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Leserartikel Hans Leitner, 27.04.2023 15:45

Große Sorgen macht sich der Pensionistenverband des Bezirkes Freistadt um die Gesundheitsversorgung nicht nur der älteren Menschen im Bezirk Freistadt. In vielen Bezirken des Landes laufen derzeit intensive Vorbereitungen für Primärversorgungszentren, etliche stehen knapp vor der Eröffnung. Nur im Bezirk Freistadt scheint sich da wenig zu tun.

Eine Delegation aus dem Bezirk Freistadt besuchte das Primärversorgungszentrum in Haslach und konnte sich von der Wichtigkeit und Wirksamkeit dieser Einrichtung überzeugen. v.l. BGM Dominik Reisinger, Eduard Anger, Dr. Erwin Rebhandl, Ludwig Kürnsteiner, Ernst Horky, Hans Affenzeller, Vbgm. Alexander Skrzipek, Bgm. Ing. Dietmar Stegfellner. Foto Pensionistenverband/Leitner

„Wir fürchten, dass der Bezirk Freistadt hier den Anschluss verpasst, so wie vor vielen Jahren, als Freistadt wirtschaftlich ein ganz schwacher Bezirk war. Wir würden uns erwarten, dass Ärzte und Gemeinden hier die Initiative ergreifen und rasch notwendige Maßnahmen setzen“, zeigt sich der Bezirksvorsitzende Hans Affenzeller sehr besorgt. Eine Arbeitsgruppe Gesundheit hat schon seit Jahren die Situation im Bezirk erhoben und notwendige Maßnahmen erarbeitet.In Oberösterreich sind etwa 15 Primärversorgungszentren geplant. Nach Info der Sozialversicherung ist eine Primärversorgungseinheit (PVE) „… die allgemeine und direkt zugängliche erste Kontaktstelle für alle Menschen mit gesundheitlichen Problemen im Sinne einer umfassenden Grundversorgung. Sie soll den Versorgungsprozess koordinieren und gewährleistet ganzheitliche und kontinuierliche Betreuung. Sie berücksichtigt auch gesellschaftliche Bedingungen.“ Sie kann als Zentrum gegründet werden. Hierbei arbeiten alle Gesundheits- und Sozialberufe unter einem Dach, was eine besonders enge Zusammenarbeit fördert. Als Organisationsform kommt eine Ärzte-Gruppenpraxis in Frage, deren GesellschafterInnen ÄrztInnen sein müssen.Um sich detailliert zu informieren besuchte eine Abordnung des Pensionistenverbandes Bezirk Freistadt die Einrichtung in Haslach. Das seit 2018 bestehende Primärversorgungszentrum in Haslach wird von drei praktischen Ärzten auf zwei Kassenstellen geführt. Das erweiterte Team besteht aus Psychotherapie, Physiotherapie, Logopädie, Ergotherapie, Sozialarbeit, Hebamme, Diätologie und PV-Management. Es wird in einer offenen Gesellschaft organisiert, alle Bediensteten sind als Angestellte mit 36,5 Wochenstunden angestellt. Das Team könnte noch mit einem Kinderarzt erweitert werden.Für den Bezirk Freistadt wären laut Affenzeller drei dieser Gesundheitszentren notwendig, eines in Freistadt, eines im Osten im Raum Unterweißenbach und das Dritte im Großraum Pregarten. Laut Dr. Erwin Rebhandl, dem Leiter des Zentrums in Haslach ergibt sich neben der wohnsitznahen Versorgung der Bevölkerung noch ein weiterer gravierender Vorteil: Für viele, vor allem kleinere Landgemeinden ist es schwer, nach der Pensionierung des Gemeindearztes wieder einen niedergelassenen Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag zu finden. Dieses Problem ergibt sich in den Primärversorgungszentren nicht. „Meine beiden Arztkollegen wären ohne das Zentrum sicher nicht in Haslach und einen Arzt zu finden wäre auch hier schwierig“, sagt der Leiter des Primärversorgungszentrums Haslach Dr. Erwin Rebhandl.Gerade in einer Zeit, in der Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen überlastet sind und kaum Personal zu finden ist, bringt eine umfassende Versorgung vor Ort eine massive Erleichterung für PatientInnen und medizinisches Personal. Der Pensionistenverband hofft nun, dass sich Ärzte finden, die gemeinsam mit interessierten Gemeinden ein solches Primärversorgungszentrum aufbauen wollen.


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