Heimische Perlengeheimnisse: Wander-Ausstellung über die Flussperlmuscheln
KEFERMARKT. Die OÖ Landes-Kultur GmbH präsentiert mit dieser Wanderausstellung „Heimische Perlengeheimnisse“ die kulturellen, ökologischen und wirtschaftlichen Aspekte der Flussperlmuscheln. Von 8. Juni bis 18. Juli wird die Ausstellung in der Schlossbrauerei Weinberg gezeigt.

Margaritifera margaritifera – schon der klangvolle lateinische Name der heimischen Flussperlmuscheln, lässt ahnen, welche natur- und kulturgeschichtliche Bedeutung sie hat. Jahrhunderte lang hat sie unsere Gewässer in Beständen mit bis zu 1.000 Tieren auf einem Quadratmeter Bachbett bevölkert – doch heute ist sie vom Aussterben bedroht und nahezu in Vergessenheit geraten.
Die glänzenden Perlen, die über Jahrzehnte in den Muscheln heranwachsen, müssen sich vor ihren „Schwestern“ den Südseeperlen wahrlich nicht verstecken und wurden zur Verzierung vieler kultureller Schätze verwendet, wie etwa der Perlenkasel, einem Messgewand des Stift Schlägls aus dem 16. Jahrhundert, das mit 10.000 kleinen sogenannten Saatperlen bestickt ist – eineunglaubliche Zahl, wenn man bedenkt, dass nur in jeder 3.000sten Muschel eine Perle verborgen ist.
Perlenfischer
Aufgrund ihrer Seltenheit, ihrer Schönheit und ihrem Wert hatten die Muscheln in böhmischen Bächen einen besonderen Status und wurden von Perlenfischern gepflegt. Dieser Berufsstand war angesehen, denn die Perlenfischer hegten und pflegten die Tiere, schützten sie vor negativen Umwelteinflüssen und vor allem vor Perlenräubern. Zudem konnten sie mit einer besonderen Technik die herangereiften Perlen entnehmen, ohne die Muscheln zu töten, und sorgten so für den stabilen Erhalt der Populationen.
Trotz allem kam es bereits Ende des 19. Jahrhunderts zu einem so bedrohlichen Verschwinden der Muscheln aus den heimischen Gewässern, dass 1895 erstmals Schonzeiten zum Schutz der Bestände eingeführt wurden. Denn mit der Industrialisierung hatte die Muschel auch ohne eine Perle einen wirtschaftlichen Wert, was zu regelrechten Plünderungen geführt hat – um die Flussperlmuschel hatte sich eine wahre Perlmuttindustrie entwickelt, die das Perlmutt günstig verarbeiten und teuer verkaufen konnte.
Bestände dramatisch geschrumpft
Heute sind die Bestände der Flussperlmuscheln dramatisch auf seltene kleine Restpopulationen geschrumpft. Durch unkontrollierte Entnahme, Einleitung von Abwässern, Begradigungen der Bäche und schlicht Unwissenheit sind die Populationen stark zurückgegangen. Nur im oberösterreichischen Mühl- und niederösterreichischen Waldviertel sowie in Bayern und Tschechien finden sich in Mitteleuropa noch bedeutende Restvorkommen, darum hat Österreich eine besondere Verantwortung innerhalb der EU, den Fortbestand dieser Art zu gewährleisten.
Die Abteilung Naturschutz am Amt der Oberösterreichischen Landesregierung hat daher im Jahr 2011ein langfristiges und umfangreiches Artenschutzprojekt mit dem Titel Vision Flussperlmuschel ausgerufen: In einer eigens errichteten Zuchtstation in Kefermarkt betreut das Team des Technischen Büro blattfisch e.U. Flussperlmuscheln der Waldaist, der Naarn und des Gießenbachs.
Die Österreichische Naturschutzjugend Haslach arbeitet mit Kooperationspartnern grenzüberschreitend zum Wohle der Muscheln. Fruchtbare Tiere helfen bei diesen Projekten, die Lücke an jungen Muschelgenerationen zu füllen und so die überalterten Bestände zu stabilisieren. Zudem verringern Renaturierungen die größten Gefährdungen für Jungmuscheln und sorgen für eine grundsätzliche Verbesserung des Ökosystems Bäche der böhmischen Masse.
Wanderausstellung
Die OÖ Landes-Kultur GmbH startet im Juni 2021 mit einer Wanderausstellung, die die vielen Themen der heimischen Flussperlmuschel präsentiert: „Heimische Perlengeheimnisse“ beleuchtet die kulturellen, ökologischen und wirtschaftlichen Aspekte der Flussperlmuscheln und versteht sich gleichzeitig als Zwischenbilanz des über 20 Jahre laufenden Artenschutzprojekts Vision Flusspermuschel.
Vermittler und Familien-Mitmachbüchlein
Ein besonderes Highlight für die Besucher ist die persönliche Auskunft mittels moderner Hologramm-Technologie: Ein Natur- und Kulturvermittler wird täglich von 15 bis 17 Uhr sowie an Sonntagen zusätzlich von 10 bis 12 Uhr in den mobilen Schauraum projiziert, um Fragen zu beantworten. Speziell für Familien steht zudem ein Lese- und Mitmachbüchlein zum aufregenden Leben der Flussperlmuschel gegen einen kleinen Unkostenbeitrag bereit. Infomaterial und Postkarten liegen kostenlos auf.


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