Genesener Corona-Patient: "Dachte kurz, heute wird es zum Sterben"
BEZIRK FREISTADT. Helmut W. (Name geändert, Anm.) ist 47 Jahre alt, sehr sportlich und hat keinerlei Vorerkrankungen. Trotzdem erwischte den Mann Anfang November, kurz vor dem zweiten Lockdown, das Coronavirus so schwer, dass er zusammenbrach und mit einer schweren Lungenentzündung ins Spital gebracht werden musste.

Tips:Wie machte sich die Erkrankung bei Ihnen bemerkbar?
Helmut W.: Angefangen hat es wie bei einer Erkältung. Ich habe mit der Hausärztin telefoniert und ihr meine Symptome geschildert: sekretreicher Husten – also nicht trockener Husten, wie es bei Covid-19 als typisch beschrieben wird – Halsweh, Schnupfen und erhöhte Temperatur. Geruchs- und Geschmacksverlust bemerkte ich keinen. Insgesamt fühlte ich mich nicht allzu schlecht. Die Ärztin meinte, die Symptome würden eher auf einen grippalen Infekt hindeuten, aber sie würde gegen Ende der Woche die Schnelltests erhalten, dann solle ich zur Sicherheit zum Testen vorbeikommen. Dazu kam es aber nicht mehr, denn am Freitag lag ich schon mit einer Lungenentzündung im Spital.
Tips:Wie war der weitere Verlauf nach den anfänglich milden Symptomen?
Helmut W.: Erst schien es schon wieder besser zu werden, aber über Nacht ging es mir dann plötzlich furchtbar schlecht. Ich bekam hohes Fieber, bis zu 40 Grad. Was dann passiert ist, daran habe ich keine Erinnerung. Ich weiß nur noch, dass ich spätabends – meine Frau war schon schlafen gegangen – noch im Wohnzimmer war, von der Couch aufstand und das Licht abschalten wollte. Da bin ich dann kollabiert und einfach umgefallen. Meine Frau hat den Rumpler gehört, mich bewusstlos am Boden liegend gefunden und die Rettung gerufen. Als ich wieder zu mir kam, waren die Rettungsleute schon da. Sie haben mich ins Krankenhaus Freistadt gebracht, wo ich zum zweiten Mal kollabierte – ich bin vom Sessel gefallen. Es war schrecklich, ich habe mich gefühlt, als wäre ich Passagier in meinem eigenen Körper. Kurz dachte ich, heute wird es noch zum Sterben, und was wird dann aus meiner Frau und den Kindern, wenn ich nicht mehr heimkomme?
Tips:Wie ging es mit Ihnen dann weiter?
Helmut W.: Im Krankenhaus wurde festgestellt, dass ich mich mit dem Coronavirus infiziert hatte. Außerdem diagnostizierten die Ärzte eine Lungenentzündung. Mir ging es schlecht, ich brauchte zu Beginn Sauerstoff und habe viel geschlafen. Vor zwei, drei Jahren hatte ich mal die echte Grippe, die war ein Klacks dagegen. Meine Familie konnte mich im Krankenhaus natürlich nicht besuchen, das war auch nicht gerade einfach. Nach ein paar Tagen ging es dann aber zum Glück bergauf. An der Stelle muss ich dem Krankenhaus Freistadt ein großes Lob und Danke aussprechen. Ich bin supergut versorgt worden und habe höchsten Respekt davor, was die Mitarbeiter dort unter den erschwerten Arbeitsbedingungen leisten, wirklich Hut ab! Nach sechs Tagen wurde ich, als ich halbwegs wiederhergestellt und mein CT-Wert entsprechend niedrig war, wieder aus dem Spital entlassen. Daheim habe ich noch ein, zwei Wochen gebraucht, um mich zu regenerieren. Insgesamt hatte ich fast zehn Kilo abgenommen. Jetzt fühle ich mich im Großen und Ganzen wieder fit.
Tips:Wissen Sie eigentlich, wo Sie sich angesteckt haben und ist auch Ihre Familie erkrankt?
Helmut W.: Nein, das weiß ich nicht. Es kann bei der Arbeit im Büro gewesen sein, im Außendienst oder beim Einkaufen – obwohl ich immer den Mund-Nasen-Schutz getragen und auf den Abstand geachtet habe. Meine Frau und meine Kinder hatten keinerlei Symptome.
Tips:Hätten Sie zuvor geglaubt, dass Ihnen Covid-19 etwas anhaben kann?
Helmut W.: Nie hätte ich gedacht, dass mich das Coronavirus so schlimm erwischen könnte. Schließlich bin ich vergleichsweise jung und nicht unsportlich – heuer bin ich 5.000 Kilometer mit dem Mountainbike gefahren. Ich bin sehr froh, dass die Sache für mich und meine Familie gut ausgegangen ist.


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