Vier Jahrzehnte lang war die Sissi Dorfwirtin mit Leib und Seele
PIERBACH. In Pierbach ist Dorfwirtin Elsa „Sissi“ Fasching-Leitner eine Institution. Mangels Nachfolger sperrte das Wirtshaus heuer zu.

Elsa Fasching-Leitner, von allen „Sissi“ genannt, legt in der Küche ihres Dorfwirtshauses im großen, alten Holzofenherd einige Scheiter nach, das Feuer knistert bereits und sorgt für wohlige Wärme in der ehemaligen Wirtshausküche. „Da werd ich bestimmt die eine oder andere Träne vergießen, wenn wir den Ofen demnächst ausbauen“, seufzt die Pierbacherin, die 42 Jahre lang den Wirt z’Pierbach führte und abertausende Essensportionen auf dem besagten Holzofen zubereitet hat. Mit ihrem Mann Gottfried baut Elsa Fasching-Leitner das ehemalige Gasthaus im Ortszentrum gerade um.
„Musste ins kalte Wasser springen“
Denn aus gesundheitlichen Gründen und mangels Nachfolger entschieden sich die Wirtsleute schweren Herzens dazu, den Betrieb mit 31. Juli 2022 zu schließen. „Noch am 30. Juli hatten wir eine Hochzeit, und der Bräutigam hat sich bei uns recht bedankt, dass wir diese noch ausgerichtet haben, da war ich wirklich sehr gerührt“, sagt Sissi.
1980 hat sie die Gastwirtschaft im jungen Alter von 20 Jahren von ihrer Mutter übernommen, auch wenn sie eigentlich ganz andere Zukunftspläne gehabt hätte. „Damals war eine andere Zeit, ich bin nicht groß gefragt worden und musste mehr oder weniger ins kalte Wasser springen“, erinnert sich die Wirtin zurück, die sich mit der Zeit jedoch in ihre Rolle einfand und das Wirtshaus ab 1984 mit ihrem Mann Gottfried, einem gelernten Maurer, sowie mit tatkräftiger Unterstützung aus der Verwandtschaft führte. „Gottfried war der Wirt, mein Reich die Küche. Das Kochen habe ich von meiner Mutter gelernt, ich habe mir aber auch selber viel angeeignet, zum Beispiel das Zubereiten von Wild. Berühmt war unser Wirtshaus für das Bratl aus dem Holzofen, den Kalbsbraten, das Cordon bleu und die guten Schnitzerl aus der Pfanne.“
Wirtshaus-Geschichten
Ob diverse Feiern, Zehrungen, die traditionelle Rockaroas im Fasching, Harmonika-Stammtisch, Knödelwanderungen oder das alltägliche Geschäft: Die drei Kinder Stephanie, Patrick und Nadine wuchsen quasi in der Wirtshausküche auf und halfen stets recht fleißig mit. „Auch auf unsere ausgezeichneten Mitarbeiter war immer Verlass, da bin ich recht dankbar dafür“, so die Pierbacherin, die viele Anekdoten aus ihrer Zeit als Wirtin zu erzählen weiß. Etwa jene von einem stark illuminierten Gast, der vor vielen Jahren spätnachts die Türen verwechselte und statt im WC ein Stockwerk tiefer im Keller landete. „Der ist im Rausch die Stiege runtergestürzt, hat aber erst nach Stunden um Hilfe gerufen. Mein Mann hat ihn dann mitten in der Nacht zum Doktor gefahren“, erinnert sich die Pierbacherin.
„Mir gehen die Leute ab“
„Wir haben das Gasthaus mit einem lachenden und einem weinenden Auge zugesperrt. Mir gehen schon jetzt die Leute ab, aber gesundheitlich geht es einfach nicht mehr“, bedauert Fasching-Leitner, die 2013 mit einer Krebsdiagnose konfrontiert wurde. Ganz untätig sind die Fasching-Leitners aber deswegen trotzdem nicht: Derzeit bauen sie das ehemalige Gasthaus für sich und zwei ihrer Kinder um – jeder bekommt eine eigene große Wohnung. Außerdem wird Sissi für ihr Catering- und Partyservice weiterhin aufkochen.


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