Freistadts Feuerwehren rüsten sich für Klimaeinsätze
FREISTADT. „Die Auswirkungen des Klimawandels sind in der Region durch Stürme, Überschwemmungen und Hitzewellen nicht nur deutlich spürbar, sondern auch in den Einsatzstatistiken der Bezirksfeuerwehr sichtbar“, heißt es vom Energiebezirk Freistadt (EBF). Um für diese Veränderungen in den Einsätzen gewappnet zu sein, hat der EBF mit dem Bezirksfeuerwehrkommando Freistadt das neue Ausbildungsmodul „Die Feuerwehr und der Klimawandel“ entwickelt.

Unwettereinsätze, von Trockenheit begünstigte Flurbrände oder der Transport von Trinkwasser nehmen in der Statistik der Feuerwehr deutlich zu. Im ersten Halbjahr 2021 verzeichnete der Bezirk Freistadt 450 Klimaeinsätze – 200 davon fanden an nur zwei Tagen, am 25. und 26. Juli, statt. „Auch in den trockenen und sturmreichen Jahren 2018 und 2019 waren es im Bezirk Freistadt jeweils rund 1.000 Einsätze im Zusammenhang mit dem Klimawandel“, erklärt der EBF. Im Vergleich dazu gab es jährlich rund 300 klassische Brandeinsätze. „Somit gibt es seit mehreren Jahren mehr Klimaeinsätze als klassische Brandeinsätze.“
„Die Einsatzzahlen zeigen unmissverständlich, dass die Intensität an Unwettern durch den Klimawandel und damit einhergehend deren Gefährdungspotential stark zunimmt. Darüber hinaus haben die Ereignisse im Sommer gezeigt, dass sich Naturkatastrophen zunehmend Gebiete erreichen, die bisher noch nicht betroffen waren. Mittlerweile geht es nicht mehr darum, ob es eine Gemeinde bei einem Unwetter erwischt, sondern welche Gemeinden es besonders schlimm erwischt. Die Rolle der Feuerwehr als „Klimawehr“ ist somit bereits heute sehr wichtig und wird in Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen“, berichtet Bezirksfeuerwehrkommandant Thomas Wurmtödter.
Neues Ausbildungsmodul für die Feuerwehrjugend
Damit speziell die Jungfeuerwehrleute diese Veränderungen richtig einordnen können und somit für zukünftige Gefährdungsszenarien gerüstet sind, arbeiten der Energiebezirk Freistadt im Rahmen der Programmes Klar! Freistadt (Klimawandelanpassungsmodellregion) und das Bezirksfeuerwehrkommando Freistadt seit Sommer 2020 zusammen. Als Ergebnis entstanden zwei aufeinander aufbauende Lernhefte „Die Feuerwehr und der Klimawandel“.
„Diese erläutern neben Hintergrundinformationen zum anthropogenen Klimawandel die Ursachen zu verschiedenen Naturgefahren und behandeln daraus resultierende Einsätze. Um eine nachhaltige Wissensvermittlung zu sichern, werden diese neuen Ausbildungsmodule in die bestehenden Wissenstests Silber und Gold integriert. Die Inhalte des Ausbildungsmoduls werden in Form von Multiplikatorenschulungen an die Jugendausbildner der 74 Freiwilligen Feuerwehren vermittelt, die anschließend die Inhalte im Rahmen der Ausbildung an die Jugendlichen weitergeben“, erklärt Hauptamtswalter für Jugendausbildung Hannes Zeindlinger.
„Speziell die Feuerwehr ist direkt mit den Folgen des Klimawandels bei den Einsätzen konfrontiert und sorgt regelmäßig dafür, dass Menschenleben geschützt und Schäden verringert oder sogar verhindert werden. Daher ist es essentiell, die Feuerwehrleute entsprechend auf die Klimaeinsätze vorzubereiten und über die Ursachen aufzuklären“, so Klar!-Managerin und Projektleiterin Sonja Hackl.
Ausrollung geplant
Der innovative Ansatz und die vorausschauende Perspektive des BFK Freistadt erfährt nicht nur im Bezirk großen Zuspruch. Das Projekt wurde im Rahmen der ASDR Naturgefahrentagung 2021 in Anwesenheit von zahlreichen Einsatzorganisationen aus ganz Österreich vorgestellt und traf auf großes Interesse. Darüber hinaus wird die Initiative des BFK Freistadt und der Klar! Freistadt auf Ebene des Landesfeuerwehrkommandos OÖ als sehr positiv wahrgenommen. In den nächsten Monaten beschäftigen sich Arbeitsgruppen damit, ob und wie dieses Ausbildungsmodul ab 2023 in ähnlicher Art und Weise landesweit ausgerollt werden kann, um dadurch die Feuerwehren in ganz Oberösterreich auf die Folgen des Klimawandel vorzubereiten.


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