Pia Paulinec: „Wir Frauen sollten uns unterstützen und nicht verurteilen“
SCHÖNAU. Pia Paulinec ist zweifache Mama und erfolgreiche Unternehmerin. Im Tips-Gespräch erzählt sie, warum sie in Sozialen Medien gerne auf Frauenthemen, wie die Vereinbarkeit von Familie und Arbeit, Körperbilder, Vorurteile und Selbstliebe aufmerksam macht.

Paulinec wuchs in Schönau mit zwei Geschwistern auf. „Mein Papa ist gestorben, als meine Mutter mit mir schwanger war. Meine Mutter hatte es als zugereiste Alleinerziehende mit drei Kindern nicht einfach“, erzählt die 33-Jährige. „Sie hat sich in meiner Kindheit viel mit alternativen Themen beschäftigt, da wurden wir auch schon mal Hexenkinder genannt. So habe ich bereits als Kind gelernt, dass man sich gemeine Aussagen und Beurteilungen von anderen nicht zu sehr zu Herzen nehmen soll. Das hat auch dazu beigetragen, dass ich jetzt selbstbewusst meinen Weg gehe ohne zu sehr auf die Urteile anderer zu hören.“
Nach dem Gymnasium und einem Selbstfindungsjahr hat Paulinec zwei Ausbildungen an der HTL begonnen. Am Tageskolleg hat sie den Ausbildungszweig Möbel- und Innenraumplanung und gleichzeitig am Abend die Hoch- und Tiefbau-HTL absolviert. „Diese Jahre habe ich von halb acht bis 22 Uhr in der Schule verbracht und auch samstags Unterricht gehabt. Von 25 Schülern waren nur vier Frauen.“ Nach ihrem Abschluss hat Paulinec bei einem Architekten zu arbeiten begonnen.
Nicht immer einfach, Familie und Beruf zu vereinbaren
Während der Karenz mit ihrem ersten Kind 2018 hat sie gemeinsam mit ihrem Mann Andreas Dobringer das Unternehmen Mühlviertler Alm Schweben MAS – geführte Segway Touren Bad Zell gegründet. Im gleichen Jahr hat sie sich auch als Fotografin selbstständig gemacht und ein Jahr später kam Mühlviertler Alm Denken MAD – Escape Rooms in Bad Zell dazu. „Ideen für weitere Projekte hätten wir noch viele, allerdings ist das auch eine Zeitfrage“, sagt Paulinec. „Es ist nicht immer einfach die Arbeit und die Kinder unter einen Hut zu bringen. Wir sind froh, dass es bei uns so gute Kinderbetreuungseinrichtungen gibt und auch die Oma mithilft. Andreas und ich arbeiten für die Segway-Touren und die Escape-Rooms viel am Wochenende, da ist dann Oma gefragt. Als Wochenend-Ausgleich nehmen wir uns dann montags und dienstags bewusst viel Zeit für die Kinder“, schildert Paulinec.
Zum Nachdenken anregen
Paulinec spricht in den sozialen Medien immer wieder Themen an, die viele Frauen beschäftigen. „Ich möchte Menschen dazu anregen, über bestimmte Themen nachzudenken und auch eigene Sichtweisen zu hinterfragen. Mir ist es wichtig, das vor allem Frauen auch zu sich selbst stehen, sich in ihrer Haut wohlfühlen und sich mehr Selbstliebe schenken.“ Zum Thema Kinder und Arbeit schreibt sie etwa: „Was nimmst du dir heraus so anmaßend zu sein und erklärst mir wie ich eine Mutter sein soll. Ich bin schockiert zu hören, dass Frauen über eine Krabbelstube urteilen und meinen, Frauen sollen gefälligst zu Hause bleiben.“ Paulinec erklärt: „Ich habe mitbekommen, wie mich andere Frauen verurteilt haben, weil ich meine Kinder so bald in die Krabbelgruppe gegeben habe. Dabei gibt es unterschiedliche Gründe, warum Eltern das tun. Manche müssen das aus finanziellen Gründen, andere wollen das, weil sie nicht nur Mutter sein wollen, sondern sich auch beruflich verwirklichen wollen und Spaß an der Arbeit haben. Beide Gründe sollten akzeptiert werden. Ich will dazu anregen, erst einmal nachzudenken, bevor man über andere urteilt“, sagt Paulinec. Schlimm findet sie es vor allem, weil es meist Frauen sind, die über andere Frauen urteilen. „Wir sollten uns lieber gegenseitig unterstützen und uns nicht gegenseitig ein schlechtes Gewissen einreden.“
So schreibt Paulinec auch über Themen wie regelmäßige Gesundenuntersuchungen beim Frauenarzt, Schwierigkeiten beim Kinderwunsch, Schönheitsoperationen oder postet Bilder von ihrem Boudoirshooting. „Ich möchte damit zeigen, dass man sich auch ohne Größe 36 wohl in seiner Haut fühlen kann.“ Zu ihren Posts erhält die Schönauerin viele positive Rückmeldungen. „Viele Frauen sagen mir, dass sie dankbar sind, dass ich diese sogenannten Tabu-Themen anspreche, weil es ihnen genauso geht und ich ihnen aus dem Herzen spreche.“
„Lernen gelassener zu sein“
Vorbild will Paulinec keines sein. „Wir versuchen für unsere Kinder Heidi und Josef gute Eltern zu sein und auch unsere beruflichen Projekte gut umzusetzen. Es gibt aber natürlich auch immer Dinge, die man nach außen nicht sieht. Ich bin zum Beispiel keine gute Bastlerin oder Keksebäckerin und wenn es stressig wird, ist es auch nicht immer so ordentlich im Haus wie ich das gerne hätte. Aber da muss man lernen, gelassener damit umzugehen. Niemand ist perfekt.“


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