenreither zu.
Bewunderung und Vorwürfe
Das Ansuchen um häuslichen Unterricht wurde bewilligt, Lehrplan und Schulbücher zur Verfügung gestellt. „Es hat sich schnell herausgestellt, dass wir damit nicht auskommen. Ich habe viele Nächte über den Vorbereitungen für den Schulstoff der ersten und dritten NMS verbracht und eigene Skripten ausgearbeitet“, blickt Holzmann zurück. Die Reaktionen von außen reichten von Bewunderung bis zum Vorwurf der Unverantwortlichkeit wegen der fehlenden sozialen Kontakte. „Wenn ich die Kinder daheim einsperren würde, stimmt das – aber unsere Mädchen haben ihre Freundinnen halt woanders kennengelernt. Außerdem sind manche sozialen Kontakte – Stichwort Handy, Gruppenzwang und Co – nicht nur positiv.“
Schule ganz anders
Mit Schulunterricht sei das häusliche Lernen nicht zu vergleichen. „Von Anfang an war es so, dass wir den Lernstoff gemeinsam erarbeitet haben, ich habe mitgelernt.“ Viel Disziplin sei nötig und gegenseitige Achtung, der Lohn dafür ist ein sehr gutes Verhältnis mit den Mädchen und großes Vertrauen. „Wir sind zusammengewachsen, ich würde mich jederzeit wieder für häuslichen Unterricht entscheiden“, sagt Nina Holzmann. Mittlerweile ist nur noch Hanna, heute 13, in der „Schule daheim“. Einen großen Vorteil sehen Mutter und Tochter darin, sich das Tempo beim Lernen selber einteilen zu können. „Wenn ein Kind mehr Zeit für etwas braucht, nimmt man sich diese.“
Prüfungen über den Jahresstoff
Das Schuljahr wird bei Familie Holzmann grob in Kapitel aufgeteilt, Mathematik, Deutsch und Englisch stehen täglich auf dem Plan. Gelernt wird hauptsächlich am Vormittag, während der Prüfungszeit auch nachmittags. Denn Prüfungen bleiben auch bei häuslichem Unterricht nicht aus. In der dritten Klasse NMS muss Hanna heuer bei Lehrern der NMS Pregarten positive Prüfungen in zehn Fächern über den gesamten Jahresstoff ablegen. Und hier hat die Corona-Krise Auswirkungen auf Familie Holzmann: „Normal sind Prüfungen ab März möglich, heuer muss Hanna alles von 20. Mai bis 9. Juli schaffen“, weiß Nina um die große Belastung für ihre jüngste Tochter.
Gute Schülerinnen
Bei den Prüfungslehrern und dem Direktor der NMS Pregarten haben sich die Holzmann-Mädchen mit hervorragenden Resultaten einen guten Ruf erarbeitet. „Wenn du über den Jahresstoff geprüft wirst, musst du ihn verstanden haben.“ Ninas Rat an die Eltern, die bis Schulschluss beim Home-Schooling gefordert sind: „Wenn die Zeit zum Lernen ist, dann bleibt konzentriert beim Thema, übergebt den Kindern Verantwortung. Nehmt euch genug Freizeit und genießt sie und lasst die Kinder Kind sein!“


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