Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

LEOPOLDSCHLAG. Um die Flussperlmuschel vor dem Aussterben zu bewahren, wurden für das grenzüberschreitende Interreg-Projekt Malšemuschel 2.000 Jungmuscheln nachgezüchtet und die ersten Exemplare davon kürzlich von einer hochkarätigen Delegation im Grenzfluss Maltsch ausgesetzt.

Politiker in Gummistiefeln bei ihrem Einsatz im Grenzfluss Foto: blattfisch
  1 / 5   Politiker in Gummistiefeln bei ihrem Einsatz im Grenzfluss Foto: blattfisch

Eine Bewohnerin der Maltsch, die ganz spezielle Ansprüche an ihren Lebensraum – vor allem an das Sediment an der Flusssohle – stellt, ist die Flussperlmuschel. Momentan ist nur noch ein sehr kleiner Bruchteil – rund 400 Individuen – der ehemaligen Muschelpopulation in der Maltsch übrig. Die Larven haften sich über den ersten Winter an den Kiemen von Bachforellen an und fallen im Frühsommer ab. Jungmuscheln leben fünf bis zehn Jahre Jahre vergraben im Sediment, erwachsene Muscheln sitzen auf der Gewässersohle

„Der Knackpunkt ist die Phase, in der die Jungmuscheln fünf bis zehn Jahre im Sediment überleben müssen. In dieser Zeitspanne dürfen nicht zuviele Feinsedimente und mobile Sandfraktionen im Gewässer sein“, weiß Sarah Höfler vom Ingenieurbüro blattfisch.

2.000 Exemplare gezüchtet

Um den Bestand vor dem Aussterben zu bewahren, braucht es auch eine künstliche Nachzucht von Muscheln. „Diese wurde im Rahmen des Projektes von den tschechischen KollegInnen durchgeführt. So konnten an die 2.000 Jungmuscheln gewonnen werden“, berichtet Sarah Höfler.

Erste Exemplare von jungen Flussperlmuscheln wurden nun durch den tschechischen Premierminister Andrej Babiš, den tschechischen Umweltminister Richard Brabec, den oberösterreichischen Landesrat für Wasserwirtschaft Wolfgang Klinger und Sektionschef Günter Liebel aus dem Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus in der Maltsch ausgesetzt.

Großes Interesse an den Projektinhalten zeigten auch die Bürgermeister Hubert Koller (Leopoldschlag), Martin Kapeller (Windhaag) und Gerhard Neunteufel (Sandl).

Ziel des grenzüberschreitenden Interreg-Projekt Malšemuschel ist es, Wissen zu den Themen Erosion, Sedimenthaushalt und Hochwasserschutz zu generieren und zugleich die letzten Bestände der Flussperlmuschel in der Maltsch zu stützen. Finanziert wird es von der Europäischen Union, dem tschechischem Umweltminiserium und dem Land Oberösterreich.

Region und historischer Hintergrund

Die Maltsch (tschechisch: Malše) ist hydrologisch, ökologisch und historisch ein sehr spezielles Gewässer. Als einer der wenigen Flüsse in Österreich fließt sie Richtung Norden in die Elbe. Als Grenzfluss hat sie eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Während die Geschichte von Südböhmen und Oberösterreich früher eng verwoben war, teilte hier einige Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts der „Eiserne Vorhang“ Europa. Während viel menschliches Leid die Folge war, blieb gleichzeitig ein Rückzugsort für die Natur erhalten. Der Bereich ist nunmehr Teil des sogenannten Naturschutzverbundes „Grünen Bandes“, das vom Baltikum bis Südeuropa reicht. Auch an der Maltsch besteht heute ein Europaschutzgebiet, in dem noch seltene Tier- und Pflanzenarten zu finden sind.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden