Ehrenamt: Der Wurmtöter von Hirschbach
HIRSCHBACH. Manfred Schauer ist in Hirschbach als „Wurmtöter“ bekannt. Mit großer Expertise und viel Geduld rückt der gelernte Tischler Holzwürmern zu Leibe, die sich an den Türen, Bänken und Kreuzwegstationen der Kirche zu schaffen machen.

Eines der vielen Ehrenämter von Manfred Schauer ist höchst ungewöhnlich: Der 73-jährige Hirschbacher macht Holzwürmern den Garaus, was ihm in seinem Heimatort den scherzhaften Titel „Wurmtöter“ einbrachte.
Zu diesem Ehrenamt kam Schauer wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kind. „Kaum war ich in Pension, hat mich der Pfarrgemeinderatsobmann vor gut zehn Jahren angeheuert. Ich solle mir doch bitte mal die Kirchentür anschauen, die eindeutig von Holzwürmern befallen war“, erinnert sich Manfred Schauer mit einem Schmunzeln zurück.
Da ist der Wurm drin
Die gut 520 Jahre alte, original erhaltene, massive und leider wurmstichige Kirchentür wollte Schauer, seines Zeichens auch Zechprobst, nicht kampflos den gefräßigen Holzschädlingen überlassen. „Ich habe mir jedes Bohrloch einzeln vorgenommen. Zuerst habe ich diese mit Kompressorluft ausgeblasen und dann mit Plastik-Injektionsnadeln ein spezielles, flüssiges und ziemlich unangenehm riechendes Mittel in die Löcher eingebracht.“
Eineinhalb Tage arbeitete der Tischlermeister, der in jungen Jahren auch in einer Antiquitätentischlerei in Bad Hall gearbeitet und die letzten elf Jahre vor seiner Pensionierung im Diakoniewerk in Gallneukirchen die Tischlerei geleitet hat, mit großer Akribie an der jahrhundertealten Kirchentür. „Seitdem ist Ruhe“, sagt Schauer.
Verantwortung gegenüber den nächsten Generationen
Er unterstreicht: „Die Generationen vor uns haben schon darauf geschaut, dass alles gut erhalten bleibt, und so stehen auch wir in der Verantwortung gegenüber den nachkommenden Generationen.“
Mit der Taschenlampe und auf allen Vieren
Von Mai bis November ist ein wöchentlicher Kontrollgang in der Kirche für Manfred Schauer Pflicht. Er weiß: Man muss immer dahinter sein, sonst gewinnen die Holzschädlinge wieder die Oberhand.
Oft sieht man Schauer mit der Taschenlampe zwischen und unter den Kirchenbänken herumkriechen und die Kreuzwegstationen genauestens inspizieren. Wo er feines Wurmmehl entdeckt, ist buchstäblich der Wurm drin. „Momentan habe ich alles im Griff, zumindest alles bis in zwei Meter Höhe, so hoch ich halt g’launga kann.“
Da und dort angestückelt
Der Vater von zwei Söhnen und Opa von zwei Enkerln engagiert sich auch noch anderweitig ehrenamtlich. Er war 27 Jahre Wanderreferent bei der Sportunion und ist nun Sportreferent bei der Seniorenbund-Ortsgruppe. Mit seiner Frau Regina ist er im Katholischen Bildungswerk-Team aktiv. Gemeinsam organisiert das Paar heuer schon zum siebten Mal eine Wanderung auf den Pöstlingberg, die dieses Jahr am 14. Oktober stattfinden wird.
Außerdem engagieren sich die beiden im Bauernmöbelmuseum im Vorstand und im Führungsteam. „Im Bauernmöbelmuseum bin ich der Haus- und Hoffotograf, außerdem Tischler und Restaurator“, so Schauer, der es gerne mit dem griechischen Philosophen Aristoteles hält: „Wo deine Talente und die Bedürfnisse der Welt sich kreuzen, dort liegt deine Berufung.“


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