Titel „Die bäuerliche Unternehmerin“: Zwei Bäuerinnen aus dem Bezirk sind unter den Top 15
LEOPOLDSCHLAG/UNTERWEISSENBACH. Bäuerinnen, die selbstbewusst ihren Arbeitsplatz schaffen, werden zum siebten Mal von der Landwirtschaftskammer OÖ mit dem Titel „Die bäuerliche Unternehmerin“ ausgezeichnet. 15 Kandidatinnen kamen in die engere Auswahl, darunter auch Viktoria Jachs-Kastler aus Leopoldschlag und Christine Hinterdorfer aus Unterweißenbach.

Eine Jury aus Experten aus Landwirtschaft, Wirtschaft und Medien küren die Gewinner. Im Zuge der Ersten OÖ Gala für Prämierungen und Auszeichnungen werden dann am 10. November in Linz die Gewinnerinnen der bäuerlichen Unternehmerin bekannt gegeben und geehrt.
Für die Bewerbung zur bäuerlichen Unternehmerin 2021 standen den Bäuerinnen erstmalig drei Kategorien zur Verfügung: Urproduktion - Sicher durch die Krise mit Lebensmittel-Grundversorgung und Lebensmittel-Sicherheit, Diversifikation – Alles, was Landwirtschaft heute ausmacht, von A wie Abholung bis Z wie Ziegenkäse und Digital innovativ – Alles rund um Social-Media-Auftritte, Blog, Apps.
„Mediation und nachhaltige Produkte“
Christine Hinterdorfer aus Unterweißenbach hat das Thema „Mediation & nachhaltige Produkte aus einer Hand“ eingereicht. Hinterdorfer ist eine leidenschaftliche und selbstständige Bio-Bäuerin und hat seit 2020 das neue Standbein als Konfliktmanagerin mit Spezialisierung auf das Thema Hofkonflikte. Der Betrieb wird gemeinsam mit den Eltern im Nebenerwerb geführt und in ihrer Arbeit sowohl als Mediatorin als auch als Biobäuerin unterstützt sie gerne Menschen dabei, mit sich selbst in Kontakt zu kommen.
Kopf, Herz und Bauch in Einklang zu bringen, um so gerüstet zu sein für Herausforderungen, die im Leben jedes Menschen irgendwann einmal auftauchen. Die Verbindung von Mediation und Hofkonflikten war für sie entscheidend, weil ihr dieser Bereich der Landwirtschaft sehr am Herzen liegt und sie damit zwei wichtige Säulen verbinden will: 1. Die Lebensmittel-Grundversorgung und Lebensmittel-Sicherheit, unter der Prämisse von Bio-Qualität und Nachhaltigkeit und 2. Unterstützung für Bauernfamilien, welche die tagtägliche Schere zwischen Alltag und Einkommenserwerb stemmen müssen und diese Balance für ihr Familienleben nicht immer erreichen können.
Für Hinterdorfer gilt vorerst, die Entwicklungsstandards am Betrieb zu halten und die immense Vielfalt ihrer Landwirtschaft aufzuzeigen und nach außen zu tragen. Für sie geht es nicht darum, vorhandene Ressourcen noch mehr auszudehnen, sondern nachhaltig zu erhalten. Sie führt das Konzept ihrer Eltern im Bereich der Dinkelproduktion und Milchwirtschaft mit viel Liebe und Engagement weiter. Wobei sie den landwirtschaftlichen Zweig um Weidegänse und Wildmastgeflügel erweitert hat. Die vorhandene Waldwirtschaft möchte sie langfristig noch besser nutzen und ausbauen.
Das neue Standbein – die Hof-Mediation – hat sie seit kurzem um einen Mediationsweg am eigenen Grundstück erweitert und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Wichtig ist ihr, den Menschen so einen besseren Umgang mit ihren Konflikten aufzuzeigen und sie bei schwierigen Situationen zu unterstützen.
„Frauenpower in der Forstwirtschaft“
Viktoria Jachs-Kastler aus Leopoldschlag hat das Thema „Frauenpower in der Forstwirtschaft“ eingereicht. Als Frau in einem Betriebszweig aktiv, der stark von Männern dominiert wird, steht sie nicht nur auf ihrem Betrieb, sondern auch als Obfrau der bäuerlichen Forstpflanzenzüchter ihre „Frau“.
Als studierte Landschaftsarchitektin und Landschaftsplanerin arbeitete sie Vollzeit abseits vom elterlichen Betrieb, bevor sie diesen 2016 gemeinsam mit ihrem Mann übernommen hat. Der Betrieb wird im Vollerwerb geführt und beschäftigt zur Erntezeit auch noch 6 bis 10 Saisonarbeitskräfte. Produziert werden 18 verschiedene Nadel- und Laubgehölze, zudem wird Forstsaatgut beerntet. Hierbei handelt es sich um ein sehr spannendes, wenn auch gefährliches Standbein am Betrieb. Dabei werden die hohen Weißtannen bestiegen und das kostbare Saatgut wird am stehenden Baum geerntet.
Einer der ersten Schritte war es, ihr Tun und den Betrieb zu präsentieren und in eine Homepage, Logo und Design zu investieren. Ziel ist es, gute Qualität zu produzieren und die harte körperliche Arbeit zu reduzieren. Dies alles auch im Hinblick auf die extremen Wetterkapriolen der letzten Jahre. Ihr Motto ist: „Am Puls der Zeit arbeiten, aber die Wurzeln nicht vergessen, über einen selbst hinauswachsen, aber den festen Stand nicht verlieren.“ Durch den Klimawandel ist die Herausforderung vor allem der Waldumbau und somit Neulinge im Forstgarten zu ermöglichen, welche sich besser auf die Herausforderungen der nächsten Jahre einstellen können.
Jeder Baum hat seine Eigenheiten und seine Ansprüche – seit der Übernahme wurde von 11 auf 18 Sorten erhöht. Privat wohnt Jachs-Kastler mit ihrer kleinen Familie – ihr Sohn Alexander bestimmt und bereichert seit 2019 das Familienleben sehr – räumlich getrennt vom Betrieb und so bekommt sie immer wieder Abstand zur Arbeit und auch Generationskonflikte werden damit bestmöglich vermieden. Gegenseitige Unterstützung und ein enger Zusammenhalt führen so zum Erfolg – auch oder gerade, weil Jachs-Kastler in einer Männerdomäne tätig ist.
„Chancen sehen“
„Die Kandidatinnen sehen mit viel Weitblick die Chancen auf den landwirtschaftlichen Märkten und verwandeln sie auf den Höfen zu Einkommen. Die Selbstständigkeit und die Arbeit in der Natur schätzen sie besonders, weil viele von ihnen außerlandwirtschaftliche Berufserfahrung als Mitarbeiterinnen in Betrieben gesammelt haben. Die gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird als Besonderheit erlebt. Alle Kandidatinnen absolvierten umfangreiche Ausbildungen, denn Fachwissen sowohl in der Urproduktion als auch in der Diversifikation ist wichtig, um in der Betriebsführung erfolgreich zu sein. Den Kandidatinnen liegt der Dialog mit der Gesellschaft besonders am Herzen, weil sie wissen, dass immer mehr Menschen wissen wollen, wie auf den Höfen gearbeitet wird und das direkte Gespräch aus ihrer Sicht beiden Seiten einen Mehrwert an Information und Verständnis bringen kann. Weiters sind sie sich auch einig, dass die neuen Medien hier eine große Rolle spielen und diese werden vielfach auch von ihnen genutzt“, erläutert Karl Grabmayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer OÖ.


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