Junges Leben am alten Hof
KALTENBERG. Die Kinder sind längst weggezogen, die Enkerl kommen zurück und übernehmen Haus oder Hof: In Kaltenberg gibt es gleich mehrere Familien, in denen die Enkelgeneration wieder zurück zu den Ursprüngen geht. Dazu gehören Brigitta Luger (28) und Peter Brandl (33), die am Angerer-Hof in Weidenau ihr Zuhause gefunden haben.

Schon seit 2017 wohnt Brigitta Luger auf dem Hof ihres Großvaters Heinrich Luger. „Ich bin eigentlich mit dem Wolf hergekommen“, schmunzelt die 28-jährige Masseurin, und sie meint damit (Tips-Leser erinnern sich!), dass im Sommer 2017 ein Wolf drei der Schafe ihres Opas gerissen hat. Hergezogen in das Elternhaus ihres Vaters ist Brigitta, aufgewachsen in Neufelden im Bezirk Rohrbach, nicht unbedingt wegen der Landwirtschaft, sondern wegen der Liebe zum Land an sich. „Ich habe das Stadtleben ausgekostet, aber jetzt schätze ich die Lebensqualität hier umso mehr.“
Die Welt ist kleiner geworden
Ihr Bräutigam Peter Brandl pflichtet ihr bei: „Ich komme aus Wieselburg und wollte nie in einer großen Stadt leben. Mit Homeoffice, den guten Verkehrsverbindungen und den Paketdienstleistern ist die Welt noch einmal ein ganzes Stück kleiner geworden, es spielt keine Rolle mehr, ob man in der Stadt oder in einer kleinen Landgemeinde lebt“, sagt der beruflich in der Automobilzulieferindustrie tätige 33-Jährige. Er ist häufig im Homeoffice tätig. „Corona hat uns eigentlich gut hereingespielt“, schmunzelt er.
Mutterschafe am Hof
Auf dem Angerer-Hof hilft Brigitta ihrem Opa Heinrich, der mittlerweile 82 Jahre alt ist, gerne bei den Schafen. „50, 60 Tiere mit Lämmern haben wir zur Zeit“, berichtet die junge Frau, die ihrem Peter in wenigen Tagen auf dem Standesamt das Ja-Wort geben wird. Kirchlich geheiratet soll im Herbst werden.
Voneinander lernen
Natürlich gebe es aufgrund des Generationenunterschieds in manchen Dingen unterschiedliche Auffassungen. „Aber wir lernen auch sehr viel voneinander, es ist vielleicht gar nicht schlecht, wenn eine Generation auf dem Hof ausgelassen wird“, meint Brigitta. Auch Peter hat sich in Weidenau gut eingefunden. „Das liegt auch daran, dass der Opa sehr offen ist“, sagt der Wieselburger, der mittlerweile seine Wohnung dort aufgegeben hat, um ganz in Kaltenberg sesshaft zu werden.
Jagdschein und Alm-Engagement
In der Gemeinde haben sich beide von Anfang an gut aufgenommen gefühlt, ein Freundeskreis war rasch gefunden. „Ich habe den Jagdschein gemacht und bin ein fleißiger Ausgeher“, so Peter, der derzeit die Ausbildung zum Forstfacharbeiter macht. Als Teilnehmer des Mühlviertler Alm-Lehrgangs JUREP (Junge Regional Engagierte Persönlichkeit) beschäftigt er sich mit seinem Lebensumfeld und den Chancen und kann mit Profi-Begleitung ein Projekt entwickeln. Die Integration in die Mühlviertler Alm klappt dabei quasi wie von selbst.


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